Tempo 50 auf Landshuter Allee und A 96 Auf die Bremse

Die Schadstoffbelastung ist an der Landshuter Allee besonders hoch.

(Foto: Robert Haas)

Möglicherweise müssen Münchner Autofahrer bald vom Gas gehen: Die Stadt will Tempo 50 auf der Landshuter Allee und A 96 testen.

Von Dominik Hutter

Münchens Autofahrer müssen möglicherweise bald nicht nur an der Landshuter Allee, sondern auch auf der Lindauer Autobahn vom Gas gehen. Nach Auskunft des städtischen Umweltreferenten Joachim Lorenz (Grüne) gibt es derzeit ernsthafte Überlegungen, an beiden Stellen Tempo 50 einzuführen. Hintergrund ist die hohe Stickoxid-Belastung der Luft, die weit über den Grenzwerten der Europäischen Union liegt. Derzeit darf auf dem Mittleren Ring Tempo 60 gefahren werden. Auf dem innerstädtischen Abschnitt der A 96, auf Höhe Fürstenrieder Straße, sind 80 Stundenkilometer erlaubt.

Bei der Politik hält sich die Begeisterung für die Pläne in Grenzen - vor allem, was die Autobahn angeht. Auf einer derart breiten Trasse, davon ist SPD-Fraktionschef Alexander Reissl überzeugt, lässt sich das niemals durchsetzen.

Laut Lorenz hat der Freistaat bei einer breit angelegten Untersuchung an der Landshuter Allee festgestellt, dass Tempo 50 sich sehr positiv auf die Luftqualität auswirken könnte - vorausgesetzt allerdings, die Einhaltung wird konsequent überwacht. Ein Minus von etwa 15 Prozent der Stickoxide sei zu erwarten, berichtet der Umweltreferent, und der Freistaat habe zu erkennen gegeben, dass er großen Wert auf eine ernsthafte Diskussion über das Ergebnis des Gutachtens legt. "Ich werde es wahrscheinlich dem Stadtrat vorschlagen", kündigte Lorenz an. Zunächst als Pilotversuch: Der Freistaat habe angekündigt, entsprechende Messreihen an der Landshuter Allee zu finanzieren.

Die Stelle gilt als eine der meistbelasteten im Stadtgebiet - und sie hat den Vorteil, dass die Wirkung des Tempolimits durch die dort aufgestellte Messstelle des Landesamts für Umwelt sofort überprüft werden kann. Auch an der Lindauer Autobahn liege die Stickoxid-Belastung weit über dem Grenzwert. Man müsse "auch hier über Tempo 50 diskutieren", erklärte Lorenz.

Tempo 50 statt 60 an der Landshuter Allee - für Reissl wäre das "kein Grund, einen Glaubenskrieg zu beginnen". Allerdings müsse die neue Grenze auch eingehalten werden, sonst helfe alles nichts. Die Erfahrung zeige, dass schon das heutige Limit nicht eingehalten werde - viele Autofahrer seien mit 70 oder 80 Sachen auf dem Ring unterwegs. CSU-Fraktionschef Josef Schmid hält Tempolimits an beiden Stellen für wenig zielführend, "man sollte schleunigst zu großen Lösungen kommen".

Und die heißen: Tunnelverlängerung an der Landshuter Allee und der Bau einer Einhausung an der Lindauer Autobahn. Was den Anwohnern am meisten nütze, stoße bei der rot-grünen Rathausmehrheit auf eine "Verweigerungshaltung". Auch FDP-Kollege Michael Mattar warnt vor den geplanten Tempolimits. "Das ist überhaupt nicht sinnvoll", erklärt er. In der Folge entstünden Staus, und die Autofahrer wichen auf andere Wege aus - etwa die Nymphenburger und Dachauer Straße. "Das wäre kontraproduktiv." München hat auch im vergangenen Jahr beim Stickstoffdioxid gegen die EU-Vorgaben verstoßen - anders als beim Feinstaub. Dessen Reduzierung führt Lorenz aber vor allem aufs Wetter zurück. "Wir hatten weniger Inversionswetterlagen".