Szenario Zum Reinlegen schön

Sichtbar glücklich und zufrieden: Der Kabarettist und Karl-Valentin-Preisträger Sigi Zimmerschied.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eine angenehm schräge Preisverleihung mit Sigi Zimmerschied

Von Thomas Becker

Schön schräg, widerhakig und hochgradig virtuos: So darf ein Sonntag mal anfangen. Schade, das die Sonntagsmatinee aus der Mode gekommen ist. Wird sich womöglich auch Sigi Zimmerschied gedacht haben. In den markanten Schädel reinschauen hätten wir schon mögen, aber uns natürlich nicht getraut. Doch wie er da so sitzt in Reihe acht des Volkstheaters und gen Bühne blickt, schwebt ein Satz über ihm: "Und er sah, dass es gut war." Verdammt gut sogar.

Ihm zu Ehren - Zimmerschied bekommt den Großen Karl-Valentin-Preis - ist nicht nur eine sensationelle Laudatorin gekommen, sondern auch Musikanten, denen man gern länger zugehört hätte: das Duo "Coconami" mit bayerisch-japanischen Interpretationen von Bally Prell, Liesl Karlstadt und König-Ludwig-Lied, dazu das Oberammergauer Quartett "Kofelgschroa" und die grandiosen "Original Bauernsfünfer". Alles zum Reinlegen schön.

Schön auch, dass die Abteilung Wort kein Stück abfällt. Alfons Schweiggert, Valentin-Biograf und 2007 Initiator des Preises, blickt auf die bisherigen Preisträger (Gerhard Polt und die Biermösl Blosn, Fredl Fesl sowie Helge Schneider) und erklärt, warum die Gegenveranstaltung zum von der Narrhalla verliehenen Karl-Valentin-Orden der wohl einzige undotierte Preis des Planeten ist: "Nicht, was man bekommt, ist wichtig, sondern dass man überhaupt was bekommt." Nur: Wie überreicht man nichts? Helge Schneider bekam zwei Eimer mit teuer zu entsorgender Farbe, quasi als Negativ-Nichts. Logisch, dass ein Eimer brach und die Farbe Schneiders Füße umspielte. Zimmerschied bleibt sauber, hört sich auf der Bühne mit den zwei Urenkelinnen Valentins des Meisters "Lied vom Sonntag" an und meint: "Das beste an dem Preis ist ja, dass man sich für nichts bedanken muss." Macht er trotzdem: spielt 30 Minuten aus seinem Programm "Der siebte Tag - ein Erschöpfungsbericht".

Davor ist Luise Kinseher dran. Zunächst gibt sie die Laudatorin, zitiert ihre Magisterarbeit von 1994 über Zimmerschied, ihr Vorbild, Mentor und "freundschaftlicher Sorgen-Opa im Fraunhofer nach der dritten Flasche Wein", und legt eine derart pralle, das Mark des Preisträgers erforschende Lobrede hin, die man gar nicht genug loben kann. Beispiel: "Zimmerschied besitzt die Gabe, mit nur einem Witz das göttliche Nichts in seiner Größe sichtbar zu machen." Später kommt sie wieder, als rüscherlselige Mary from Bavary, die mit der Mama Bavaria vom Nockherberg nicht tauschen mag. Ihre Empfehlung: Bademantel anziehen und vorher was trinken.