Staatsanwaltschaft ermittelt schlampig Kunde verprügelt und fast verurteilt

Weil sie ihn für einen Dieb halten, schlagen Mitarbeiter eines Münchner Supermarkts einen Kunden krankenhausreif und zeigen ihn dann auch noch an. Die Staatsanwaltschaft glaubt den Tätern - und beinahe wird Abdul M. auch noch zum Opfer schlampiger Ermittlungen.

Von Bernd Kastner

Abdul M., 37 Jahre alt, geboren in Afghanistan, lebt seit langem in Deutschland und ist ein unbescholtener Mann. Vor zwei Jahren aber bekam er es plötzlich mit der Justiz zu tun. Zunächst wurde er Opfer gewaltsamer Selbstjustiz: Weil sie ihn des Ladendiebstahls verdächtigten, verprügelten ihn zwei Mitarbeiter eines Supermarkts.

Und dann wäre M. beinahe auch noch Opfer schlampiger Ermittlungen geworden: Die Staatsanwaltschaft wollte ihn verurteilen und die eigentlichen Täter laufen lassen. Einem Anwalt und dem Oberlandesgericht ist zu verdanken, dass dies doch nicht geschah.

Es war am 8. August 2009, als Abdul M. (Name geändert) in einem Supermarkt im Bahnhofsviertel einkaufte. Er ist dort Stammkunde und hat nach eigenen Angaben Bohnen und Fleisch eingekauft und bezahlt. Als er den Laden verließ, hielt ihn ein Markt-Mitarbeiter auf und beschuldigte ihn, Rindfleisch für 50 Euro eingesteckt zu haben.

M. dachte, den Irrtum schnell aufklären zu können. Doch das dauerte dann länger als zwei Jahre, und war äußerst schmerzhaft. Denn später an jenem Augustabend kauerte M. im Hof des Supermarkts, Blut lief aus einer Wunde am Kopf.

Was war passiert? Zwei Markt-Mitarbeiter, der 41-jährige Chef und ein 23-jähriger Verkäufer, behaupteten, der "Dieb" habe versucht abzuhauen. Dabei sei er gegen eine Wand gerannt und habe sich am Kopf verletzt. Eine Nachbarin, die vom Balkon aus das Geschehen beobachtet haben will, bestätigte dies.

Abdul M. erzählt eine andere Geschichte: Er sei in den Hinterhof des Markts gebeten worden, wo ihm ein Mitarbeiter angeboten habe, nicht die Polizei zu verständigen, wenn er 500 Euro Strafe zahle. M. aber wollte die Sache durch die Polizei klären lassen.