Das Risiko eines allergischen Schocks sei einfach zu groß: In München hat eine Kindertagesstätte ein hochgradig allergisches Kind rausgeschmissen. Die Eltern wehren sich gegen die Kündigung, doch das Amtsgericht hält die Entscheidung der privaten Einrichtung für rechtmäßig.
Den passenden Kita-Platz für sein Kind zu finden, ist für Eltern oft schwierig und nervenaufreibend - und offenbar sind die Verträge für einen Platz auch nicht in Stein gemeißelt, wie nun das Münchner Amtsgericht entschieden hat. Demnach muss es ein berufstätiges Münchner Ehepaar hinnehmen, dass der Platz seines hochgradig allergischen Sohns ohne Angabe von Gründen überraschend gekündigt wurde.
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"Bei der Betreuung von Kindergartenkindern gibt es kein übergeordnetes, einem Schulabschluss vergleichbares Ziel, das den Verbleib in einer Einrichtung zwingend notwendig macht": Das hat nun das Amtsgericht in München entschieden. (© dpa)
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Die angesehene private Einrichtung, die mehrere Kindertagesstätten in der Stadt und im Umland betreibt, hat sich der ganzheitlichen Erziehung von Geist, Seele und Körper verschrieben.
Einem Münchner Ehepaar erschien das ideal zu sein, zumal der fünfjährige Sohn als Allergiker einer individuell abgestimmten Erziehung und Betreuung bedarf. Ohne einer Klausel besondere Aufmerksamkeit zu schenken, in der eine beiderseitige Kündigungsfrist von drei Monaten ohne Angabe von Gründen vereinbart ist, unterschrieben sie den Kita-Vertrag.
Für das Kind wurde dann eine Notfallkiste in der Kindertagesstätte deponiert, in der sich ein Allergiepass sowie verschiedene Medikamente für den Ernstfall befanden. Im Laufe der Zeit muss es aber zu Spannungen gekommen sein: So wurden offenbar die Betreuerinnen fortlaufend mit immer neuen Anweisungen konfrontiert - bis hin zu der Forderung nach einer "nussfreien Zone".
Jedenfalls bekamen die Eltern nach einiger Zeit ohne Angabe von Gründen im März 2011 die Kündigung. Sie protestierten: Es sei aus pädagogischer Sicht wichtig, die gesamte Kindergartenzeit in einer Einrichtung zu verbringen - deshalb dürfe eine Kündigung nur aus "erheblichen Gründen" erfolgen.
Die Kita-Leitung wich jedoch nicht zurück. Das Risiko eines allergischen Schocks des Kindes sei für die Mitarbeiter zu groß. Die Amtsrichterin gab der Kita recht: Deren Kündigungsklausel sei nicht zu beanstanden; nach der Regelung des Bürgerlichen Gesetzbuches sei sogar eine Kündigung jeweils am 15. zum Monatsende ohne Angaben von Gründen zulässig. "Bei der Betreuung von Kindergartenkindern gibt es kein übergeordnetes, einem Schulabschluss vergleichbares Ziel, das den Verbleib in einer Einrichtung zwingend notwendig macht" - auch wenn es für die Eltern wünschenswert wäre, dass ihr Kind die gesamte Kindergartenzeit in einer Einrichtung verbringe. Dass Kita-Plätze in München knapp seien, spiele rechtlich ebenfalls keine Rolle.
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(SZ vom 23.08.2011/afis)
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OT: Was sollen so neid-klingende Sätze, wie "klassischen SUV-fahrenden Karriereeltern." Wer immer gleich derartige Schlüsse ziehen möchte, dem kann man ein kleines Problem nicht absprechen.
Und wer in Amerika länger gelebt hat weiß, dass nur mit dem nötigen Kleingeld alles für diese Problemkinder getan wird. Nur wer es bezahlen kann, der vermag die speziellen Kindergärten in Anspruch nehmen. Eine Tatsache...
So ganz einfach, wie es sich Eltern vielleicht vorstellen, ist es mit der Verabreichung von Spritzen - oder anderen medizinischen Maßnahmen- nicht. Eine (Notfall-) Spritze darf nur von entsprechend ausgebildetem Personal gesetzt werden. Der Träger der jeweiligen Kita - oder anderen vorschulischen Einrichtung - müsste m.W. in diesem Fall eine (Kinder-)Krankenschwester anstellen, um die Notfallversorgung sicher zu stellen. Die Anleitung durch Eltern oder deren schriftliches Einverständnis genügen nicht.
die Wortwahl erinnert doch sehr an "tabloids".
....daß es für eine derartige Faktenlage keine ideale Lösung gibt, liegt auf der Hand. Der extreme Anstieg derartige Krankheiten wird über kurz oder lang zum Umdenken zwingen.
Es ist zudem wieder ein Problem, das seine Ursachen ganz woanders hat und bei dem sich die Politik immer noch weigert Einfluß zu nehmen, obwohl die Gesundheit aller betroffen ist: der hemmungslose Umgang der Lebensmittelindustrie mit Inhaltsstoffen bis hin zur Genmanipulation.
Das ist natürlich übel. Wenn ein Schock auftritt muß auch jemand spritzen. Das war in dem beschriebenen Fall ja wohl auch schon gewährleistet (Notfallkoffer).
Aber ansonsten eben: entweder spezielle Kindergärten (dann aber wird der Fahrtweg lang werden) oder wirklich zu Hause bleiben. Denn Kindern in dem Alter kann man ja nicht alles verbieten bzw. den richtigen Umgang beibringen: Nüsse, Äpfel, Erdbeeren, Milch ...
Der Leser des Artikel kann den Eindruck bekommen, es handele sich um irgendwie überkanditelte, hysterisch überreagierende Eltern, die es gewohnt sind, Sonderrechte für sich und ihr Kind einzufordern... Ich kenne den Fall nicht und will gar nicht unbedingt das Gegenteil behaupten. Ich weiß aber leider seit 2 Monaten, daß mein dreijähriger Sohn ebenfalls eine schwere - Erdnuß - allergie hat und hätte mir vorher auch nicht träumen lassen, was das für Konsequenzen hat.
In unserem Fall weigerte sich der Kindergarten - übrigens ein öffentlicher Träger! - dem Kind im Falle eines allergischen Schocks die Notfallspritze zu geben - was bedeutet, das ich - berufstätig mit 2 Kindergartenkindern und einem schwer kranken Mann, zunächst mal gar keinen Kindergartenplatz mehr hatte. Und es ist so, daß man in der ersten Zeit als betroffene Eltern erst nach und nach in die Thematik hineinwächst, also evt. auch den Kindergarten erst nach und nach über notwendige Konsequenzen informieren kann. Auch unser Sohn braucht einen weitgehend "erdnußfreien" Kindergarten und wir werden über intensive Elternarbeit dort um Solidarität bitten müssen. Weil es nämlich für mein Kind lebensgefährlich ist, wenn z.B. ein anderes Kind Erdnußflips mitbringen würde, und er Brösel einatmet... Ich hätte das früher auch für übertrieben gehalten, aber das ist Realität. Und die Zahl schwer allergischen Kinder nimmt in den letzten Jahren extrem zu. In den USA, wo es jetzt schon viel mehr Allergiker gibt, sind z.B. erdnußfreie Kindergärten und Schulen mittlerweile gang und gäbe. Ich verstehe die Ängste auf beiden Seiten. Wir brauchen dringend eine bessere Information der Gesellschaft zu diesen Themen, Weiterbildungen für Erzieher und Lehrer und gesetzliche Regelungen für Schulen und Kindergärten. Was soll man mit diesen - ansonsten völlig gesunden - Kindern denn sonst machen? Zuhause in Isolationshaft halten? Nicht beschulen?
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