Stiftung von Thomas Müller Prominenz hat auch was Gutes

"Wichtig ist, dass man voll hinter einem Projekt steht und sich damit identifiziert": Der FC-Bayern-Star Thomas Müller engagiert sich für eine Stiftung, die Kinder nach dem Verlust eines Elternteils unterstützt.

Von Stefan Galler

Richtig viel los ist nicht auf dem Trainingsgelände des FC Bayern. Ein Platzwart dreht mit dem Mähdrescher einsam seine Kreise, Fans sucht man vergeblich. Kein Wunder, schließlich starten die Fußball-Profis erst in knapp zwei Wochen wieder in die Saisonvorbereitung. Thomas Müller ist bereits aus dem Urlaub zurück, eine Woche Portugal haben sich er und seine Frau Lisa gegönnt. Mehr war aber nicht drin, weil Lisa an Reitturnieren teilnimmt und das Paar ihren Hund Micky nicht so lange alleine lassen will. "Wir sind doch auch so schön braun geworden", sagt die Frau des Shooting-Stars im deutschen Profi-Fußball.

Ihrem Thomas steht das Urlaubsbraun gut, als er an diesem kühlen Montagvormittag im proppenvollen Pressestüberl an der Säbener Straße über seine Tätigkeit als Repräsentant der Nicolaidis-Stiftung spricht. Martina Münch-Nicolaidis hatte nach dem Tod ihres Ehemannes die Stiftung ins Leben gerufen, um für die Belange junger Witwen und Witwer, sowie deren Kinder einzutreten, das war vor 13 Jahren.

Eines der Projekte der gemeinnützigen Organisation trägt den Namen "Young Wings" und wendet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche, die einen Elternteil oder eine andere wichtige Bezugsperson verloren haben. Die betroffenen 12- bis 21-Jährigen können sich online in Forum und Chat miteinander austauschen oder die Beratung eines Pädagogen in Anspruch nehmen.

Thomas Müller hat dieses Konzept überzeugt: "Es sind nicht nur ein paar Jugendliche, die so ein Problem haben, sondern fast eine Million", sagt der Fußballer, der sich intensiv mit der Anfrage der Stiftung auseinandergesetzt hat, ehe er zusagte. "Wichtig ist, dass man voll hinter einem Projekt steht und sich damit identifiziert - genau das tue ich." Selbstverständlich könne er sich nicht als Berater für die jungen Leute aufspielen, "das wäre vermessen", wie er sagt. Sehr wohl aber sei es ihm möglich, die Problematik in der Öffentlichkeit zu streuen und potentielle Spender zu animieren. "Und ich kann den Betroffenen aus der Sicht eines Sportlers sagen, dass sie ihren Kampfgeist nicht verlieren dürfen und irgendwann ihren Spaß am Leben zurückbekommen müssen."

Das 14-jährige Mädchen, das neben Müller auf dem Podium vor den Journalisten sitzt und auf den gleichen Vornamen wie die Frau des Fußballers hört, macht den Eindruck, als habe sie genau das geschafft. Lisas Vater starb, als sie sechs Wochen alt war, die Aufarbeitung dieses Schicksalsschlags gelang der jungen Münchnerin nicht zuletzt durch den virtuellen Dialog "mit Gleichgesinnten", wie sie selbst es ausdrückt. "Wichtig ist die Anonymität, du bleibst bei dir selbst und redest mit Leuten, die dich viel besser verstehen als ein Therapeut."

Anonym - genau das sind die Müllers seit dem kometenhaften Aufstieg des Kickers in der Saison 2009/10 nun freilich nicht mehr, weshalb der 21 Jahre alte Offensivspieler ein idealer Repräsentant für die Stiftung sei, wie Martina Münch-Nicolaidis betont. Doch im Privatleben ist es nicht immer von Vorteil, wenn einen jeder kennt. Deshalb hat das Paar nun seine Bleibe in Oberhaching aufgegeben und ist ins noch beschaulichere Straßlach-Dingharting gezogen. "Die Fotografen haben uns dauernd ins Wohnzimmer geknipst", sagt Lisa Müller.

Das Interesse der Regenbogenpresse am Jung-Nationalspieler und seiner hübschen Gattin sprenge jede Vorstellungskraft, verrät einer aus der Beraterfirma von Ludwig "Wiggerl" Kögl, die sich um Müllers Belange kümmert. Und so will die Reporterin einer Hochglanzzeitschrift auch ganz genau wissen, wie es um die Familienplanung beim WM-Torschützenkönig bestellt ist. Müller bleibt sachlich: "Ich sehe mich selbst noch als Kind, wir fühlen uns der Verantwortung, Kinder zu haben, noch nicht gewachsen." Als die Journalistin dann noch fragt, in welche Fußballerin sich Müller verlieben könnte, wird es ihm zu bunt. "Meine Frau sagt immer, ich habe eine schlechte Vorstellungskraft."

Er geht lieber auf den Trainingsplatz, um mit einem guten Dutzend Jugendlichen aus dem "Young-Wings"-Projekt ein bisschen zu kicken. Wiggerl Kögl steht am Spielfeldrand und schaut zu. Der frühere Bayern-Profi ist stets dabei, wenn sein Schützling einen öffentlichen Auftritt hat. Über ihn lief auch der Kontakt zur Nicolaidis-Stiftung. "Ich bekomme ständig Anfragen, wir wählen da sehr sorgfältig aus", sagt Kögl, der unterstreicht, dass Müllers Engagement für "Young Wings" frei von jeglichen finanziellen Interessen ist.

Dass es dem Image gut bekommt, wenn man für Kinder und deren Probleme einsteht, sei ebenfalls kein Motiv gewesen, betont Thomas Müller. Ebenso wenig die Tatsache, dass sich auch Kollegen wie etwa Philipp Lahm sozial engagieren. "Ich mache bestimmt nicht deshalb ein solches Projekt, weil es jeder macht."