Kirchengrundstück in Wörthsee Der Wille zum Kompromiss

Der Wörthseer Pfarrer Andreas Miesen freut sich über die Kompromissbereitschaft der Gemeinderäte.

(Foto: Georgine Treybal)

Das gesamte Kirchenareal in Wörthsee soll überplant werden. Dann könnte auch der Hang am Rehsteig bebaut werden

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Auch wenn einige Gemeinderäte nach wie vor nicht glücklich sind mit den Plänen der Wörthseer Kirchenstiftung, war der Wille zum Kompromiss da. "Wir wollen die Fronten nicht weiter verhärten", sagte Harald Lossau (Freie Wähler) in der Sitzung am Mittwoch. Bürgermeisterin Christel Muggenthal sah sich sogar zu einer Erklärung veranlasst, bevor die Bebauung des Hangs am Rehsteig diskutiert wurde. "Unglücklich" sei sie darüber, dass die Kirchenstiftung ihre Bauwünsche immer mit der schlechten finanzielle Lage der Pfarrei "Zum Heiligen Abendmahl" begründet habe. Denn das dürfe für eine Entscheidung des Gemeinderats keine Rolle spielen. "Wir müssen das Vorhaben so objektiv betrachten wie alle anderen auch", sagte sie. Grundlage sei einzig, ob Baurecht bestehe oder nicht.

Die Kirchenstiftung möchte das Areal am Rehsteig nun mit drei Einfamilienhäusern bebauen, nachdem der Gemeinderat vier Gebäude als zu massiv abgelehnt hatte. Eines der vier etwa zwischen 700 und 800 Quadratmeter großen Grundstücke soll frei bleiben. Dieser Kompromiss war Thema eines runden Tisches Mitte Februar. Der Gemeinderat will sich allerdings die Planung nicht aus der Hand nehmen lassen und wird in der nächsten Sitzung eine Bauleitplanung für das gesamte Kirchenareal beschließen.

Das Grundstück am Rehsteig ist im Flächennutzungsplan als Wald ausgewiesen und gilt als Außenbereich im Innenbereich. Auf drei Seiten ist das Areal von Wohnbebauung umgeben. Eine Klage der Kirche gegen die Ablehnung ihres Bauantrags hätte vielleicht sogar Erfolg, würde sich aber über Jahre hinziehen. Darum riet das Landratsamt als Genehmigungsbehörde der Gemeinde und der Pfarrei, sich auf einen Kompromiss zu einigen.

Verärgert reagierten vor allem die Grünen, weil Pfarrer Andreas Miesen den Hang unterhalb des Pfarrheims bereits abholzen ließ. Damit wolle er wohl vollendete Tatsachen schaffen, hieß es. Miesen hatte dies gegenüber der SZ damit begründet, dass das Grundstück so besser vermessen werden könne. Das Amt für Landwirtschaft und Forsten, berichtete Muggenthal in der Sitzung, habe die Rodung als "Pflegemaßnahme" eingestuft. Sollte das Grundstück nicht bebaut werden, müsste es wieder aufgeforstet werden. Mit der Überplanung des gesamten Kirchenareals können sich die Fraktionen wohl anfreunden. Bis ein Bebauungsplan rechtskräftig ist, können mehrere Jahre vergehen. Allerdings gibt es die Möglichkeit, einzelne Bauanträge früher zu genehmigen, wenn sie sich an die Vorgaben halten. Wichtig ist den Gemeinderäten, dass das vierte Grundstück wirklich frei bleibt und nicht nachträglich noch bebaut wird. Pfarrer Miesen sagte am Donnerstag, er sei "froh" über die kompromissbereite Stimmung im Gemeinderat. Die Kirchenstiftung wünscht sich nicht nur Baurecht am Rehsteig, sondern möchte auch das Areal zwischen Pfarrkirche und Kindergarten für eine soziale Einrichtung zur Verfügung stellen. Was genau das sein könnte, könne er noch nicht sagen. Zuerst müsse die Diözese Augsburg den Plänen zustimmen. An den Sanierungskosten für das Kirchendachs und den Pfarrsaal beteilige sich die Diözese mit zwei Dritteln. Ein Drittel muss die Wörthseer Pfarrei aufbringen. Das kann sie aber erst, wenn die Finanzierung gesichert ist, also eines der drei Grundstücke am Rehsteig verkauft werden kann. Die zwei anderen sollen laut Miesen in Erbpacht vergeben werden.