Utting Viel Lärm um eine Markise

Die vom Pächter angeschaffte Schwenkarmmarkise hat sich als Sonnen- und Wetterschutz bewährt. Manchem Uttinger ist sie trotzdem ein Dorn im Auge.

(Foto: Arm/Nila Thiel)

Wieder beschäftigt sich der Gemeinderat Utting mit dem umstrittenen Sonnenschutz im Strandbad. Nur um festzustellen, dass die Kommune gar keine Alternative finanzieren dürfte

Von Armin Greune, Utting

Die Gemeinde wird keine Haushaltsmittel für einen Ersatz der umstrittenen Markise im kommunalen Strandbad verwenden. Einen entsprechenden Antrag der Initiative "Strandbadfreunde", die einen Rückbau der vom Pächter installierten Schwenkarmmarkise fordert, lehnte der Uttinger Gemeinderat ab: Für die Finanzierung stimmten sieben, dagegen zehn Räte. Das Gremium hielt sich aber einstimmig offen, einem Antrag für die Errichtung eines anderen Sonnen- und Regenschutzes zuzustimmen, wenn mit Pächter Rupert Riedel einvernehmlich eine Alternative zur Markise gefunden wird. Die von ihm realisierte, vier Meter hohe und 120 Quadratmeter überspannende Stahlkonstruktion hatte der Gemeinderat im Mai 2014 mit knapper Mehrheit genehmigt - nun wird sie aber von Vielen als zu massiv empfunden.

"Strandbadfreundin" Cornelia Bader hatte vier Vorschläge erarbeitet, wie die Markise über den Biergartenplätzen im Freibad ersetzt werden könnte. Drei Varianten gingen von vier bis sechs Schirmen unterschiedlicher Größe aus, die Kosten bezifferte Bader auf 27 000 bis 33 500 Euro. Für die vierte Alternative, ein 100 Quadratmeter überspannendes Sonnensegel, wie etwa beim "Fischer am See" in Stegen, hätten 26 000 Euro aufgewendet werden sollen. Das Segel wäre freilich nicht so regenfest wie die Markise gewesen.

Riedel halte deshalb von Baders Alternativen nicht viel, sagte Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL): "Er ist mit keiner Version einverstanden." Florian Hansch (SPD) betonte die Vertragslage: Es sei eindeutig festgelegt, dass nur der Pächter für Installationen und deren Abbau im Bad verantwortlich ist - "die Gemeinde darf dafür gar kein Geld in die Hand nehmen". Peter Noll (GAL) sah dafür auch gar keine Notwendigkeit, denn in drei Jahren laufe der Pachtvertrag ohnehin aus. Gegebenenfalls müsste Riedel dann die Markise zurückbauen, ohne dass der Kommune Kosten entstünden. Noll sei aber auch als "praktizierender Strandbadfreund" gegen den Antrag: Die Markise biete etwa bei Gewitter Schutz, um den See grün werden zu sehen - "das würde unter dem Sonnensegel nicht gehen."

Diese Auffassung teilten allerdings die wenigsten Ratsmitglieder. Florian Münzer (GAL) und Margit Gottschalk (CSU) nahmen mit deutlichen Worten gegen die aus ihrer Sicht das Ortsbild entstellende Markise Stellung. Renate Standfest (GAL) fand zwar, dass die Konstruktion inzwischen dank der Eingrünung weniger auffällig geworden sei, im Winter aber umso mehr den Ausblick auf See und Sprungturm störe - während Schirme oder Segel einfach abzubauen wären. Eine alternative Lösung könne aber nur gemeinsam mit dem Pächter gefunden werden, weil die Gemeinde sonst vertragsbrüchig würde, sagte sie. Claudia Sauter (CSU) sah noch eine andere Möglichkeit, Druck auf Riedel auszuüben. Denn die Markise wurde abweichend von den genehmigten Plänen gebaut, deshalb hat das Landratsamt einen nachträglichen Tekturantrag gefordert. Der aber war erst kurz zuvor eingegangen: zu spät für die aktuelle Sitzung, was Ralf Stief (CSU) als bewusste Verzögerungstaktik des Pächters auslegte. Lutzenberger ergänzte, dass die Markise lediglich 17 bis 40 Zentimeter höher ausgefallen sei, als im Plan vorgesehen. Die Bauaufsicht habe bereits mitgeteilt, dass diese minimalen Abweichungen keinen Grund für einen Entzug der Genehmigung darstellten - falls der Gemeinderat die Zustimmung zur Tektur verweigere, würde das Landratsamt also ersatzweise das Einverständnis erklären. Andreas Streicher (CSU) fand freilich, es ginge doch um mehr als nur die Höhe der Markise: Beim genehmigten Bauantrag habe der Pächter "eine irreführende Darstellung" vorgelegt.