Utting Polizei im Kreuzfeuer

Protestplakate am Holzhauser Dampfersteg.

(Foto: arm)

Beamte treffen mit ihren Plänen für ein Bootshaus in Holzhausen am Ammersee auf massiven Widerstand. 250 Bürger protestieren in der Gemeinderatssitzung - nun soll nochmals Stegen als Alternative geprüft werden

Von Armin Greune, Utting

250 Demonstranten haben am Donnerstag in der Sitzung des Uttinger Gemeinderats ihre ablehnenden Haltung zur geplanten Polizeibootshütte am Holzhauser Dampfersteg kundgetan. Mit Blasmusik zogen sie in den Saal der Verwaltungsschule ein, der diesen Ansturm längst nicht fassen konnte - auch auf der Terrasse und im Gang drängte sich das Publikum. Zigarettenrauch, Hundegebell, Kindergeflüster, zornige Zwischenrufe und tosender Beifall - die Atmosphäre hatte streckenweise Volksfestcharakter, während Polizeivertreter ihre Argumente für den Hüttenbau vortrugen.

Sie standen einer geschlossenen Front von Gegnern mit weit gefächerten Motiven gegenüber: Sie reichten von der Kritik an der Standortwahl bis zur generellen Ablehnung der Polizeipräsenz auf dem Ammersee. Immer wieder wurde in Frage gestellt, warum das Polizeiboot nun eine Hütte benötigt, nachdem es zehn Sommer lang offen am Dießener Dampfersteg vertäut war. Polizeivizepräsident Günther Gietl entgegnete, es sei nicht zumutbar, dass die Kollegen vor einem Einsatz "erst McDonalds-Tüten aus dem Boot räumen müssen". Vor allem aber müssten die Beamten der Wasserschutzpolizei Dießen "zu allen Jahreszeiten in der Lage sein, ihre Aufgaben zu erfüllen". Bisher sei dies nicht der Fall gewesen, weil das Streifenboot WSP 7 von Oktober bis März auf dem Trockendock in Stegen liegt.

Die Dienstaufgaben der Beamten umfassten die Überwachung von Fischerei- und Naturschutzrecht und Ermittlungen bei Unfällen, Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Zwar sei das Rotes Kreuz für die Rettung zuständig, doch die Einsatzleitung liege bei der Polizei: "Wir tragen die Verantwortung, nicht die Wasserwacht", sagte Gietl. Bootsführer Tobias Hofrichter stellte das WSP 7 vor und betonte, es sei mit 8,70 Meter Länge "das kleinste Streckenboot an oberbayerischen Seen" - das der Starnberger Kollegen etwa sei 14,50 Meter lang. Richard Filser vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord nahm zur Standortwahl Stellung. Alle Alternativen seien mit den Behörden und der staatlichen Seenverwaltung gründlich abgeklopft worden: "Wir haben aus dem Scheitern in Dießen vor zehn Jahren gelernt". Das Ostufer sei "wegen schlechter Witterungsfaktoren grundsätzlich ungeeignet". Die Anleger in Schondorf, Dießen und Riederau kämen wegen stark frequentierter Parks oder Freibädern nicht in Frage. In Stegen herrsche räumliche Enge, Fahrrinnen und Manövrierzonen müssten immer wieder ausgeräumt werden. Holzhausen aber sei "einsatztechnisch ideal gelegen", und biete "alle günstigen Voraussetzungen", sagte Filser und erntete lautstarke Proteststürme. Am Ende des bestehenden, 105 Meter langen Stegs falle das 13 Meter lange und 5,80 Meter hohe Bootshaus kaum auf; es sei doppelgiebelig vorgesehen, damit auch das kleine Flachwasserboot WSP 9 untergestellt werden kann.

Filser wie Gietl versicherten, dass die Hütte keine Sperrung des Stegs für Dampferverkehr und Öffentlichkeit zur Folge habe. Doch Daniel Fusban von der Initiative "dampferstegholzhausen.de" widersprach: Im Innenministerium habe man das freie Zugangsrecht nicht garantiert, falls Fälle von Vandalismus auftreten. Fusban hatten am Dienstag in München eine Protestpetition gegen das Bootshaus mit 2280 Unterschriften überreicht. Auch die Gemeinderäte, denen später in der Bauplanungsphase kein Mitspracherecht eingeräumt wird, zeigten sich überwiegend kritisch. Der Antrag von Florian Münzer (GAL), das Gremium möge in einem Beschluss gegen das Bootshaus Stellung beziehen, wurde auf Karl Sauters (CSU) Betreiben vertagt. Er wollte die winterlichen Einsätze der Polizei gewährleisten - bat aber, angesichts des "sehr, sehr großen Widerstands in der Bevölkerung" nochmals die Standortalternativen zu prüfen. Gietl räumte immerhin ein, die Anleger in Stegen und Dießen erneut mit den beteiligten Behörden zu erörtern und den Gemeinderat danach wieder über den Verlauf dieser Gespräche zu informieren.