Tutzing Überraschend unpolitisch

In der Akademie Tutzing präsentieren 20 in der Gedok organisierte Künstlerinnen ihre Zeichnungen, Gemälde und Druckgrafiken, die Zusammenstellung wirkt beliebig

Von Katja Sebald, Tutzing

In der Tutzinger Akademie für Politische Bildung sind Kunst und Politik vor mittlerweile mehr als einem Vierteljahrhundert eine glückliche Allianz eingegangen. Jedes Jahr im Juni findet dort die Vernissage zu einer Ausstellung mit Arbeiten von Künstlerinnen statt, die in der "Gedok" organisiert sind. Diese "Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde e.V." wurde 1926 in Hamburg gegründet, um Arbeits- und Ausstellungsbedingungen von Künstlerinnen zu verbessern - in Tutzing aber verbessern die Künstlerinnen mit ihren Bildern die Arbeitsbedingungen der Akademiebesucher.

Gemälde von Petra Magdalena Kammerer gehören zu den Exponaten der Tutzinger Gedok-Ausstellung.

(Foto: Georgine Treybal)

Man könnte wohl von einer klassischen Win-Win-Situation sprechen: Die Künstler - oder in diesem Fall Künstlerinnnen - bekommen einen Ausstellungsort und eine Vernissage, im Gegenzug erhält eine Anwaltskanzlei, eine Arztpraxis oder eben eine Institution Kunst für die Wände. Aber es ist nicht nur dieser Begriff, der etwas angestaubt klingt in einer Zeit, in der Gewinn nur noch in Geld gemessen wird.

Auch ein solches Ausstellungskonzept erscheint nicht mehr ganz zeitgemäß, wenn allerorten die Grenzen zwischen künstlerischer und politischer Aktion fallen, wenn auf der Biennale in Venedig die Zukunft der globalisierten Welt verhandelt wird und in den Städten Künstler symbolische Gräber für Flüchtlinge ausheben, die auf dem Weg nach Europa gestorben sind. Dies gilt nun insbesondere für einen so exponierten Ort wie die Tutzinger Akademie. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu den Ausstellungen früherer Jahre die jetzt gezeigten Arbeiten in weiten Teilen überraschend unpolitisch sind und in ihrer Zusammenstellung beliebig wirken.

Zwanzig Künstlerinnen zeigen in der Politischen Akademie ihre Arbeiten, die Zeichnungen dominieren stilistisch.

(Foto: Georgine Treybal)

Explizit politisch motiviert sind zwar die "Module" der Münchner Künstlerin Hilla Rost, die formale Umsetzung der Themen "Abschottung Europas von Afrika", "Freihandelsabkommen mit Amerika" und "Grenzmaterialien" offenbart allerdings eine gewisse Unbeholfenheit. Auch die Qualität der hier gezeigten Arbeiten zum Thema Krieg von Rose Stach bleibt weit hinter denen zurück, mit denen sie derzeit in Starnberg vertreten ist.

Insgesamt sind in der Ausstellung künstlerische Positionen von zwanzig Künstlerinnen versammelt. Die Bandbreite reicht von den kleinen, fast intimen Bleistiftzeichnungen, die Nicola Hanke von befreundeten Paaren anfertigte, und den feinen Tuschezeichnungen von Regine Pohl, die während eines Krankenhausaufenthalts entstanden, bis hin zu den großformatigen Gemälden von Inge Kurtz, die mit Elementen aus Alltagsbildsprache und Comic die Ära der Pop Art zitieren. Auch Ursula Steglich-Schaupp, Judith Reiter, Heidrun Eskens, Petra Magdalena Kammerer und Gisela Brunke-Mayerhofer zeigen Malerei auf Leinwand. Eva Kollmar zeichnet mit Pastellkreiden, Renate Gehrcke und im weitesten Sinn Katharina Schellenberger, die in Mischtechnik auf Papier arbeitet, vertreten ebenfalls den Bereich der Zeichnung. Penelope Richardson zeigt eine ganze Reihe von dekorativen druckgrafischen Arbeiten und Anne Fraaz-Unterhalt eine Serie von skizzenhaften Frauenbildnissen auf Tapeten. Heidemarie Hauser bearbeitet Fotocollagen, Ulrike Prusseit übermalt und überklebt Fotos aus Zeitschriften, Waldtraud Waldherr fertigt ebenfalls Collagen. Patricia Lincke hat ein Video-Still eingereicht, man würde sich hier den Film wünschen. Und schließlich ist noch von Christine Ott ein objekthaftes Schattenspiel aus dünnen Papierstreifen zu sehen, das den Betrachter mit verschiedenen Bildebenen zu irritieren weiß.

Die Ausstellung der GEDOK-Künstlerinnen in Tutzing ist wie immer ein ganzes Jahr lang zu sehen