Starnberg Wächter des kulturellen Erbes

Die Kulturpreise des Landkreises für 2011 gehen an die Volksmusiker Fischermadln und Fischerbuam, die Gesellschaft für Archäologie Ortsgeschichte Gilching sowie Kreisheimatpfleger Gerhard Schober.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Landrat Karl Roth mit Kreisheimatpfleger Gerhard Schober, Anette Reindel, der Vorsitzenden der Archäologischen Gesellschaft Gilching sowie den Fischerbuam und Fischermadeln (von links) Foto: Fuchs

(Foto: Sta Franz Xaver Fuchs)

- Denkmalpflege, Archäologie, Geschichtsforschung sowie Heimat- und Brauchtumspflege: In diesen Kategorien sind am Mittwoch die Kulturpreise des Landkreises Starnberg 2011 vergeben worden. Die Gesellschaft für Archäologie und Ortsgeschichte Gilching erhielt den Anerkennungspreis, Kreisheimatpfleger Gerhard Schober den Kulturpreis, die Fischermadln und Fischerbuam den Kulturförderpreis. Die Starnberger Volksmusiker sorgten auch für die musikalische Umrahmung des Festaktes.

Dieses Jahr ist das Preisgeld auf 2000 bis 4000 Euro je nach Kategorie erhöht worden, zudem wurden so viele Bürger ausgezeichnet wie noch nie. Die kulturelle Vielfalt im Landkreis sei nicht nur den Hauptamtlichen zu verdanken, sondern auch den vielen Ehrenamtlichen, würdigte Landrat Karl Roth die insgesamt 74 Preisträger in seiner Festrede. Jeder Einzelne trage dazu bei, das Interesse an der Heimat und das kulturelle Gedächtnis sowie das historische Erbe wach zu halten. "Sie sind die Wächter über die historischen Güter." Insbesondere in den Bereichen Archäologie und Geschichtsforschung war die Entscheidung laut Roth schwierig.

Letztendlich fiel die Wahl auf den Gilchinger Verein, weil er sich durch vorbildliches ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet hat. Der Verein trete nicht nur für den Erhalt des kulturellen Erbes ein, durch zahlreiche Projekte binde er auch die Bürger aktiv ein, heißt es in der Begründung der Jury. So hat der Verein drei Rundwege ausgearbeitet und einen Audioguide eingerichtet. Dass der Verein ein breites Interesse bei den Bürgern wecke, sei der beste Schutz für die Bodendenkmäler, sagte Sabine Mayer vom Landesamt für Denkmalpflege in ihrer Laudatio. Die Vorsitzende Annette Reindel nahm den mit 2000 Euro dotierten Anerkennungspreis für den Verein entgegen, der bald sein zehnjähriges Bestehen feiern wird. Die meisten aktiven Mitglieder sind nach ihren Angaben Gilchinger Neubürger.

Die Laudatio für die Fischermadln und Fischerbuam teilten sich der ehemalige Kreisheimatpfleger Willi Großer und Stefan Frühbeis vom Bayerischen Rundfunk. Sie wiesen darauf hin, dass zwar die instrumentale Volksmusik bei jungen Leuten auf großes Interesse stoße, zum Singen indes fänden sich nur wenige zusammen. Pauline und Lucia Mittermayr, Magdalena Schulz und Marianne Buchner von den Fischermadln sowie Vitus Mittermayr, Tobias Schulz, Sebastien Hofer und Anderl Ruhdorfer von den Fischerbuam würden eine rühmliche Ausnahme bilden.

Seit 1974 ist Gerhard Schober Kreisheimatpfleger im Landkreis und hat zahlreiche Bücher, Aufsätze sowie Lexikon-Einträge zur Kultur- und Heimatgeschichte veröffentlicht, darunter wichtige Standardwerke. Für seine Leistungen bekam der ehemalige Gautinger Lehrer 1999 das Bundesverdienstkreuz verliehen und im vergangenen Jahr den Bayerischen Verdienstorden. Wie Bayerns oberster Heimatpfleger Martin Wölzmüller in seiner Laudatio erklärte, hat sich Schober mit seinen Veröffentlichungen "einen hervorragenden fachlichen Ruf" erworben. Und in seinen Stellungnahmen als Kreisheimatpfleger fordere er seit rund 40 Jahren die Interessen der Heimat ein, mal mit verbindlicher Freundlichkeit, mal "mit heiligem Zorn". Schober sagte, das Amt des Kreisheimatpflegers habe ihm zwar eine Menge Enttäuschungen und viel Ärger eingebracht. Es sei aber gleichzeitig "ein ganz großes Glück" in einer Landschaft tätig sein zu dürfen, die so reich an Kultur sei. Über den Kulturpreis für sein Lebenswerk freue er sich genau so, wie über seine Auszeichnung mit dem bayerischen Verdienstorden, sagte Schober.