Schondorf Kunstaktion scheitert an politischem Disput

Nun soll das Skriptorium zum Schauplatz von Andreas Klokers Kunstaktion werden, mit der er anhand von Fundstücken "Beheimatung" thematisieren will

(Foto: Georgine Treybal)

Gemeinderäte verweigern die Zustimmung für Andreas Klokers Performance zum Kreiskulturfest. Sie befürchten dadurch eine Aufwertung des umstrittenen Lagerhauses am Bahnhof, das sie immer noch schleifen wollen, obwohl es unter Denkmalschutz steht

Von Armin Greune, Schondorf

Die Kunstaktion hätte ein Höhepunkt des Straßenfestes zum Abschluss der Landsberger Kreiskulturtage am 8. Juli werden sollen: Andreas Kloker, renommierter Schondorfer Künstler, wollte in seiner Heimatgemeinde eine Installation und Performance in der leer stehenden Güterhalle des Bahnhofs präsentieren. Doch die Organisatoren der erstmals geplanten Kulturtage haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Der Schondorfer Gemeinderat hat nun der Kunstaktion die Genehmigung verweigert. Denn eine Mehrheit der gewählten Vertreter will das denkmalgeschützte Lagerhaus unbedingt schleifen - und befürchtet, mit der Performance wäre das offensichtlich verhasste Gebäude aufgewertet worden.

Seit Schondorf Ende 2008 den Bahnhof samt Umfeld kaufte, hat sich das mit erworbene Lagerhaus zum permanenten Zankapfel im Gemeinderat entwickelt. Viermal stimmten schwindende Mehrheiten für die Beseitigung; auch ein Bürgerentscheid - der damals allerdings als Alternative einen nicht zu realisierenden Busparkplatz vorsah - ergab einen hauchdünnen Vorsprung für die Abrissbefürworter. Nachdem bereits unter anderem ein Kasperltheater im Lagerhaus stattfand, wollte Florian Gradl (FW) im März ein generelles Veranstaltungsverbot durchsetzen, der Antrag scheiterte im Gemeinderat aber an Stimmengleichheit. In der jüngsten Sitzung wurde nun Klokers Antrag für die Kunstaktion ebenfalls mit sieben gegen sieben Stimmen abgelehnt; sein Sohn Luzius, der für die Grünen im Rat sitzt, war von der Beschlussfassung ausgeschlossen.

"Total schade", findet Bürgermeister Alexander Herrmann (Grüne), "dass ein Künstler nun einen politischen Disput ausbaden muss." Er habe viel Überredungskunst aufgewendet, um Andreas Kloker dazu zu bewegen, nun eine Aktion für einen alternativen Spielort zu entwerfen. "Mein Konzept war auf diesen Raum ausgerichtet, das kann ich nicht einfach verlegen", sagt der Künstler auf Nachfrage. Mit der Aktion "Wenn jemand nach mir fragt, sag' ihm, ich wäre unterwegs zum See und hole Wasser" habe er eigentlich zum Thema Lagerhaus "eine Versöhnung herbeiführen wollen". Nun werde er wohl eine Installation am von ihm gemieteten Skriptorium an der Bahnhofsstraße zeigen. "Meine künstlerische Freiheit lass' ich nicht knebeln," er wolle aber auch weiterhin nicht provozieren, sondern "die Aggression aus der Debatte nehmen".

Er habe sich nicht für die Güterhalle als Spielort beworben, der Vorschlag sei von den Organisatoren des Kreiskulturfests gekommen. Doch bei den Vorbereitungen zur Performance habe er "gelernt, das Lagerhaus zu erkennen". Es sei nicht nur älter als der Bahnhof selbst, sondern biete mit ihm von Norden gesehen auch "ein wunderbares Ensemble". Kloker verweist auf das Kreiskulturtage-Thema "Schnittstelle Heimat": "Mit jedem Stück alte Mauer, das wir abreißen, vertreiben wir ein Stück Heimat". Und: "Die Frage Denkmal oder nicht sollte man nicht den Biertischen überlassen", sagt Kloker.

Es sei für ihn unverständlich, dass Gemeinderäte, die selbst alte Häuser renovieren oder sich kulturell engagieren, tatsächlich die Aufwertung eines historischen Gebäudes befürchten. Offenbar werde die Debatte inzwischen von "der Angst, das Gesicht nicht zu verlieren", beherrscht. Kloker erinnert daran, dass 1999 der Gemeinderat einstimmig für den Abriss der Traditionsgaststätte neben der romanischen Sankt Jakobs-Kirche votiert hatte. Heute sei man heilfroh, dass die "Post" stattdessen zum Hotel "Seepost" umgebaut wurde: "Man kann also durchaus seine Meinung ändern, ohne Gesichtsverlust zu riskieren."