Projekt Halt im Leben

Haus der "Starnberger Arche" und der therapeutischen WG

(Foto: Arlet Ulfers)

20 Jahre therapeutische WG und Tagesstätte

Von Carina Seeburg, Starnberg

Nicht einmal in ihrer Jugend habe sie in einer Wohngemeinschaft (WG) gelebt, erzählt Frau K. mit einem Schmunzeln. "Was soll das denn in meinem Alter?", sei ihre erste Reaktion gewesen, als ihr nach einem psychischen Zusammenbruch vorgeschlagen worden sei, Bewohnerin der therapeutischen Wohngemeinschaft (TWG) in der Gautinger Straße zu werden. Das war 2012. Heute, fünf Jahre später, lebe sie wieder in einer eigenen Wohnung und könne auch dank der TWG ein selbstbestimmtes Leben führen.

Seit 20 Jahren begleiten die TWG und die Tagesstätte "Starnberger Arche", die vom Bezirk Oberbayern finanziert werden, Menschen wie Frau K., die unter psychischen Erkrankungen leiden. Holger Steckermaier, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH des Projektevereins, zeigt sich am Mittwoch über die zahlreich erschienenen Gäste überrascht. "Die Feier war als internes Fest im kleinen Rahmen geplant", sagt Steckermaier. Dass sich nun mehr Menschen als erwartet eingefunden hätten, zeige, wie viel Wertschätzung der Einrichtung und ihren Mitarbeitern entgegengebracht werde.

Von den Anfängen des Projekts berichtet Jürgen Salzhuber, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO) München. Vor 20 Jahren habe sich für die AWO München die Möglichkeit ergeben, ein etwas heruntergekommenes Haus in der Gautinger Straße zu erwerben. Nach einer umfangreichen Sanierung wurde im März 1997 die erste therapeutische Wohngemeinschaft im Landkreis Starnberg in den oberen Stockwerken eingerichtet. Zeitgleich eröffnete die Tagesstätte im Erdgeschoss.

"Die Konzepte der TWG und der Tagesstätte sind unterschiedlich", erläutert Stephanie Maierhofer, Psychologin in der therapeutischen Wohngemeinschaft. Die WG stünde psychisch kranken Menschen offen, denen eine selbständige Lebensführung aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr möglich sei. Ihnen werde in der Wohngemeinschaft therapeutische Unterstützung und ein Lebensraum geboten, um sich psychisch zu stabilisieren, soziale und kommunikative Fähigkeiten zu stärken und am Ende möglichst wieder zu einer eigenständigen Lebensführung zurückzufinden.

"Die Tagesstätte im Erdgeschoss bietet seelisch erkrankten Menschen eine sinnvolle Tagesstruktur und die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen", erklärt Maierhofer weiter. "Jeder ist in der Gemeinschaft willkommen. Für viele ist sie auch eine Art Familienersatz". Monatlich nehmen etwa 25 bis 30 Besucher die Angebote der Tagesstätte wahr. Zusammen werden Ausflüge organisiert, es wird gekocht, Sport gemacht und Gesellschaftsspiele gespielt.

Frau K., die vor ihrem Zusammenbruch gemeinsam mit ihrem Mann ein Unternehmen geführt hat, blickt positiv auf ihre Zeit in der TWG zurück: "Das Miteinander war toll und hat mir sehr gut getan!" Arbeitsfähig sei sie auch heute noch nicht, sie lebe aber wieder allein und könne sich um ihre beiden Enkel kümmern. Noch heute kommt Frau K. regelmäßig in die Starnberger Arche: "Das gibt mir Halt, eine Tagesstruktur und den Kontakt zu Menschen, die mich verstehen."