Kultur Lyrik und Landschaft

In seinen zweiten Bildband hat der Fotograf Edwin Kunz persönliche Erinnerungen und Reiseinformationen gepackt - aber auch Gedichten von Philipp Luidl Raum gegeben

Von Katja Sebald, Berg/Leoni

Er hat es wieder getan: Fünf Jahre nach "Seeflimmern" hat Fotograf Edwin Kunz eine weitere Liebeserklärung zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Im Eigenverlag ist nun "Himmel Erde Seenland" erschienen, und diesmal ist das Objekt seiner Liebe nicht nur der Starnberger See, sondern die ganze Gegend von der Isar bis zum Ammersee. Es erweist sich als opulent bebilderter Gedichtband, zudem als persönliches Erinnerungsbuch mit Familienbildern - ein bisschen Poesiealbum und ein bisschen Reiseführer mit sachlichen Informationen.

Tatsächlich geben die rund 40 Gedichte von Philipp Luidl dem Buch eine Art Struktur. Michael Krüger, der Lyrikbände von Luidl herausgab, beschreibt den Dichter im Vorwort als "Wortfotograf", der "auf der Suche nach dem wahren Augenblick" zu warten verstand. Kunz hatte den mittlerweile verstorbenen Luidl, der im Hauptberuf Typograf war und in Dießen lebte, während der Arbeit an seinem ersten Buch kennengelernt. Luidls Gedichte lösten ihn ihm ähnliche oder aber "gezielt widersprüchliche" Gefühle aus, wie dazu ausgewählte Bilder, schreibt Kunz. So ist etwa neben Luidls unprätentiösem Gedicht "der weg" ein Foto vom schmalen Spazierpfad auf der Ilkahöhe mit Alpenpanorama im Hintergrund abgebildet. Sogar das Layout des Buchs richtet sich nach den Texten. Die Abfolge ist rein assoziativ, sie folgt keiner geografischen oder thematischen Ordnung.

Der 1954 geborene Edwin Kunz, Enkel des Dirigenten Wilhelm Furtwängler, lebt seit Jahren in Leoni und arbeitet unter anderem als Architekturfotograf. Vor allem mit Aufnahmen, die den Starnberger See abseits des Trubels, im Nebel, im Regen, frühmorgens oder abends und nicht selten in hyperreal anmutenden Lichtsituationen zeigen, hat er Furore gemacht. Diese stillen und doch spektakulären Bilder hängen in vielen Privathäusern, Büros und Praxen rund um den See, in Percha sind sie in einem Geschäftshaus in einer Dauerausstellung zu sehen. Für das neue Buch aber hat Kunz die Bandbreite der Bilder erheblich erweitert: Neben effektvollen Landschaftsbildern, Gewittern und Stürmen, Sonnenuntergängen und Mondaufgängen, gibt es auch Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten wie den Schlossgarten Starnberg, den Schacky-Park in Dießen oder die wilden Jockeys beim Münsinger Ochsenrennen, farbenfrohe Akteure auf der Uttinger Seebühne und nackte Badegäste bei Iffeldorf.

Zu jedem Bild gibt es im Anhang eine Beschreibung, das Spektrum der Legenden ist so groß wie das der Geschichten: Der Leser erfährt, wann der Orkan Niklas tobte oder das Ammerlander Schloss erbaut wurde, wo die Fischbrotzeit am besten schmeckt und die größte Keltenschanze in Bayern ist. Kunz ist auch für Konzept und Gestaltung des Buchs verantwortlich, gibt es selbst heraus und organisiert den Vertrieb. Einerseits hätte man diesem Buchprojekt wohl die ordnende Hand eines Verlags wünschen müssen. Andererseits wäre dann wohl kaum ein so persönliches und mit Leben gefülltes Buch entstanden.

"Himmel Erde Seenland. Von der Isar über den Starnberger See bis zum Ammersee" kostet 49,90 Euro (Hardcover, 192 Seiten) ist direkt über Edwin Kunz zu beziehen (www.edwin-kunz.de).