Kempfenhausen Aus für die Schön Klinik

Mit dem geplanten Verkauf geht wohl eine lange Krankenhaustradition auf diesem Gelände zu Ende.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Eigentümer schließen das Krankenhaus am Ostufer des Starnberger Sees zum Ende des Jahres. Als Grund nennen sie mangelnde Rentabilität. Die gesamte Belegschaft ist von den Plänen betroffen

Von Sabine Bader, Kempfenhausen

Es kommt völlig unerwartet: Die Schön Klinik in Kempfenhausen schließt zum Jahresende. Am Donnerstag haben die Mitarbeiter diese Hiobsbotschaft in einer außerordentlichen Versammlung erhalten. Zuvor hatte einer der Klinik-Eigentümer im Berger Rathaus Bürgermeister Rupert Monn über die Pläne der Unternehmensspitze unterrichtet, wie Monn auf SZ-Anfrage bestätigte. "Die Nachricht hat mich getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel", sagt er. Die Argirov-Klinik und später ihr Nachfolger, die Schön Klinik, hätten die Gemeinde Berg über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt gemacht. "Das ist ein schwerer Schlag für die Akutmedizin am Ostufer des Starnberger Sees."

Doch nicht nur in medizinischer Hinsicht, sondern auch für die mehr als 200 Mitarbeiter sind diese Neuigkeiten dramatisch. Betroffen ist die gesamte Belegschaft. Arbeitnehmervertretung und Klinikmanagement sprechen angeblich bereits über einen Sozialplan. Die Mitarbeiter sollen sich auf Positionen an anderen Standorten der Klinikgruppe bewerben können.

Die Patientenversorgung soll ohne Einschränkung bis Jahresende 2016 erfolgen, danach wird der Betrieb eingestellt. Aus wirtschaftlichen Gründen: Die Klinik konnte einer Pressemitteilung zufolge "trotz Investitionen von mehr als 50 Millionen Euro in den vergangenen 15 Jahren nicht auf Erfolgskurs gebracht werden". Mit einer geringen Größe von nur 60 Patientenzimmern gehöre sie zu den Einrichtungen, die von den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und dem dadurch entstehenden Kostendruck besonders betroffen seien, heißt es dort weiter. Die Geschäftsführung sei daher zu dem Schluss gekommen, dass ein nachhaltiger Klinikbetrieb aufgrund der geringen Bettenanzahl und der fehlenden Wachstumsoptionen nicht möglich sei. Sie sehe sich daher gezwungen, den Standort am Starnberger See zu schließen.

Damit geht auf dem Gelände in Kempfenhausen eine lange Krankenhaustradition zu Ende. Bekanntlich hatte der Prominenten-Arzt Valentin Argirov die Villa de Osa mit dem weitläufigen Grundstück in Seenähe Anfang der 1980er-Jahre erworben, das Haus großzügig zur Klinik umgebaut und es dann nach Norden und Süden hin erweitert. 2003 verkaufte der einstige Leibarzt von Franz Josef Strauß das Anwesen an die Schön-Gruppe und zog sich ins Privatleben zurück. Sehr bald hegten auch die neuen Eigentümer Erweiterungswünsche. Diesmal in Richtung See. Ein neuer Bettentrakt mit 13 Patientenzimmern sollte auf 480 Quadratmetern Grundfläche entstehen. Dagegen haben die Nachbarn geklagt - mit Erfolg. Die Richter erklärten den von der Gemeinde aufgestellten Bebauungsplan für ungültig. Die Eigentümer mussten ihren Bauwunsch damit ad acta legen.

Stets hatten die Klinikeigentümer mit der exklusiven Lage des Hauses geworben. Auf der Internetseite heißt es, der Standort "liegt in einem Parkgelände am Ostufer des Starnberger Sees". Und weiter: Man schätze das vielfältige Freizeit- und Kulturangebot in der Region sowie die landschaftliche Idylle.

Noch im Januar hatte die Schön Klinik Ingo Rebmann als neuen Klinikleiter gefeiert. Eines der ersten Projekte, so hieß es damals, die Rebmann anpeile, sei der Umbau des ehemaligen Gebäudes für Psychosomatik zur Internistik. Mit diesem Vorhaben wolle man sein bisheriges Angebot für die Patienten erweitern. Doch mit der Klinikschließung dürfte sich, im Gegenteil, das Angebot für die Patienten am Ostufer des Starnberger Sees nachhaltig verschlechtern. Dabei hatten die Klinikbetreiber doch selbst im Internet stolz veröffentlicht, dass ihr Haus mit "jährlich mehr als 3 500 Patienten in wichtigen Bereichen die Regelversorgung im Landkreis" abdecke.

Auch Landrat Karl Roth wurde von der geplanten Schließung überrascht. "Ich hätte nicht damit gerechnet", sagt er. Das Kreisklinikum Starnberg werde mit dem Krankenhaus Wolfratshausen versuchen, den Patientenstrom und die Mitarbeiter aufzufangen. "Gemeinsam werden wir das schon abfedern können." In jedem Fall sei die Versorgung nach wie vor gesichert. "Wir haben immerhin die größte Krankenhausdichte nach der Bundeshauptstadt Berlin im Landkreis."