Herrsching Sprungturm im Ammersee wird abgerissen

Die Herrschinger Jugend muss auf ihren Sprungturm im Seewinkel verzichten. Auch die Insel lässt auf sich warten. Dafür kommen hunderte Gänse auf die Liegewiese, was Besucher erzürnt.

Von Patrizia Steipe, Herrsching

Schlechte Nachrichten für Badegäste am Ammersee. Der beliebte Sprungturm am Badegelände Seewinkel in Herrsching wird komplett abgerissen. Bereits jetzt kann das Holzgerüst nicht mehr betreten werden. Der Zugang wurde abgebaut, so dass Reste des Turms wie eine Insel abgehängt vom Steg im Ammersee stehen.

2009 war das drei Meter hohe Bauwerk aus Lärchenholz nach einem Antrag des damaligen Jugendbeirats errichtet worden. Wochenlange Diskussionen über Form, Größe und Material des Sprungturms mussten mit den Behörden geführt werden. Nach der Einweihung hat er sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für die Jugend entwickelt. Dort lieferten sich die Jugendlichen Sprungwettbewerbe, versuchten mit eleganten Köpfern oder geräuschvollen "Bomben" Eindruck zu schinden oder nutzten die Plattform einfach nur dazu, um einen guten Ausblick auf die sagenhaften Sonnenuntergänge zu haben.

Das ist nun vorbei. Im Laufe der Jahre ist der Turm zwar immer wieder teilweise repariert worden, aber das geht jetzt nicht mehr. Der Turm muss weg. Wer nun glaubt, man könne ihn einfach durch einen Neubau ersetzen, täuscht sich. Die neue Holzkonstruktion muss wieder ein Wasserrechtsverfahren durchlaufen und es müssen Genehmigungen vom Wasserwirtschaftsamt Landsberg sowie der Schlösser- und Seenverwaltung eingeholt werden. Die Anträge seien schon gestellt worden, teilte der Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller mit. Mit einer raschen Antwort rechnet er aber nicht.

Nur noch das Holzgestell des Sprungturms ragt neben dem Steg im Herrschinger Bedegelände aus dem Wasser. Der Turm ist abgebaut.

(Foto: Nila Thiel)

Und noch eine Hiobsbotschaft: Auch mit der Badeinsel, die den Herrschinger Jugendlichen nach einem Antrag des Jugendbeirats vor eineinhalb Jahren versprochen worden ist, geht es nicht weiter. Der Auftrag dazu sei zwar schon längst vergeben worden, und eigentlich hatten die Herrschinger schon im Vorjahr mit der neuen Attraktion gerechnet, aber die Herstellerfirma hatte die Konstruktion abändern müssen.

Statt Aluschwimmkörper sollen jetzt Teile aus Kunststoff verwendet werden, erklärte Schiller. Und das müsse wiederum erst von den Wasserrechtsbehörden genehmigt werden. "Sobald wir die Zusage haben, könnte die Badeinsel innerhalb zwei Wochen ausgeliefert werden", sagte Bürgermeister Schiller. Über die lange Verfahrensdauer ärgerte sich besonders Wolfgang Schneider (SPD). Er hatte schon vor langem angeregt, ein einfaches Holzkreuz, an dem man sich festhalten könne, im Wasser zu befestigen. Aber auch das gehe nicht ohne die wasserrechtlichen Genehmigungen, klärte Schiller auf.

Nicht nur am Seewinkel ist der Badespaß getrübt, sondern auch beim alten Sportplatz. Mehr als 200 Gänse habe er dort gezählt, sagte Schiller. Massive Beschwerden trudelten im Rathaus ein. Alles sei "total verkotet". Diese Erfahrung hat auch die Gemeinderätin Christina Reich (CSU) gemacht. "Widerlich" sei es, kritisierte sie. Wer trotzdem im Ammersee badet, muss mit dem Schlimmsten rechnen. "Die Kinder stinken wie die Sau, wenn sie nach Hause kommen", so Reich. Ein wenig Abhilfe schaffe regelmäßiges Mähen, versicherte Schiller. Mit dem abgeschnittenen Gras würde auch der trockene Gänsekot abgesaugt werden. Allerdings würden die Gänse das kurze Gras mit seinen frischen Trieben besonders lieben und nach jedem Mähen umso zahlreicher auf die Liegewiesen kommen - mit den bekannten Folgen. Ein Teufelskreis, für den Schiller keine Lösung hat. Um die Gänse zu vertreiben, wollen die Herrschinger sogar einen Seeadler über das Ufer kreisen lassen. "Wir haben dafür aber noch kein Angebot bekommen", so Schiller.

Hunderte Gänse tummeln sich in Herrsching auf der Seepromenade und hinterlassen ihren Kot.

(Foto: Nila Thiel)

Einzig die Hundehalter haben Grund zur Freude. Vor kurzem hat der Kreistag am Ammersee das Hundeverbot am Rieder Wald aufgehoben. Dort dürfen nun auch die Vierbeiner ans Ufer und ins Wasser, denn die Stelle sei für Badegäste nicht attraktiv. An allen anderen Erholungsgebieten herrscht bis zum 15. September absolutes Hundeverbot.