Gilching Später Musenkuss

Die Jazzsängerin und Pianistin Anna Valiulina und ihre Band treten bei der Kulturwoche auf. Sie unterrichtet auch an der Musikschule Gilching.

(Foto: Veranstalter)

In der Gemeinde Gilching, bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte der Kultur, startet das erste einwöchige Festival mit Klassik, Theater, Tanz und ungestörtem Schmökern in der Buchhandlung

Von Christian Deussing, Gilching

Kunst, Kabarett, Klassik und Jazz sowie Tanz, Lesungen, Brauchtum und archäologische Rundgänge bietet die "1. Gilchinger Kulturwoche" vom 13. bis 22. November. Dabei sind 18 Vereine und Kulturschaffende aus dem Ort. "Großartig" findet das der Initiator und Kulturreferent der Gemeinde, Matthias Helwig. Er hofft, dass während der Woche "ganz Gilching auf den Beinen sein wird" und viele Besucher - auch von außerhalb - die Veranstaltungen besuchen. Denn die Kultur sei bisher in Gilching "nicht so beachtet" worden, was sich mit diesem gemeinsamen Projekt ändern soll, sagt der Kinobetreiber und Organisator des bekannten Fünf-Seen-Filmfestivals im Landkreis.

Trotzdem gibt sich Helwig eher bescheiden. Die Idee, mit der Kulturwoche und Events den Ort Gilching zu beleben, sei schon im März geboren worden. Seitdem habe es mit den Veranstaltern mehrere Treffen gegeben, erläutert der 55-Jährige die Vorgeschichte. Erstellt wurde ein kompaktes Programm mit teilweise hochkarätigen Darbietungen und erschwinglichen Eintrittspreisen. Etliche Veranstaltungen sind gratis, nur um eine kleine Spende wird gebeten. Gilchings Bürgermeister Manfred Walter zeigt sich "sehr beeindruckt von der Arbeit" der Vereine und Veranstalter. Er hat die Schirmherrschaft übernommen und freut sich in seinem Grußwort, dass Bürger neun Tage die Chance haben, sich "von Musik, Tanz, Kultur und vielem mehr begeistern zu lassen". Die 48-seitige Broschüre mit Lageplan und einer Auflage von 9000 Exemplaren wird in Kürze in Gilching verteilt, das Heft liegt dann auch in den Geschäften aus.

Mit "Gesellschaftsspielen aus der ganzen Welt" für Kinder auf dem Abenteuerspielplatz beginnt am 13. November um 15 Uhr die Kulturwoche. Zum Eröffnungskonzert lädt das Kunstforum Gilching in die Aula des Christoph-Probst-Gymnasiums ein (19.30 Uhr); der Gilchinger Cellist Allan Bergius vom Bayerischen Staatsorchester, der international renommierte Geiger Boris Kucharsky und die Gilchinger Pianistin Elisabeth Hopkins spielen Kammermusik von Beethoven und Haydn. Wer lieber an dem Abend ins Theater geht, kann sich von 20 Uhr an bei der Guichinga Dorfbühne im Oberen Wirt beim Lustspiel "Kein Dinner für Sünder" amüsieren.

Das vielfältige Programm mit 45 Veranstaltungen im ganzen Ort bietet unter anderem auch einen "Breakdance-Workshop" im Jugendhaus, einen Tucholsky-Abend über "Ehen - und andere Beziehungskrisen" mit Professor Gerd Habenicht, besondere Filme im Kino, Kabarett mit André Hartmann sowie Vernissagen oder "Schau-Klöppeln" in der Volkshochschule. Spannend wird es vermutlich auch in der Buchhandlung "Leselust": Die Besucher werden unter dem Motto "All you can read" für drei Stunden abends im Laden eingeschlossen und dürfen ungestört bei einem Glas Wein und Häppchen in Büchern schmökern.

Helwig will mit dieser bunten und ersten Kulturwoche erreichen, dass Gilching "nicht weiter ein weißer Fleck" auf der kulturellen Landkarte ist. Dieses Programm sei "ein Anfang", sagt er und ist erfreut, dass nun 18 Kulturvereine "endlich einmal an einem Strang ziehen". Ob es zum großen Durchbruch komme, bleibe zwar abzuwarten, so Hellwig. Doch er ist überzeugt, dass sich dieses neue Projekt herumsprechen wird. Der Gilchinger plant jedenfalls, auch im nächsten Jahr wieder eine Kulturwoche zu initiieren.

Dann wird Helwig sicherlich auch von einem hauptamtlichen Kulturbeauftragten unterstützt werden, den die Gemeinde derzeit per Ausschreibung sucht. Dieser soll nicht nur die Veranstaltungen im neu gebauten Rathaus managen, sondern das kulturelle Leben in Gilching mitgestalten.