Gilching Endlich mal wieder lachen

Christian Winklmeier (links) mit Kabarettist André Hartmann.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die SPD Gilching startet mit dem Kabarettisten André Hartmann ins Wahljahr

Von Christian Deussing, Gilching

Nichts zu lachen haben derzeit die bayerischen Sozialdemokraten. Die Umfragewerte sind im Keller, und der einstige Hoffnungsträger, ein Oberbürgermeister aus Regensburg, kam wegen eines Schmiergeldskandals in Untersuchungshaft. Schlimmer geht's nicht. Doch mit Christian Winklmeier, dem jungen SPD-Ortsvorsitzenden aus Gilching, soll es wieder aufwärtsgehen. Zumindest strahlt der 25 Jahre alte Gemeinderat und Bundestagskandidat Zuversicht aus und will den Genossen auch wieder Frohsinn vermitteln. Deshalb hat er zum Neujahrsempfang den Kabarettisten André Hartmann ins Rathaus eingeladen, der mit seiner Show "Radio Aktiv" 120 Besucher und SPD-Bürgermeister Manfred Walter begeisterte.

"Für Horst Seehofer wäre ich nicht gekommen", witzelt der Entertainer als Angela Merkel und ermutigt den Gastgeber: "Es wird nicht ganz einfach werden, aber Sie schaffen das." Hartmann imitiert lustig-hintersinnig auch Altkanzler Gerhard Schröder (den er aus Moskau anreisen lässt), die Rhetorik von Münchens Ex-Rathauschef Christian Ude und Sänger wie Udo Lindenberg und Peter Maffay ("seven bridges over westumgehung"). In einer fiktiven Radioshow dürfen sich die Studiogäste Musiktitel wünschen, die Hartmann zuweilen in irrsinnig komischen Varianten am Klavier darbietet - darunter Walter Scheels Lied "Hoch auf dem gelben, äh roten Wagen". Den Falco-Hit vom Kommissar, münzt er um in "der Kandidat geht rum" und meint damit Winklmeier, nicht etwa den Kanzleranwärter Martin Schulz. Als das Publikum mal nicht gleich auf eine Frage in seiner Show reagiert, vermisst Hartmann den Bürgerdialog und lächelt: "Auch Sie wollen sich nur berieseln lassen."

Aber das nun sicher nicht, denn die Genossen wollen laut Winklmeier und Co. mit neuem Elan bis zur Bundestagswahl einiges anpacken. Die Basis verspüre mit Schulz einen "Schub", ist zu hören, und diesen Schwung will Winklmeier unbedingt nutzen. SPD-Kreischefin Julia Ney schätzt seine Art, auch "unbequeme Wahrheiten" auszusprechen. Wichtig sei es zudem, dass die Partei die "Stimme für die Vernunft" erhebe, bezahlbaren Wohnraum schaffe und aufpasse, dass die "Schwachen nicht gegen die Schwächeren ausgespielt werden." Auch die Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner hält ein Grußwort und lobt natürlich den Kandidaten Winklmeier - denn der wisse viel und sei "belastungsfähig".

Diese Fähigkeit und vor allem einen langen Atem wird der Politik-Student auch benötigen, um die 600 Kilometer nach Berlin zu schaffen. Eine kleine Etappe hat er mit dem gelungenen Neujahrsempfang bereits bewältigt, auch wenn dieser nur ein Heimspiel war: Die Genossen konnten wenigstens endlich mal wieder lachen.