Feldafing Toni, Bernhard, Roger

Bei der Diskussion der drei Feldafinger Bürgermeisterkandidaten gibt es keinen klaren Sieger. Man kennt sich, man duzt sich.

Otto Fritscher

Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten Feldafing Volles Haus bei der Vorstellung der Feldafinger Bürgermeisterkandidaten. Neben Amtsinhaber Bernhard Sontheim (Mitte) bewerben sich dort Anton Maier (Grüne, links) und Roger Himmelstoß (CSU) um den Posten.

(Foto: STA Franz X. Fuchs)

Nein, da oben auf dem Podium sitzt nicht die "Feldafinger Boygroup", wie Karin Bergfeld, Gemeinderätin der Feldafinger Frauenliste, die drei Herren ironisch vorstellt. Zum einen befinden sie sich alle bereits in fortgeschrittenen Alter, und sie sind heute nicht auf der Bühne, um zu singen, sondern um sich als die drei Feldafinger Bürgermeisterkandidaten ins rechte Licht zu rücken. Denn auch dafür ist gesorgt, die Rückwand der Bühne strahlt in frauenlistenfreundlichem Violett. Und es zeigt sich, dass Bürgermeister Bernhard Sontheim (Bürgergruppe), Roger Himmelstoß (CSU) und Anton Maier (Grüne) genügend Attraktivität besitzen, um den Bürgersaal wenn schon nicht zum Kochen, so doch fast zum Platzen zu bringen: Etwa 200 Feldafinger wollen beim einzigen gemeinsamen Live-Auftritt der drei Bürgermeister in spe im Wahlkampf dabei sein.

Die Stimmung ist gelöst, man kennt sich, man duzt sich über Parteigrenzen hinweg, und so macht das auch Andrea Roever, langjährige Frontfrau der Frauenliste und erst kürzlich freiwillig aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Sehr charmant, aber doch mit Nachdruck, stellt sie die gut zehn Fragen an "den Bernhard, den Toni und den Roger". Und es sind Fragen, die über das Abklopfen politischer Positionen hinausreichen und durchaus Erkenntnisgewinn bringen.

Und den einen oder anderen der Herren auf dem Podium erst mal zum Nachdenken zwingen. Etwa über die eigenen Stärken. "Ich halte mich für sehr kreativ und gebe nicht so leicht auf", sagt Sontheim über sich. Toni Maier gibt zu, er verfüge über keine besonderen Stärken, habe aber "von allem etwas mitgenommen". Und Himmelstoß glaubt, er sei "kompromissbereiter als jemand, der bei Kritik gleich mal ein bisschen harsch wird". Das ist der erste Seitenhieb auf Sontheim, und es soll einer der wenigen an diesem Abend bleiben, denn die Kandidaten gehen zwei Stunden lang sanft, beinahe möchte man sagen: achtsam, miteinander um. Auf die Frage, warum sie Bürgermeister bleiben beziehungsweise werden wollen, offenbaren sich erste Unterschiede. Sontheim sagt, er habe "in den vergangenen zwölf Jahren vieles auf den Weg gebracht, aber einiges ist noch zu tun." Maier findet, die Feldafinger Kommunalpolitik müsse generell neu ausgerichtet werden: "Wir haben zu sehr geschaut, wie Geld reinkommt. Jetzt geht es aber darum, auf eine nachhaltige Ortsentwicklung zu achten." Und dann bittet Andrea Roever, die drei Herren, sich mal gegenseitig zu loben - mit der Frage nach den jeweiligen Stärken des Mitbewerbers. Maier bescheinigt Sontheim Organisationstalent, Sontheim attestiert Himmelstoß, der sei in Sitzungen immer gut vorbereitet, und der CSU-Kandidat nennt den Grünen "immer ehrlich, immer authentisch." Was Roever zu dem Satz beflügelt: "Wenn man das so hört, könnte man meinen, die drei Herren wollen den Job als Bürgermeister gemeinsam machen."

Bei den Sachfragen werden dann doch wieder Unterschiede deutlich. Etwa bei der Ortsgestaltung. Sontheim hat eine klare Prioritätenliste: Bahnhofsumfeld, Kirchplatz und dann die Bahnhofstraße, während Maier den Raum, den die Autos in Feldafing haben, beschneiden und "mutig neu gestalten will". Was einige Besucher im Publikum aufstöhnen lässt. Himmelstoß wiederum setzt aufs Sparen, das wird an diesem Abend mehrmals deutlich, und er will die Politik der kleinen Schritte gehen, nachdem sich Feldafing mit Bahnhofsumbau, Krippenneubau und Kindergartensanierung bis an die Obergrenze verschuldet habe. Was Sontheim zurückweist. Einigkeit dann wieder bei der Frage, ob der Umzug der Gemeindeverwaltung in den Bahnhof, der laut Sontheim für 3,7 Millionen Euro renoviert worden ist, richtig war. "Eine Aushängeschild", findet Himmelstoß, "zu hundert Prozent die richtige Lösung", sagt Sontheim, nur Maier mäkelt, dass die Wärmedämmung nicht auf dem Stand der Technik sei.

Unterschiede werden auch bei der Frage deutlich, wie die Gemeinde mit der Umwandlung des Kasernengeländes vorgehen soll. Maier will "das ganze Area in den Besitz der Gemeinde bringen, um nicht nur die Planungshoheit, sondern auch Rechtssicherheit zu haben". Himmelstoß warnt vor Euphorie: "Wir dürfen nicht zu viel machen", und Sontheim plädiert für einen Architektenwettbewerb, denn es gehe darum, "den campusartigen Charakter des Areals zu erhalten". Dann werden noch die Themen Konversionsmanager, Energie und Verkehr abgehandelt. Ihr Fazit des Abends hat die Frauenliste vorweggenommen, auf großen Plakaten. "Frauen wollen nur das eine: das Beste für Feldafing." Von wem auch immer, denn eine Wahlempfehlung seitens der Frauenliste gibt es bisher nicht. Aber man will sich beraten - wer der beste Boygroupler ist.