Feldafing Nur noch ein Zimmer für Thomas Mann

Er wandelt gerne auf den Spuren von Thomas Mann. Dirk Heißerer ist ein echter Kenner des weltbekannten Autors.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das Thomas-Mann-Museum im ´Villino` schrumpft. Der neue Eigentümer kündigt Initiator Dirk Heißerer und will die Räume großteils selbst nutzen.

Von Sabine Bader, Feldafing

Für Thomas-Mann-Fans ist Dirk Heißerer der Vater des "Villino". Er hat das Kleinod, in dem Thomas Mann zwischen den Jahren 1919 und 1923 gearbeitet und Passagen seines weltberühmten Werks "Zauberberg" verfasst hat, 1994 in Feldafing wiederentdeckt. Er hat das denkmalgeschützte Gebäude eingerichtet und Führungen sowie Lesungen veranstaltet. Doch nicht nur das: Der Literaturwissenschaftler und Autor Heißerer hat auch über die Geschichte des Villino geforscht und geschrieben. Doch jetzt haben ihm die neuen Eigentümer, die Benedictus-Krankenhäuser Feldafing und Tutzing, den seit 2002 bestehenden Nutzungsvertrag überraschend gekündigt. Regelmäßige Führungen, wie Heißerer sie angeboten hat, wird es schon bald nicht mehr geben. Seit 1999 führt er regelmäßig Besucher und Literaturbegeisterte durch das liebevoll ausgestattete Gebäude.

Mittwochvormittag in der Klinik Feldafing: Dirk Heißerer traut seinen Augen nicht, als er die schriftliche Kündigung überreicht bekommt. "Es war ein harter Schlag", sagte er tags darauf auf Anfrage der SZ. Heißerer muss das Gebäude bis Ende September mit allen Möbeln, Regalen, Büchern und Vitrinen vollständig geräumt und die Schlüssel abgegeben haben. Das Ganze kam, wie er betont, für ihn völlig überraschend. "Man hat mich vor vollendete Tatsachen gestellt", sagte er.

Natürlich hatte er gewusst, dass die Klinik das denkmalgeschützte Gebäude sanieren will. Eine Tatsache, die Heißerer begrüßte, denn der Keller das Hauses sei feucht gewesen und die Heizung im Gebäude werde bisher noch über das Heizkraft- werk der Bundeswehr geheizt, da sich das gesamte Gelände und damit auch das Villino früher auf Bundeswehrgrund befand. Heißerer: "Es war weltweit das einzige literarische Museum auf Kasernengelände." Das hatte auch zur Folge, dass ein Schlagbaum den Besuchern erst einmal den Weg versperrte. Die Gäste mussten eine Ausweiskontrolle über sich ergehen lassen, und wurden danach vom Museumsführer an der Schranke abgeholt. Derzeit gibt es einen unproblematischeren Zugang über die Siemensstraße. Doch auch das ist von September an erst einmal passé.

Denn die Renovierung des Hauses wird laut Simon Machnik, Geschäftsführer der Benedictus-Krankenhäuser Feldafing und Tutzing, ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen. Wie das Museum dann aussehen wird, ist noch offen. Die Klinik hatte bereits am Mittwoch via Pressemitteilung bekannt gegeben, dass das Villino künftig auch Sitz der Artemed-Stiftung sein wird. Auf die Frage, wie viele Räume die Stiftung benötigt, antwortete Machnik erst einmal ausweichend, räumte dann aber ein: "Mindestens ein Raum wird Thomas Mann gewidmet bleiben", und es könnten dort auch Lesungen veranstaltet werden. Was im Klartext heißt: Die Stiftung wird fast das ganze Gebäude selbst nutzen, das Thomas-Mann-Museum wird schrumpfen. Ob mit oder ohne Heißerer ist ebenfalls noch offen. Nur so viel von Machniks Seite: "Die Ausstellung muss auch ohne Heißerer funktionieren." Allerdings sei man für mögliche Ratschläge Heißerers während der Umbauphase offen. Auch eine weitere Zusammenarbeit mit ihm schloss Machnik nicht aus. "Schließlich haben wir keine museale Expertise."

Für Heißer steht jetzt im Vordergrund, die Museumsräume wie gefordert zu räumen. Doch wohin mit den Möbeln und Vitrinen? Einlagern? Aber wo? Auch Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim fällt dazu erst mal nichts ein: "Wir haben selbst keinen Platz." Die Hiobsbotschaft ist auch für Sontheim neu: "Ich habe erst gestern von Herrn Heißerer erfahren, dass sein Vertrag gekündigt wurde", sagt er. Natürlich sei dies das gute Recht des Eigentümers. Sontheim will sich nun mit Heißerer zusammensetzen, "um andere Lösungen zu finden". Eine Gedenkstätte an Thomas Mann soll in Feldafing "in jedem Fall erhalten bleiben", sagt er. Und ihm ist sehr wohl bewusst: "Für Feldafing ist es eine Attraktion, dass es das Villino gibt."