Berg Schön-Klinik ist schon dicht

Wie das Gelände der Schön-Klinik künftig genutzt werden soll, ist noch nicht klar. Angeblich haben Investoren aus China und Russland Interesse.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das Krankenhaus am Ufer des Starnberger Sees wollte den Betrieb erst Mitte Dezember einstellen, doch personelle Engpässe und Patientenmangel zwingen angeblich zum sofortigen Handeln. Ungewiss ist die Nachfolgenutzung

Von Sabine Bader und Astrid Becker, Berg

Die Nachricht kam völlig unerwartet: Am Mittwoch gab die Schön-Klinik bekannt, ihren Betrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen. Ursprünglich sollte das Krankenhaus am Ostufer des Starnberger Sees erst Mitte Dezember schließen. Die Klinik nannte nun personelle Engpässe und Patientenmangel als Gründe für ihre überraschende Entscheidung. Der Berger Bürgermeister Rupert Monn zeigte dafür allerdings wenig Verständnis: Er übte heftige Kritik an der Vorgehensweise der Klinik-Geschäftsführung.

Monn fand am Mittwoch für seine Verhältnisse ungewöhnlich deutliche Worte: "Die Schön-Klinik ist immer für Überraschungen gut", sagte er. "Auch diese Nachricht kam für mich wieder aus heiterem Himmel. Denn bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Patientenversorgung dort noch bis Mitte Dezember gesichert ist." Für die Annahme Monns gibt es natürlich einen Grund: Am vergangenen Donnerstag sei ein Mitglied der Geschäftsführung der Schön-Klinik, noch bei ihm gewesen und habe ihm dies im Gespräch zugesichert. "Und jetzt dieser Widerspruch." Als im Oktober die geplante Klinikschließung bekannt wurde, war noch von einer uneingeschränkten Patientenversorgung bis Jahresende 2016 die Rede. Wenig später wurde dieses Datum durch den 16. Dezember ersetzt.

Nun stellte die Klinik ihren Betrieb mehr als zwei Wochen früher als geplant ein. Etwa 15 Prozent des Personals, was in etwa 30 Mitarbeitern entspricht, hätten bereits Aufhebungsverträge unterzeichnet, gab die Schön Klinik Verwaltung GmbH auf Anfrage der SZ bekannt. Es zeichne sich ab, dass zudem einige Mitarbeiter an andere Standorte der Schön Klinik wechseln würden - vor allem nach Harlaching oder nach Bad Aibling. Für weiter entfernte Standorte, zum Beispiel Neustadt in Holstein, Lorsch in Südhessen und auch Hamburg, gebe es außerdem noch Gespräche mit den Starnberger Mitarbeitern.

Viele Angebote hat die Belegschaft allerdings auch von anderen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern der Umgebung erhalten. "Wir freuen uns darüber natürlich", sagte dazu auch Klinikleiter Ingo Rebmann - auch wenn dies nun dazu führte, dass die Klinik ihren Betrieb früher einstellte. Bereits die Hälfte habe sich für Vorstellungsgespräche freistellen lassen. So begründete dies auch ein Sprecher der Schön Klinik Verwaltung GmbH in Prien. Die wenigen Patienten, die bislang noch in Kempfenhausen versorgt wurden, sind dem Vernehmen nach am Mittwoch entlassen oder in umliegende Kliniken überwiesen worden. Neue Patienten würden nun nicht mehr aufgenommen, für die Notfall-Versorgung stehe das nächstgelegene Klinikum Starnberg zur Verfügung, hieß es. Gearbeitet wird in der Schön-Klinik aber dennoch wohl einige Zeit: Es stehen noch Schlussinventur sowie Aufräum- und Archivierungsarbeiten an.

Dass die Tage des Krankenhauses in Kempfenhausen gezählt sind, hat sich auf dem Markt herumgesprochen. Wie Monn sagte, hat er bereits "eigenartigen Anfragen" aus dem In- und Ausland erhalten; fünf bis zehn seien es gewesen. Demnach gibt es für den Gebäudekomplex offenbar Interessenten aus China und Russland. Die Gemeinde wird laut Monn aber "ein Auge darauf haben, welche Nachfolgenutzung dort geplant ist und bei Bedarf mit einer Bauleitplanung reagieren." Auch eine Veränderungssperre schloss er nicht aus. Realistisch betrachtet sind auf dem Grundstück drei Nutzungen möglich: eine Klinik, ein Hotel oder Wohnbebauung.

Bekanntlich hatte der Prominenten-Arzt Valentin Argirov die Villa de Osa samt Grundstück in Seenähe Anfang der 1980er-Jahre erworben, das Haus großzügig zur Klinik umgebaut und es nach Norden und Süden auf insgesamt 60 Patientenzimmer erweitert. 2003 verkaufte der einstige Leibarzt von Franz Josef Strauß das Anwesen an die Schön-Gruppe. Auch die neuen Eigentümer hegten Erweiterungswünsche, diesmal in Richtung See: Ein Bettentrakt mit 13 Patientenzimmern sollte auf 480 Quadratmetern Fläche entstehen. Dagegen hatten jedoch die Nachbarn geklagt - mit Erfolg. Die Richter erklärten den aufgestellten Bebauungsplan der Gemeinde Berg für ungültig. Die Eigentümer mussten ihren Bauwunsch ad acta legen. Dies soll letztlich den Ausschlag für die Schließung gegeben haben.