Bagger im Naturschutzgebiet Schadensprüfung in Pähler Schlucht

Regierung von Oberbayern schließt Verstöße gegen den Naturschutz bei Abholzaktion nicht mehr aus

Von Wolfgang Prochaska

Die umstrittene Abholzaktion in der Pähler Schlucht im Februar dürfte ein rechtliches Nachspiel haben. Die Regierung von Oberbayern prüft derzeit den Umfang der Schäden und ob "möglicherweise auch andere Schutzgüter des FFH-Gebiets beeinträchtigt" wurden, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung auf Anfrage. "Aus heutiger Sicht wurden durch die tatsächliche Durchführung der Durchforstungsmaßnahmen prioritäre Lebensraumtypen (Kalktuffquellen) beeinträchtigt", teilte die Regierung von Oberbayern weiter mit. Nun ginge es darum, die Höhe der Schäden zu ermitteln und anschließend zu prüfen, wie "dies naturschutzrechtlich und gegebenenfalls waldrechtlich zu bewerten" sei. Danach werden sich auch die Sanktionen im Fall von Verstößen richten.

Anlass war ein Ortstermin in dem Naturschutz- und FFH-Gebiet, das bis vor kurzem wegen seiner Ursprünglichkeit wie ein kleines Stück Urwald wirkte. An diesem Treffen nahmen nach Angaben der Regierung von Oberbayern Vertreter des Weilheimer Landwirtschaftsamts, der Höheren und der Unteren Naturschutzbehörde und die Besitzerin des Waldes mit dem beauftragten Förster teil. Geprüft wurde, ob der Rückbau des Weges und der Seitenränder in der engen Bachschlucht so ausgeführt wurden, wie es gefordert worden war. Das Urteil der Experten lautete zufriedenstellend. Diese Einschätzung bezog sich aber nur auf diese Arbeiten, betonte die Sprecherin der Bezirksregierung, nicht auf die Abholzaktion. Diese wird nun auch von der Höheren Naturschutzbehörde in der Bezirksregierung als kritisch gesehen. Nicht anders ist es zu deuten, dass nun die genauen Schäden festgestellt werden. Insbesondere bezieht sich die Prüfung darauf, inwieweit durch die schweren Geräte beim Abholzen und beim Abtransport die Kalktuffquellen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Naturschützer hatten schon zuvor bemängelt, dass der Bachgrund durch die schweren Maschinen Schaden genommen haben könnte. Tiefe Reifenspuren in der Bachsohle deuteten darauf hin.

Der zustände Förster, Hannes Zwölfer, hatte bei einem Pressetermin im März stets betont, der Anlass für die Aktion seien vor allem die drei Erdrutsche gewesen, bei denen etwa 30 Bäume ins Bachbett gestürzt waren. Bei starkem Regen bestehe das Risiko, dass die Stämme den Bach zurückstauten, sie wurden deshalb im unteren Bereich der Schlucht herausgezogen. Aus seiner Sicht ist der überalterte Waldbestand für die Erosion verantwortlich, weil unter den Kronen keine jungen Bäume gedeihen können, die den Hang durchwurzeln und stabilisieren. Zwölfer erinnerte auch daran, dass es sich überwiegend um Schutzwald handle, der durchforstet werden müsse. Das Gesetz erlaube auch im Naturschutzgebiet eine geregelte Holznutzung. Insgesamt wurden seinen Angaben zufolge auf einer Fläche von 19 Hektar mehr als 1000 Kubikmeter Holz eingeschlagen. Dies bezweifeln inzwischen aber Naturschützer. Sie kommen auf bis zu 2700 Kubikmeter Holz.

Die Empörung ist weiterhin groß. Denn durch das Abholzen der Bäume könnte sich auch das Mikroklima geändert haben, da nun mehr Licht in die Schlucht fällt. Dies hätte negative Folgen auf die dortige Vegetation.