TSV Schwabhausen Geübt im Verzicht

Entscheidung steht: Abteilungsleiter Helmut Pfeil, Trainer Alexander Yahmed (hinten v. li.), Alina Nikitchanka und Eva-Maria Maier bleiben zweitklassig.

(Foto: Toni Heigl)

Der dominierende Tischtennis-Zweitligist will abermals nicht aufsteigen - aus Vernunftgründen.

Von Andreas Liebmann, Schwabhausen

Es liegt kein Groll in seiner Stimme, kein Bedauern. In einem Tonfall, als hätte ihn jemand nach der Uhrzeit gefragt, beantwortet Alexander Yahmed die aktuell wichtigste Frage zur Zukunft des Schwabhauser Frauentischtennis: "Wir spielen wieder zweite Liga", sagt er. Der TSV verzichtet auf den Aufstieg.

Der Trainer kann gut leben mit der Entscheidung, die sein Verein aus dem Landkreis Dachau bis zuletzt hinausgezögert hatte. "Für mich ist es das Interessanteste, junge Spielerinnen und den ganzen Verein zu entwickeln", erklärt Yahmed. Soll heißen: Die Liga ist dafür zweitrangig.

Das Ganze ist dennoch bemerkenswert. Vor zwei Jahren zog sich der TSV Schwabhausen freiwillig aus der ersten Bundesliga zurück, vor einem Jahr verzichtete er als Meister auf den Wiederaufstieg. Nun ist er wieder auf dem Weg, Zweitligameister zu werden: Ohne Niederlage steht er mit 22:2 Punkten auf Tabellenplatz eins. Es geht also um die Titelverteidigung in den verbleibenden sechs Partien, um die Ehre, wenn man so will. Aber es geht eben nicht mehr um eine höhere Spielklasse.

Es sind Vernunftgründe, die den Verein zum dritten Verzicht nacheinander bewogen haben, er hat die Vor- und die Nachteile lange abgewogen. Dieses Mal waren die Verantwortlichen aber lange der Auffassung, die Vorteile einer Rückkehr in Liga eins könnten überwiegen. Yahmed befand sich auf der Suche nach einer erstligatauglichen Verstärkung in konkreten Gesprächen. "Wir hätten schon was hingebracht", sagt er. Dann kam etwas dazwischen.

Sarah Mantz, die 17-Jährige, die in der Rückrunde auf Position zwei gehievt wurde und dort weiter aufgebaut werden soll, erhielt ein Angebot von einem Erstliga-Spitzenteam. "Für uns war klar: Mit Sarah gehen wir rauf, ohne sie nicht", sagt Yahmed. Für ihn ist die erste Liga kein Selbstzweck, sondern allenfalls eine Plattform, um entsprechend große Talente angemessen fördern zu können. Als Mantz ihren Weggang signalisierte, änderte der Verein seine Personalplanungen. Als Mantz dann doch blieb, seien diese nicht mehr zu korrigieren gewesen, erklärt Yahmed.

Die erste Liga müsse sich hinterfragen, fordert Yahmed. "So wird sie weiter schrumpfen."

Einen Zugang gibt es nun trotzdem: Jugendnationalspielerin Laura Tiefenbrunner, 16, wird vom Erstliga-Titelanwärter SV-DJK Kolbermoor kommen, ein weiteres Talent, das der Trainer voranbringen möchte. Der Rest des Kaders bleibt: Die Kroatin Mateja Jeger, inzwischen die erfolgreichste Spielerin der Liga; die Weißrussin Alina Nikitchanka; als eine Art Joker die langjährige Spitzenspielerin Yang Ting, die wohl weiterhin wie zuletzt nur sporadisch zum Einsatz kommen wird; und die Identifikationsfiguren Christina Feierabend und Eva-Maria Maier. Sieben starke Spielerinnen also für vier Plätze - so sollte auch die zweite Mannschaft in der dritten Liga vor einer entspannten Saison stehen. Bleibt die Frage: Was wäre eigentlich so schlimm an einem Aufstieg?

"Für Außenstehende ist das vielleicht schwer zu verstehen", ahnt Yahmed. Für andere genügt ein kurzer Blick in die erste Liga. Sieben statt wie vorgesehen zehn Teams spielen dort. Der dadurch sehr kurzen Runde hat der Verband deshalb ein Playoff-System folgen lassen, mit der Folge, dass die Saison für die Favoriten Berlin und Kolbermoor und Tabellenführer Bingen noch gar nicht wirklich begonnen hat. Yahmed nennt die Liga eine "Farce". Wer aufsteige, den erwarte Chancenlosigkeit, anders als in der zweiten Liga, die von fast all ihren Mitgliedern als die attraktivere bezeichnet werde. Vor einem Jahr habe sein Klub alle Zweitligisten angeschrieben, um drei, vier Rivalen zu einem gemeinsamen Gang nach oben zu bewegen - um dann wenigstens in der unteren Tabellenhälfte der ersten Liga spannende Wettkämpfe zu haben. Die Resonanz war gering. Was Yahmed ebenfalls nicht versteht: Schwabhausen hatte sich aus der ersten Liga zurückgezogen, als Sarah Mantz' Schwester Chantal von Serienmeister Berlin abgeworben worden war - wo sie dann kaum zum Einsatz kam. Nun wäre mit Sarah Mantz fast Ähnliches passiert. "Solche Wechsel bringen diesen Klubs null Komma null", glaubt er. Den anderen entziehen sie jedoch den letzten Anreiz, selbst nach oben zu gehen. "Da muss sich die Liga mal hinterfragen", findet er, "so wird sie weiter schrumpfen."

In der zweiten Liga empfängt an diesem Samstag der Tabellenzweite Langstadt den Dritten Weil, am Sonntag ist Schwabhausen in Weil zu Gast. Von der Aufstiegsfrage abgesehen wird es ein spannendes Wochenende.