TS Jahn München Rechtzeitig in Playoff-Form

Emily Bessoir (li.) ist erst 16 Jahre alt, hat aber den Instinkt für ein exzellentes Stellungsspiel.

(Foto: Claus Schunk)

Zweitliga-Basketballerinnen belegen überraschend Platz drei der Gruppe Süd. Gegner im Viertelfinale sind die Falcons Bad Homburg.

Von Karl-Wilhelm Götte

Rüdiger Wichote, der Trainer der Zweitliga-Basketballerinnen von Jahn München, wollte auch nach einer deutlichen Halbzeitzeitführung gegen den TSV Speyer-Schifferstadt ein konzentriertes Spiel seiner Mannschaft sehen. "Zwei Ballverluste bei zwei Fastbreaks hintereinander, das geht nicht", schimpfte er mit düsterer Miene. Seine Spielerinnen nahmen sich die Kritik ihres Trainers zu Herzen und brachten gegen den Tabellenzehnten ein sicheres 87:65 ins Ziel. Als Dritte nach der Hauptrunde starten die Jahn-Frauen am kommenden Wochenende beim Tabellenzweiten der Gruppe Süd, den Falcons Bad Homburg, in die Playoffs. Gespielt wird nach dem Best-of-three-Modus - wer zuerst zwei Siege holt, ist eine Runde weiter. Wichote geht durchaus optimistisch in dieses Duell.

Der Jahn-Coach räumte ein, dass Speyer-Schifferstadt seiner Auswahl nicht alles abverlangt hatte: "Ihre US-amerikanische Topscorerin war nicht dabei", was alles leichter gemacht habe. Trotzdem beeindruckte die Treffsicherheit seiner Spielerinnen. Werte über 50 Prozent Trefferquote kann man als gut bis sehr gut bezeichnen, was gleich vier Jahn-Spielerinnen gelang. Mirela Damaschek (66 Prozent) führte die Riege an, gefolgt von Emily Bessoir (64), Leonie Fiebich (63) und Anne Delafosse (57). Zusammen markierten sie 75 der 87 Münchner Zähler. Die 16-jährige Bessoir trifft nicht nur sicher in den gegnerischen Korb, sie gehört zu den besten Rebounderinnen der Liga. Unter dem eigenen Korb lässt sie den Gegnerinnen kaum einen zweiten Ball. Bessoir weiß ihre 1,92 Meter Körpergröße optimal zu nutzen und fischt die meisten vom Korb abspringenden Bälle sicher herunter. Wobei ihr ein ausgeprägter Instinkt für das richtige Stellungsspiel hilft. Gegen Speyer-Schiffstadt gelangen ihr gleich zehn Rebounds unter dem eigenen Korb und weitere drei unter dem gegnerischen.

Absolute Leaderin in der Mannschaft ist Anne Delafosse. Keiner anderen Spielerin gelingt so ein Lauf von der Dreierlinie wie der ehemaligen Nationalspielerin, die schon viele deutsche Meistertitel feiern konnte. Gegen Speyer brachte die 33-Jährige mit fünf Dreipunktwürfen bei sechs Versuchen schon in der ersten Halbzeit ihre Mannschaft in Front. An ihr richten sich besonders die jungen Spielerinnen auf. Auch der Einsatz von Delafosse ist vorbildlich. Nach zwei Wochen "Grippe vom Feinsten", wie sie sagte, stellte sie sich im finalen Hauptrundenspiel schon wieder in den Dienst der Jahn-Frauen: "Ich bin stolz auf unsere Mannschaft", sagte Delafosse, "damit hat keiner gerechnet." Das Saisonziel im vergangenen Herbst sei gewesen, nur nicht abzusteigen. Jetzt stehe man in der ersten Runde der Playoffs, das "ist wirklich ganz großartig". Doch nicht alles war gut in der Hauptrunde. Die TS Jahn München musste bei 20 Spielen auch sieben Niederlagen einstecken. Doch dabei waren häufig nicht alle Spielerinnen an Bord und die so talentierten Nachwuchskräfte spielten zusätzlich auch noch in der Jugend-Bundesliga.

"Die jungen Spielerinnen haben sich toll entwickelt", lobte Delafosse ihre halb so alten Mitspielerinnen besonders. Nach der Rückkehr der neun Monate verletzten Leonie Fiebich, 17, hat sich die Ausgangslage für die nahe Zukunft noch einmal verbessert. Fiebich kam gegen Speyer-Schifferstadt schon wieder auf 17 Punkte und fünf Rebounds. Auch die grippegeschwächte Spielmacherin Nicole Schmidt war wieder einigermaßen fit, aber gewohnt quicklebendig schien sie bei Schnellangriffen indes noch nicht zu sein. "Zwei Wochen im Bett spüre ich sofort in meiner Muskulatur", sagte die 28-jährige Aufbauspielerin. Wichote setzte Schmidt nur dosiert ein. Zum Playoff-Start werde sie wieder ganz bei Kräften sein, glaubt der Coach. Dann, wenn es darauf ankommt.