Neue Multifunktionsarena im Olympiapark "Hopp oder top"

Platz da! Das ehemalige Radstadion im Olympiapark ist im vergangenen Jahr abgerissen worden. Auf dem Areal soll die neue Halle entstehen.

(Foto: Imago)

In der Diskussion zwischen Red Bull und dem FC Bayern drängt die Stadt auf eine rasche Entscheidung

Von Johannes Schnitzler, Ralf Tögel

Ein paar Tropfen Wasser haben Bewegung in eine zähe Debatte gebracht, die im Bewusstsein der Münchner Öffentlichkeit schon etwas eingetrocknet war: die Diskussion um eine neue Multifunktionshalle im Olympiapark. Weil im Audi Dome wegen eines Pumpenschadens Wasser von der Decke aufs Parkett getropft war, hatte am Sonntag bei der Endrunde um den deutschen Basketball-Pokal zunächst das Spiel um Platz drei abgesagt werden müssen. Die Berichterstattung über das Finale zwischen Alba Berlin und dem Hausherrn FC Bayern (67:65) geriet danach beinahe zur Nebensache. Der bundesweit beachtete Vorfall erschien wie ein Fanal für den längst fälligen Neubau. Absichtserklärungen und Fakten gibt es längst. Doch noch immer wird hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Bereits Ende 2014 hat der Stadtrat grünes Licht für den Bau einer Multifunktionshalle im Olympiapark mit Platz für 10 000 Zuschauer gegeben, in der die Eishockey-Profis des EHC Red Bull München und die Basketballer des FC Bayern eine Heimstatt finden sollen. 2015 wurde dafür das ehemalige Radstadion im Westen des Olympiageländes dem Erdboden gleichgemacht. Nach europaweiter Ausschreibung ist der Getränkeriese Red Bull der einzige Interessent für das Projekt, das sich der Investor aus Salzburg 100 bis 120 Millionen Euro kosten lassen will. Der Beschluss sieht zwei Ankermieter in der Halle vor: die Stadt München und eben den FC Bayern, Abteilung Basketball. So weit, so klar. Doch was noch (gemeinsamer) Grundsatz ist und was teuflisches Detail, darüber scheinen die Ansichten der beteiligten Parteien auseinanderzugehen. Unter anderem geht es um das Planungsvolumen in einem städtebaulich und denkmalrechtlich sensiblen Umfeld, um die Koordinierung von Spiel- und Trainingsplänen - und um viel Geld. Zwei oder drei Trainingsflächen? Davon etwa hängt die Zukunft des fast 50 Jahre alten Olympia-Eissportzentrums ab, dessen Sanierung die Stadt rund 30 Millionen kosten würde. Und jeder Monat, um den sich der Baubeginn verzögert, kostet Red Bull künftige Zuschauer-, Sponsoren- und Mieteinnahmen.

Anders als bei seinen schäumenden Marketing-Kampagnen und brausenden Show-Tourneen ist Red Bull mit Informationen zur Halle äußerst sparsam, vorsichtig formuliert. Offizielle Verlautbarungen zum Thema gibt es aus dem Hause Salzburg nicht, auch nicht anonyme. Aber wie in jeder handelsüblichen Hochburg pfeift hier und da ein Gerücht durch die Ritzen. Laut SZ-Informationen hält das Getränke- und Unterhaltungsunternehmen unverändert an dem Vorhaben fest, also mit der Stadt und dem FC Bayern als Mietern. Es geht angeblich nur noch um Details.

Ob man dieser Ansicht folgen muss, erscheint fraglich. Auch die Bayern-Basketballer wollen sich nicht mehr äußern. Zuletzt aber ließ Vizepräsident Rudolf Schels, der gemeinsam mit Präsident Karl Hopfner die Verhandlungen für den Verein führt, durchblicken, dass seine Abteilung sich eine Zukunft auch ohne neue Halle vorstellen kann. Die Bayern haben immer betont, dass sie den für fünf Millionen Euro aus eigener Tasche sanierten Audi Dome auch zukünftig zu nutzen gedenken, als Trainingsstätte und Standort für die Jugend. Mietzahlungen an Red Bull würden den Etat nur zusätzlich belasten. Geld, das in neue Profis investiert werden könnte.

Für Münchens Sportbürgermeisterin Christine Strobl ist das zumindest eine gute Nachricht. Die Stadt hat somit Gewissheit, dass die ehemalige Rudi-Sedlmayer-Halle langfristig genutzt wird. "Die Bayern fühlen sich dort meines Wissens nach sehr wohl, auch die Zuschauerzahlen passen. Da muss man eine neue Halle natürlich auch auf ihre Wirtschaftlichkeit prüfen." Zum Stand der Verhandlungen mit Red Bull sagt sie: "Es sieht ganz gut aus." Eine Absage des FC Bayern würde die Sachlage freilich schlagartig ändern: "Dann müsste Red Bull das kompensieren", und zwar mit dem verbliebenen Mieter - der Stadt. Das wiederum würde neue Berechnungen erfordern, "ob wir die Kapazitäten haben, ob wir das brauchen, und so weiter." Nicht um jeden Preis jedenfalls, diesen Eindruck vermittelt die Dritte Bürgermeisterin.

Es gäbe auch die Option, dass "Red Bull das alleine durchzieht", sagt Strobl. "Aber danach sieht es nicht aus." Dass das Projekt noch platzen könnte, glaubt sie nicht. Und wenn doch, dann müsse man eben umdenken: "Es gab schon einmal die Idee eines Musiktheaters", auch Freiflächen seien denkbar. Trotz aller Unwägbarkeiten bleibe sie "optimistisch", sagt Strobl. Auch die Geduld der Bürgermeisterin ist allerdings endlich. "In ein, zwei Monaten hätte ich das gerne entschieden." Spätestens bis zur Sommerpause wolle sie wissen: "Hopp oder top."

Angesichts der Kosten und der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten der neuen Halle - wegen der Konkurrenz zur Olympiahalle sind zum Beispiel lukrative Konzerte tabu - lässt sich die Diskussion auf eine guardiolahafte Formel reduzieren: Red Bull oder nix. Und was Strobls Wunsch nach einer beschleunigten Entscheidungsfindung angeht: Vom 1. März an ist Uli Hoeneß wieder ein freier Mann. Der ehemalige FCB-Präsident und Pate des Münchner Basketball-Projekts versteht sich dem Vernehmen nach glänzend mit Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Und ist ebenso zupackend. Besonders, wenn es von der Decke tropft.