Frank Mauer:"Wir müssen die Welle reiten, solange sie rollt"

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"Natürlich gab es Tiefs": 36 Spieltage musste Frank Mauer zusehen. Am Freitag gegen Mannheim kehrte er zurück, am Sonntag gelangen ihm zwei Treffer. (Foto: Imago)

Nach vier Monaten Verletzungspause hat der Nationalspieler am Wochenende mit dem EHC München Platz zwei der DEL erobert. Ein Gespräch über Momente des Zweifelns, die Chemie im Team und den Führungsstil von Trainer Don Jackson

interview Von Christian Bernhard

Frank Mauer ist ein Strahlemann. Höflich und gut gelaunt beantwortet der 27-Jährige jede Reporterfrage. Doch beim EHC München war der Nationalspieler bislang der Pechvogel. Vor der Saison von seinem Heimatklub Adler Mannheim, für den er seit 2007 in der Deutschen Eishockey Liga gespielt hatte, nach München gewechselt, verletzte Mauer sich im vierten Punktspiel schwer an der Schulter. Nach vier Monaten Pause gab er am Freitag beim 2:1 in Mannheim sein Comeback und erzielte am Sonntag beim 6:1 gegen Krefeld seine ersten Saisontore.

Danach strahlte er wieder.

SZ: Herr Mauer, besser hätte Ihr Comeback kaum laufen können, oder?

Frank Mauer: Es war ein super Gefühl. Nach den langen Monaten war ich doch sehr nervös. Ich war noch nie in so einer Situation. Daher ist mir mit dem ersten Tor ein großer Stein vom Herzen gefallen.

Ihr Trainer Don Jackson sagte, Sie hätten "sehr hungrig" gespielt. Wie groß war Ihr Appetit auf Eishockey?

Am Schluss meiner Pause, als es immer mehr bergauf ging, war ich sehr hungrig. Das erste Spiel dann gleich in Mannheim, gegen die alten Kollegen, spielen zu können, war eine super Motivation. Ich habe einfach Lust auf Eishockey und will jede Eiszeit, die ich extra haben kann, nutzen. Für den Moment bin ich erst einmal sehr zufrieden.

Vier Monate sind eine lange Zeit. Die Gefahr, zu viel zu wollen, ist entsprechend hoch. Wie sind Sie damit umgegangen?

Natürlich gab es zwischendurch Tiefs, das war auch mental nicht so leicht. Ich habe mir viele Gedanken gemacht: Was kann passieren? Finde ich sofort zu alter Stärke zurück? Man weiß nicht, wo man steht, was man zu erwarten hat und erwarten kann. Deshalb habe ich mir gesagt, dass es auch okay ist, wenn ich erst einmal kleinere Brötchen backe und mir Stein auf Stein das Haus aufbaue. Das war der Versuch, mir selbst nicht zu viel Druck zu machen. Natürlich will man schnellstmöglich viel erreichen, aber das geht manchmal eben nicht. Nach so einer Verletzung muss man sich selbst eher ein bisschen bremsen, nicht dass man sich zu hohe Ziele steckt und diese dann nicht erreicht.

Sie haben die Mannschaft ausgiebig von außen beobachten können. Welche Entwicklung haben Sie ausgemacht?

Ich glaube, dass wir spielerisch jetzt alle auf einer Wellenlänge sind, und habe das Gefühl, dass die Jungs immer besser in Form kommen. Nichtsdestotrotz ist es im Moment die mannschaftliche Geschlossenheit, die hervorsticht. Wir spielen als eine Einheit, ziehen an einem Strang und arbeiten sowohl mit- als auch füreinander. Deshalb gewinnen wir die Spiele. Wir haben viele Jungs, die Tore schießen können, sind schwer auszurechnen. Das macht uns momentan sehr stark. Wir zeigen immer mehr, wie geschlossen wir doch nach den anfänglichen Problemen sind. Diese Welle müssen wir reiten, solange sie rollt.

Der EHC ist seit Sonntag Tabellenzweiter, zwei Punkte hinter Spitzenreiter Berlin. Ist Platz eins jetzt das Ziel?

Als Sportler will man immer Erster sein, mit dem zweiten Platz gibt man sich nicht zufrieden. Wir denken aber von Spiel zu Spiel und wollen die bestmögliche Ausgangsposition für die Playoffs, sei es Platz eins, zwei, drei oder vier. Das Wichtigste ist, dass wir unter den ersten Sechs und sicher dabei sind. Ich denke, das steht nicht in Frage, wenn wir so weitermachen. Dann schauen wir, was sich ergibt. Solange wir weiterhin diesen Einsatz bringen, sind wir auf einem guten Weg.

Was zeichnet die Mannschaft noch aus?

Wir haben alle Spaß und eine super Chemie im Team. Ich habe das Gefühl, dass wir unser Spiel im Moment relativ leicht aussehen lassen. Wir schießen zu den richtigen Zeitpunkten die Tore und sind defensiv super stabil. Wenn doch was durchkommt, haben wir gute Torhüter. Vorne erarbeiten wir uns viele Möglichkeiten, wir haben fast immer mehr Schüsse und meistens mehr Torchancen als der Gegner. Wenn du mehr Zeit in der offensiven Zone verbringst, sind die Chancen einfach geringer, dass du das Spiel verlierst.

Welchen Anteil hat Trainer Don Jackson an dieser Entwicklung?

Er hat generell eine sehr ruhige Art, wird nie laut. Er ist aber sehr direkt und auch fordernd, wenn es darum geht, die Sachen so auszuführen, wie er es möchte. Don ist sehr detailverliebt. In den letzten Wochen haben wir es geschafft, Fehler auszumerzen. Wir verstehen das Spielsystem nun besser, die Zahnrädchen greifen ineinander. Er hat einen Weg gefunden, das Team zu erreichen. Auch wir haben uns jetzt gefunden, weil wir viele intelligente Spieler haben, die das gut umsetzen können. Das ist momentan der Schlüssel.

Am Wochenende stehen gleich zwei Spitzenspiele an: Am Freitag geht es zu Tabellenführer Berlin, am Sonntag kommt der Dritte Düsseldorf nach München.

Kann man sich mehr wünschen? Solche Spiele sind immer super, sie haben Playoff-Charakter. Gerade jetzt, gegen Saisonende, will man sich gegenseitig ein bisschen abtasten. Aber wir sind im Moment in super Form.

© SZ vom 02.02.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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