Garching gegen Bayreuth Ferien am See

Was soll das sein, Jungs? Selbst nach der überraschenden Führung seines Teams war Garchings Trainer Daniel Weber erkennbar unzufrieden.

(Foto: Claus Schunk)

Die Kicker des VfR Garching erzürnen ihren Trainer Daniel Weber bei der 2:4-Niederlage gegen Bayreuth durch naive Passivität.

Von Christoph Leischwitz, Garching

Dann könne man es ja gleich sein lassen, sagte Daniel Weber, immer noch empört über das gerade Gesehene. Der Trainer sprach von zaghaftem "Kinderfußball". Als einige Sekunden später Günter Niebauer die Pressekonferenz mit einem "den Schulkindern noch schöne Ferien" beendete, war dann nicht hundertprozentig klar, ob er damit auch die Spieler des VfR Garching gemeint hatte. Zumal in Dennis und Mike Niebauer ja zwei seiner eigenen Kinder zuvor im Stadion am See auf dem Platz gestanden hatten.

2:4 (1:0) hatte der VfR gegen die SpVgg Oberfranken Bayreuth verloren, nach dem Spielverlauf war diese Niederlage gleichermaßen hochverdient wie unnötig. "Oberkatastrophe", schimpfte Weber, über den so mancher VfR-Offizielle hinterher meinte, so sauer habe man ihn schon lange nicht mehr gesehen. Webers bösem Blick und seiner Gestik nach zu urteilen, dürfte er auch kein Blatt vor den Mund genommen haben, als er seine Mannschaft nach Abpfiff im Halbkreis vor sich stehen hatte.

Ferienbeginn, 28 Grad, und dann auch noch diese entspannenden Klänge, die vom See herüber wehten (das Festival "Schall im Schilf" wärmte sich gerade mit Ambient-Musik auf) - vielleicht war das einfach ein bisschen zu viel Sommergefühl für die Garchinger, die zu Spielbeginn einen Bayreuther Angriff nach dem anderen über sich ergehen ließen. Selten hatte man den VfR, mittlerweile in seiner dritten Saison in der Regionalliga, in dieser Spielklasse so konsterniert gesehen wie in der ersten Viertelstunde dieser Partie. "Es hätte nach 20 Minuten 3:0 für Bayreuth stehen können", sagte Weber, niemand hätte sich darüber beschwert.

So vergaben Darius Held mit einem Kopfball aus kurzer Distanz (11.) und Anton Makarenko mit einem Pfostenschuss (13.) die besten Möglichkeiten der Gäste. Weber blieb in dieser Phase bedrohlich still. Er schickte nach 20 Minuten alle Ersatzspieler zum Aufwärmen.

"Das war die erste Reaktion. Die zweite war eine kleine Systemumstellung", erklärte er später. Mit einer zentral verstärkten Defensive bekam der VfR endlich mehr Zugriff. Und wenig später geschah das, was man zu Beginn für unmöglich gehalten hätte: Garching ging in Führung. Florian Pflügler schlug einen weiten Ball nach vorne, dieser setzte auf, VfR-Zugang Lirim Kelmendi bekam den Kopf an die Kugel, diese kullerte am verdutzten Torwart Jonas Hempfling vorbei ins Netz (29.). Doch nicht einmal darüber konnte sich Weber freuen, obwohl sein Plan ja irgendwie aufgegangen war: Bayreuth kommen lassen und Nadelstiche setzen. "Aber 15 bis 20 Minuten gut spielen, das reicht eben nicht", wusste er.

Bis zur Pause verlief das Duell ausgeglichen, dann gaben die Gastgeber die glückliche Führung auch noch leichtfertig aus der Hand, vier Gegentore fielen innerhalb einer knappen halben Stunde. Die ersten beiden Treffer für Bayreuth erzielte der ehemalige 1860-Nachwuchsspieler Ivan Knezevic (62., 69.), in beiden Fällen profitierte er von der halbherzigen Abwehrarbeit der Garchinger. Regionalliga-erprobte Spieler wie Silas Göpfert oder Florian Pflügler stellten sich dabei mindestens so passiv an wie der 18-jährige Innenverteidiger Semi Belkahia, der aus der Jugend der TSG Hoffenheim nach Garching gekommen war. Als Julian Kolbeck nach einem Eckball aus sieben Metern vor dem Tor völlig unbedrängt den Ball per Kopf ins Kreuzeck wuchtete, schien sich ein Debakel anzubahnen (74.). Doch dann wurde es sogar noch einmal spannend. Der eingewechselte Stefan De Prato wurde in der 78. Minute von Keeper Hempfling rüde gefoult, Trainer Weber wollte darin sogar ein rotwürdiges Vergehen gesehen haben. Dennis Niebauer, einer der wenigen mit Normalform an diesem Tag, drosch den Ball aus elf Metern unter die Latte (79.). "Wir haben uns schon ein bisserl naiv angestellt", sagte der Kapitän später. Den tiefer liegenden Grund dafür konnte aber auch er nicht ausmachen.

Das Kontertor zum 2:4 durch Patrick Hobsch kurz vor Schlusspfiff war die logische Folge der Garchinger Offensivbemühungen, aber "vier Gegentore, das geht einfach nicht", hielt Weber fest. In seiner ersten Analyse sprach er von "Überheblichkeit". Die Punkte hätte man holen müssen, jetzt stehen schwere Spiele in Memmingen und in Buchbach sowie zu Hause gegen Wacker Burghausen und Bayern II an.

Weber war veritabel sauer, doch natürlich wollte er auch ein deutliches, öffentliches Zeichen setzen, dass er solche Leistungen künftig nicht tolerieren werde. Die Spieler müssten sich hinterfragen, sagte er, "ich will sehen, dass sie erwachsen werden wollen". Härteres Training wäre nun auch keine sinnvolle Konsequenz, denn dann wären die Beine schwer am Freitag. Die Klassenbesten standen sowieso schon auf dem Platz. Ein Stückweit muss Weber schlicht darauf hoffen, dass das Team jetzt nicht sechseinhalb Wochen Sommerferien macht.