Fußball "Voglsammer ist zu wichtig"

Manfred Schwabl, Präsident des Drittligisten SpVgg Unterhaching, über wirtschaftliche Notwendigkeiten und verzichtbare Transfers

Interview von Stefan Galler

Seit Wochenbeginn bereitet sich Fußball- Drittligist SpVgg Unterhaching auf die Fortsetzung der Rückrunde vor. Dank des 3:2-Erfolgs im letzten Spiel 2014 gegen Jahn Regensburg überwintert das Team von Trainer Christian Ziege mit fünf Zählern Polster auf die Abstiegsplätze. Kein Grund, die Beine hochzulegen, findet Präsident Manfred Schwabl, der versucht, im wirtschaftlichen Bereich die Weichen zu stellen, damit die SpVgg auch im kommenden Jahr in der dritten Liga spielen darf.

SZ: Herr Schwabl, die Mannschaft trainiert seit Montag wieder. Wie ist die Stimmung im Team?

Manfred Schwabl: In der Tat war der Sieg gegen Regensburg extrem wichtig für die Stimmung. Durch das 3:2 spricht jetzt über das vorangegangene Wehen-Spiel, wo wir eine böse Klatsche kassiert haben, keiner mehr. Man nimmt eben vor allem das letzte Erlebnis mit, und das war absolut positiv. Was das Personal angeht, so sind bis auf Jonas Hummels, der nach seinem Kreuzbandriss weiterhin in der Reha ist, alle Mann an Bord. Nur Dominik Widemann, der wegen eines alten Außenbandanrisses im Knöchel noch Probleme hat, und mein Sohn Markus, der sich über die Feiertage noch immer mit seiner Grippe herumgeplagt hat, steigen erst am Montag ein. Und Florian Bichler war vier Tage in Osnabrück zum Probetraining.

Bahnt sich da ein Wechsel an?

Er wollte sich das mal anschauen, auch weil er in der bisherigen Saison wenig zum Einsatz gekommen ist. Aber da ist gar nichts entschieden, wir geben ihn auch nur ab, wenn alle Bedingungen passen.

Was vermutlich auch für weitere mögliche Spielerverkäufe gilt . . .

Wie es aussieht, wird sich nicht viel ändern. Marius Duhnke verleihen wir an Wacker Burghausen, Maximilian Bauer nach Heimstetten. Das ist jeweils eine "Win-Win-Situation". Sie erhalten Spielpraxis, die sie bei uns nicht bekommen würden, und wir können Ausgaben einsparen, weil wir das Gehalt nicht zahlen müssen.

So richtig Geld kommt aber nur in die Kasse, wenn Sie einen Spieler verkaufen wie Dominik Widemann, Thomas Hagn oder vor allem Andreas Voglsammer.

Sicherlich sind schon einzelne Vereine mit uns in Kontakt getreten, einige unserer Spieler sind permanent im Fokus. Ich bekomme ja die Scouting-Listen und sehe, wer ins Stadion kommt, um die Jungs zu beobachten. Aber bisher steht kein Transfer im Raum. Was Voglsammer angeht, so ist klar, dass wir nur noch eine Ablösesumme bekommen, wenn wir ihn in diesem Winter verkaufen. Aber wir haben uns dazu entschieden, ihn nur abzugeben, wenn ein Bewerber kommt, der bereit ist, einen so hohen Betrag zu zahlen, bei dem wir einfach nicht Nein sagen können. Er ist einfach zu wichtig für unsere Mannschaft, als dass wir auf ihn verzichten könnten.

"Brutal auf der Hut", um genug Punkte für den Klassenerhalt zu holen: SpVgg-Präsident Manfred Schwabl.

(Foto: Claus Schunk)

Bislang hieß es stets, dass wirtschaftliche Belange Vorrang vor sportlichen hätten.

Normalerweise ist das auch so. In Voglsammers Fall allerdings muss ich sagen, dass er ein idealer Spieler für uns ist. Ein Vorbild, der uns unglaublich viel geholfen hat. Und deshalb bekommt er von uns jede mögliche Unterstützung. Natürlich wäre es toll, wenn er jetzt einen neuen Vertrag bei Haching unterschreibt. Aber warum sollte er das tun? Er kann am Saisonende ablösefrei in die 2. Liga gehen, und wer weiß, vielleicht kommt er ja gegen Ende seiner Karriere irgendwann zu uns zurück. Wir gehen den geraden Weg, vielleicht sind wir damit letztlich der Sieger.

Sie meinen, dass andere Drittligisten es mit den Schulden nicht so genau nehmen wie die SpVgg Unterhaching?

Das liegt aber an den Regularien bei der Lizenzierung. Für diese spielen nämlich hohe Verbindlichkeiten nur dann eine Rolle, wenn sie das laufende Jahr betreffen. Das heißt, man kann auch Drittligafußball anbieten, obwohl man tief in den Miesen steckt. Entscheidend ist, dass es einen nicht während der Saison zerreißt. Wenn man eine Lizenz für die dritte Liga beantragt, unterwirft man sich bestimmten Vorgaben, die man selbst mitbestimmt. Man muss die Saison durchfinanzieren und Prognosen aufstellen, wie man das Jahr wirtschaftlich durchsteht. Wenn man alles einhält, gibt es kein Problem. Wird die SpVgg ihren Plan erfüllen?

Ganz ehrlich: Ich kann es noch nicht sagen. Die Nachlizenzierung läuft noch bis Ende Januar und ich weiß nicht, ob Sanktionen drohen und wenn ja, welche. Auszuschließen ist beispielsweise ein Punktabzug nicht. Aber da geht es uns nicht anders als anderen Vereinen. Ich bleibe da ganz entspannt.

Zurück zur aktuellen Vorbereitung: Haching fährt wie im Vorjahr nicht in ein Trainingslager. Warum?

Einerseits ist es toll, wenn man im Süden bei perfekten Bedingungen die notwendigen Grundlagen schafft. Aber andererseits kann es auch von Vorteil sein, wenn man sich hier an schlechtes Wetter und winterliche Platzverhältnisse gewöhnt. Ich denke, wir werden eine gute Vorbereitung haben, auch weil wir gegen Ingolstadt, Bayern II und den TSV 1860 testen, allesamt Hochkaräter. Und natürlich ist ein Trainingslager auch ein Kostenfaktor.

Am 31. Januar geht es mit dem Auswärtsspiel in Großaspach weiter. Haching hat aktuell 26 Punkte. Wie lautet die Marschroute für die verbleibenden 16 Spiele?

Die Messlatte sind 42, 43 Punkte, auch wenn im Vorjahr schon 40 zum Klassenerhalt gelangt haben. Ich bin brutal auf der Hut, zumal wir noch neun Auswärts-, aber nur noch sieben Heimspiele haben. Aber unser Kader hat die Qualität, das zu schaffen. Ziel ist erst mal gut zu starten und vier Punkte aus den Spielen gegen die direkten Konkurrenten Großaspach und Mainz II zu holen.