Basketball-Regionalliga Rasender Globetrotter

Ein Mann für die besonderen Momente: In den entscheidenden Phasen ist Nicolas Schwartz (links) gefragt, wie hier im Derby gegen Schwabing.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Zufall brachte Nicolas Schwartz zu den München Baskets, jetzt bestimmt er als Topscorer und Point Guard deren Stil

Von Matthias Schmid

Mario Knezevic findet es immer wieder erstaunlich, dass die München Baskets die erste Anlaufstelle für ambitionierte Amateurspieler in der Landeshauptstadt sind. Woran das liegt, kann er sich nicht erklären, sagt der Cheftrainer des Regionalligisten. Besonders attraktiv sei der Standort im Moment ja nicht, stellt Knezevic mit einem Augenzwinkern fest: "Meine Mannschaft liegt auf dem letzten Platz." Vielleicht hat das ja mit Diana-Beatrix Belik zu tun, der Frau des langjährigen Vorsitzenden Janos Belik. Es könnte gut sein, dass sie im Verborgenen für den Klub wirbt. Sie arbeitet als Basketball-Dozentin am Sportinstitut der Ludwig-Maximilians-Universität und kann so die begabtesten Studenten zum Verein ihres Vertrauens lotsen. Knezevic zumindest versichert glaubhaft, dass er nichts von der stillen Akquise wisse. Aber er sei froh, dass er immer wieder mal neue Spieler im Training begrüßen könne.

Auch Nicolas Schwartz tauchte im September 2014 plötzlich in der Sporthalle an der Dachauer Straße auf, wo die Baskets trainieren und ihre Spiele austragen. Er kam allerdings nicht als Student nach München, sondern weil er nach seinem Studium einen Arbeitsplatz bei einem amerikanischen Sportunternehmen gefunden hat. Damals spielten die Münchner noch in der 2. Regionalliga, der fünfthöchsten deutschen Basketballklasse, bevor ihnen im vergangenen Sommer der Wiederaufstieg gelang. "Das Spiel in der 1. Regionalliga ist schneller und strategischer", findet Schwartz. Ihm kommt das besonders entgegen. Der Spielmacher ist einer der beweglichsten und schnellsten Spieler in der Liga. Beim 95:88-Sieg zuletzt gegen Ansbach war sein Tempo das spielentscheidende Stilmittel. In der Schlussphase, als sich die Partie bedrohlich in Richtung der Gäste entwickelte, spielten die Münchner einfach Schwartz den Ball zu. Er zog dann in Höchstgeschwindigkeit zum Korb, als würde er eine Abkürzung kennen. Schloss er mal nicht per Korbleger ab, konnten ihn die Ansbacher nur mit Fouls stoppen. Am Ende verwandelte Schwartz 13 seiner 15 Freiwürfe und sicherte mit 23 Zählern den dritten Saisonsieg der Baskets, mit dem sie den Abstand zu den Plätzen verkürzten, die am Ende zum Klassenverbleib berechtigen.

Warum er so flink ist, kann sich der 27-Jährige selbst nicht recht erklären. "Ich war mit Ball stets schneller als ohne", sagt Schwartz mit einem Lächeln. Er sammelt im Schnitt in dieser Saison etwas mehr als 16 Punkte pro Partie - und ist damit erfolgreichster Werfer seiner Mannschaft. "Er ist für uns enorm wichtig, weil er so gut punkten kann und trotzdem dabei so mannschaftsdienlich spielt", sagt Coach Knezevic. Dabei hat Schwartz nie höher als in der Regionalliga gespielt, selbst sein Trainer findet das erstaunlich, weil er alles mitbringt, um auch in der ProB zu den auffälligeren Spieler gehören zu können. "Ich wollte nach dem Abitur aufs College in die USA gehen", erzählt der Halb-Amerikaner. Aber dann verletzte er sich im Alter von 18 Jahren so schwer am Fuß, dass er sich von diesem Traum verabschieden musste. Stattdessen schaute er sich die Welt an, ein Jahr lang reiste er um den Globus. Ein Basketball war natürlich immer im Gepäck. Und als er anschließend in Würzburg ein Studium der Wirtschaftswissenschaften begann, schloss er sich der dortigen Turngemeinde in der Regionalliga an. Nebenbei jobbte er bei den Würzburger Bundesliga-Basketballern und gründete eine Agentur, die begabte Sportler an die amerikanischen Hochschulen vermittelt, damit sie Studium und Sport miteinander vereinbaren können.

Die Arbeit für einen amerikanischen Sportartikelhersteller, der energisch auf den europäischen Markt drängt, lässt ihm noch genügend Raum für Basketball. "Ich wollte unbedingt etwas machen, wo ich meine Leidenschaft einbringen kann", sagt Schwartz. Seine Mannschaft hält er für gut genug, dass sie am Ende der Saison nicht absteigen werde. "Wir haben zudem einen exzellenten Trainer, der uns jedes Mal super einstellt", findet er. Mario Knezevic rechnet mit sechs bis acht Siegen, die nötig sind für den Klassenverbleib. "Die Liga ist sehr ausgeglichen", sagt der Trainer. Am Samstag müssen die Münchner beim Drittletzten DJK SB Rosenheim antreten, der einen Sieg mehr hat. "Das ist ein Schlüsselspiel für uns", betont Knezevic. In der Schlussphase werden alle Bälle wieder bei Nicolas Schwartz landen, der mit seiner Schnelligkeit die Gegner übertölpeln soll. Er sagt: "Ich übernehme gerne Verantwortung."