Spielplätze in München Mädchenhaus und Jungenhütte

Die SPD macht sich über eine "gendergerechte Spielplatzgestaltung" Gedanken.

Balancierbalken versus Bolzplätze: Mädchen spielen anders als Jungen. Die Münchner SPD möchte, dass bei Spielplätzen geschlechtsspezifische Kriterien stärker berücksichtigt werden. Bisher sind nur einzelne Plätze nach Gender-Gesichtspunkten gestaltet.

Von Thomas Anlauf

Mädchen spielen anders als Jungen. Diese an sich banale Erkenntnis haben die Städte Wien und Berlin zum Anlass genommen, aufwendige Studien zum Thema "gendergerechte Spielplatzgestaltung" in Auftrag zu geben.

In München sollen nun auch die Ergebnisse der Untersuchungen dazu genutzt werden, die städtischen Spielplätze so zu gestalten, dass sich Mädchen und Jungen dort gleichermaßen wohl fühlen. Der Bauausschuss im Stadtrat befasst sich in der kommenden Woche mit einem entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion.

Vor zwei Jahren haben Untersuchungen in Berlin ergeben, dass die Mehrheit der öffentlichen Spielplätze vor allem den Bedürfnissen von Jungen entspricht. Dazu zählen etwa Bolzplätze und Tischtennisplatten. Mädchen dagegen nutzen gern Schaukeln und Rutschen oder suchen Rückzugsräume, wo sie in Ruhe spielen oder ratschen können.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das "Handbuch Gender Mainstreaming in der Stadtplanung und Stadtentwicklung" der Stadt Wien aus dem vergangenen Jahr. So werden dort die sogenannten Ballspielkäfige - Spielfelder, die von meterhohen Zäunen umgeben sind - "vorwiegend von offensiven, älteren Burschen genutzt". Mädchen oder jüngere Jungen hätten kaum eine Chance, dort zu spielen.

Volleyballfelder und Balancierbalken sollen Mädchen ansprechen

Das Wiener Handbuch sieht Empfehlungen vor, wonach es künftig auf Spielplätzen vermehrt Bereiche geben soll, "die verstärkt auch Mädchen ansprechen sollen", zum Beispiel Volleyballfelder, aber auch Balancierbalken und Wasserspiele. Wichtig sei es für viele Mädchen der Studie zufolge, dass die verschiedenen Spielmöglichkeiten in Sichtweite zu den hauptsächlichen Aufenthaltsorten von Mädchen liegen sollten.

Auch in München wird seit vielen Jahren auf die "unterschiedlichen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen in der Spielflächenplanung" geachtet, heißt es in einem Beschluss des Bauausschusses von 2009. "Schon seit vielen Jahren wird zwischen den Interessen von Mädchen und Jungen differenziert."

Zum Beispiel am Tassiloplatz bei den Welfenhöfen in der Oberen Au: Dort gibt es seit Langem einen eigenen Mädchenspielbereich, der natürlich auch für Jungen zugänglich ist. Die Bayerische Hausbau, die den Platz im Frühjahr um ein Drittel vergrößern und umgestalten wird, hat dem Bezirksausschuss Au-Haidhausen bereits zugesichert, dass der neu angelegte Spielplatz auch wieder einen Bereich mit dem Titel "Mädchenspiel" erhält, außerdem eigene Bereiche mit speziellen Angeboten für Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche.

Auch auf dem Abenteuerspielplatz an der Hanebergstraße in Gern wird auf die spezifischen Bedürfnisse von Jungen und Mädchen geachtet. Es gibt dort ein eigenes "Mädchenhaus", aber auch eine "Jungenhütte" sowie Aktionstage speziell für Mädchen und Jungen.

Man müsse die Mädchen und Jungen gezielt fragen

Trotzdem ist nach Ansicht der Gleichstellungsstelle im Münchner Rathaus das geschlechterspezifische Angebot auf öffentlichen Spielplätzen "noch ausbaufähig", wie Gabriele Nuß sagt. Allerdings bedürfe es dazu nicht noch einer weiteren Studie, sondern vielmehr einer "guten Dokumentation", wie es um die Spielplätze bestellt ist und wie sie von den Kindern und Jugendlichen genutzt werden.

Man müsse die Mädchen und Jungen gezielt fragen, was sie sich wünschen und was verbessert werden müsste. Denn bislang seien es "nur einzelne Plätze", die nach Gender-Gesichtspunkten gestaltet worden seien.

Die SPD will nun mit ihrem Antrag das für Spielplätze zuständige Baureferat "darauf hinführen", sich Wien in dieser Hinsicht als Vorbild zu nehmen. Dort werden mittlerweile offenbar alle neuen Spielplätze nach geschlechtsspezifischen Kriterien gebaut.

"Das Baureferat tut schon viel, es kann aber noch verfeinert werden", sagt Ulrike Boesser, SPD-Sprecherin für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Ihr ist wichtig, dass es um gerechtere Spielplatzgestaltungen für Mädchen und Jungen gehe. Kinder sollten natürlich auch weiterhin miteinander spielen - ohne Rücksicht aufs Geschlecht.