Spektakuläre Bauvorhaben Münchhattan

Es gibt nicht viele Hochhäuser in München - aber einige neue markante Gebäude, wie dieses Ensemble zwischen Thalkirchen und Solln.

(Foto: Angelika Bardehle)

Im Osten der Stadt werden mehrere Hochhäuser gebaut. Sie werden die Skyline verändern - und vielleicht auch das Lebensgefühl.

Von Alfred Dürr

Es ist beileibe nicht so, dass Hochhäuser in München nur so aus dem Boden schießen. Und für einen richtig mutigen Entwurf - etwa ein Gebäude mit deutlich mehr als 100 Metern Höhe - hat sich bislang kein Investor gefunden. Aber immerhin: Neue, markante Gebäude, wie etwa das Ensemble von Wohn-Hochhäusern im Neubaugebiet zwischen Mittersendling und Solln, bilden Akzente im Stadtbild.

Diese Entwicklung wird sich fortsetzen - vor allem der Münchner Osten bekommt eine auffallende Skyline. Nach teils langen Planungszeiten steht der Bau von zwei spektakulären Projekten bevor. Dass gleich ein ganzes Ensemble von hohen Büro- beziehungsweise Hoteltürmen realisiert wird, hat es in München bislang nicht gegeben.

Ende 2014 sollen die alten Gebäude abgerissen werden

An der Einmündung von Prinzregenten- und Einsteinstraße in die Autobahn in Richtung Riem entstehen die vier "Bavaria Towers". Mit dieser Marke will der Investor, die Münchner Bayern Projekt GmbH, nun um Immobilienkunden werben. Geschäftsführer Sven Renz stellte die Hochhäuser auf der Fachmesse Expo Real dem Publikum vor. Ende des Jahres sollen die alten, jetzt auf dieser Fläche stehenden höheren Gebäude abgerissen werden.

Das Areal wird nach einem Entwurf des spanischen Büros Nieto Sobejano Arquitectos und der Landschaftsarchitekten Keller Damm Roser neu gestaltet. Die Formen und Fassaden der Gebäude werden eine ganz eigene Qualität bilden, sagt Enrique Sobejano. Sein Büro wird auch den auffälligen Neubau für das Hotel Königshof am Stachus realisieren.

Die Türme am Vogelweideplatz haben Höhen zwischen 46 und 84 Metern. Eines der Hochhäuser ist bereits vergeben: Hier zieht auf 15 Stockwerken ein Ramada-Hotel mit 344 Zimmern ein. Es verstehe sich vor allem auch als "Gastgeber des Quartiers", sagt Iliane Dingel-Padberg vom Betreiber Hospitality Alliance AG. Das heißt, die Mieter der Büros können die Einrichtungen des Hotels mitnutzen.

"Viel Auswahl gibt es da nicht mehr"

Aus einem Gewerbe-Niemandsland rund um den Vogelweideplatz wird ein repräsentatives architektonisches Stadtportal. Dazu brauche es keine Manhattan-Anmutung, sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Mit einer Größenordnung zwischen 60 bis 80 Metern könne man gut bauen: "Da kann man ein Fenster öffnen und man hat einen Bezug nach außen." Als entscheidend wird das Zusammenspiel zwischen gut gestalteten Gebäuden und attraktiven Freiflächen mit Hügellandschaften, Gastronomie und Wasserflächen gesehen. 160 Bäume sollen gepflanzt werden.

Nach Ansicht des Immobilienberaters Peter Bigelmaier von Colliers International brauche der Münchner Büromarkt solche Angebote. Die Unternehmen suchten Standorte in guter Lage mit ausgezeichneter Architektur: "Viel Auswahl gibt es da nicht mehr."

Anstoß für eine Modernisierung des gesamten Gebiets

Unter stadtgestalterischen Gesichtspunkten sind die "Bavaria Towers" bedeutsam. Sie bilden ein ausdrucksstarkes Scharnier zwischen gewachsenen Vierteln wie Bogenhausen und Haidhausen sowie dem Gewerbeband entlang der Autobahn. Und sie könnten der Anstoß für eine Modernisierung des gesamten Gebiets sein. Eine Straßenbahn-Linie wird schon gebaut.

Ein buchstäblich großer Quartier-Auftritt, der sich aber in einem Punkt eher bescheiden gibt. "Wir haben die Sichtachsen respektiert", sagt Investor Sven Renz. Die Türme beeinträchtigten nicht die Perspektive aus der Innenstadt über die Prinzregentenstraße und den Friedensengel, und auch vom Hochhaus des Süddeutschen Verlags (SV) aus werde der Blick auf die Frauentürme nicht verstellt.

Streit in bester Lage

Die Bayerische Hausbau will das Areal zwischen Literaturhaus und dem Hotel Bayerischer Hof neu gestalten. Die Stadt soll dem Bauträger dabei sehr viele Freiheiten eingeräumt haben - dagegen klagt Hotelchefin Innegrit Volkhardt. Von Alfred Dürr und Christian Krügel mehr ...

In unmittelbarer Nachbarschaft des gut 100 Meter hohen SV-Turms, der im Herbst 2008 bezogen wurde, entsteht auf dem Areal des 1992 aufgelassenen Bahnbetriebswerks in Berg am Laim ein weiteres Hochhaus. Die Investoren CA Immo und Patrizia Immobilien AG realisieren hier das Quartier "Baumkirchen Mitte" mit 560 Wohnungen und etwa gleich vielen Arbeitsplätzen. Vor Kurzem wurde der Grundstein für den ersten Bauabschnitt gelegt. Nur etwa die Hälfte der Gesamtfläche wird bebaut, der andere Teil soll als Landschaftspark erhalten bleiben. Vor einem Jahr wurde der Wettbewerb für das 60 Meter hohe Büro- und Wohngebäude unmittelbar an der S-Bahn-Station Berg am Laim entschieden.

Gewonnen haben das Amsterdamer Büro UNStudio und die Landschaftsarchitekten ORelse, Breukelen. Das Team um den international bekannten Architekten Ben van Berkel realisiert einen "Hochpunkt", der als modernes Büro- und Wohngebäude Zugang und Wahrzeichen für das neue Gebiet sein soll. Als trendiger Büro- und Wohnort ist Berg am Laim in der Vergangenheit nicht recht ins Bewusstsein gerückt. Investoren und Architekten arbeiten daran, dass sich dies ändern könnte.