Sexueller Missbrauch Sechs Jahre Haft für Turntrainer

Felix S. hat drei Jungen dutzende Male missbraucht, nun ist der 29-Jährige verurteilt worden. Doch wann er ins Gefängnis kommt, ist völlig offen. Wegen krankhafter Pädophilie muss er sich zunächst in einer Psychiatrie therapieren lassen.

Von Christian Rost

Ein Turntrainer ist wegen des sexuellen Missbrauchs dreier Buben zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Die 20. Strafkammer am Landgericht München I ordnete am Dienstag zudem die Unterbringung des 29-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik an. Dort soll der Mann auch medikamentös behandelt werden, um künftige Missbrauchsfälle zu verhindern.

Felix S. hatte die drei Buben im Grundschulalter als Übungsleiter in einem Münchner Sportverein betreut und dabei über Jahre hinweg missbraucht. Das Gericht sprach ihn in 37 Fällen des sexuellen Missbrauchs, 24 Fällen des schweren Missbrauchs und einem Fall der Vergewaltigung schuldig. Die Taten hatte der Mann zum Prozessauftakt gestanden. Ein minderschwerer Missbrauchsfall in einem katholischen Kindergarten, in dem S. als Erzieher arbeitete, wurde fallen gelassen.

Die Staatsanwaltschaft hatte siebeneinhalb Jahre Haft für Felix S. gefordert. Er habe das Vertrauen der Kinder und der Eltern "auf das Mieseste missbraucht", so Anklägerin Claudia Corlazzoli. Bei den Familien sei er ein-und ausgegangen, habe sich beliebt gemacht und mithilfe seines angelesenen pädagogischen und psychologischen Wissens einen Keil zwischen die Eltern und ihre Kinder getrieben, um die Buben auf seine Seite zu ziehen. Mit Druck und Drohungen habe er die Kinder dann dazu gebracht, nichts von seinen Übergriffen zu erzählen.

Die Fälle kamen erst ans Licht, als ein zwischenzeitlich 15-jähriges Opfer Felix S. im Sportverein zufällig beobachtete, wie er sich auffällig für einen anderen Buben interessierte. Der Jugendliche erzählte seinen Eltern daraufhin von seinem eigenen Schicksal. Alle drei Betroffenen leiden schwer an den Folgen des Missbrauchs. Sie haben Alpträume, zeigen sich aggressiv und gehen immer wieder auf Distanz zu ihren Eltern, die teils selbst therapeutische Hilfe brauchen.

Opferanwalt Oliver Schreiber sagte, S. habe "Kindheiten brutal zerstört". Der Nebenklagevertreter kritisierte erneut die Verantwortlichen der Schule, die Felix S. einst besucht hatte. In dem Münchner Gymnasium habe es "unmissverständliche Hinweise auf eine Fehlentwicklung" bei dem damals 19-jährigen Angeklagten gegeben. Er soll einen jüngeren Mitschüler missbraucht und mit einem Messer bedroht haben.

Die damalige Schulleiterin und eine Lehrerin konnten sich vor Gericht an den Vorfall angeblich nicht mehr erinnern. "Das sind Erinnerungslücken, die man nicht glauben mag", so Schreiber, sie seien nur erklärbar vor dem Hintergrund "des eigenen Versagens".

Wann er ins Gefängnis kommt, ist völlig offen

Die Verteidigung hatte fünf Jahre Haft für S. gefordert. Wann er ins Gefängnis kommt, ist völlig offen. Nach dem Urteil muss sich der Mann zunächst in einer Psychiatrie therapieren lassen. Laut einem Sachverständigen ist er krankhaft pädophil und konnte deshalb auch das Unrecht seiner Taten nicht ermessen. Der Angeklagte meinte dennoch in seinem letzten Wort: "Ich hätte es verhindern müssen."

Der Vorsitzende Richter Stephan Kirchinger sagte, S. werde erst aus der geschlossenen Einrichtung in eine Haftanstalt verlegt, wenn eine Sexualtherapie erfolgreich verlaufen sei. Das könne für S. im ungünstigen Fall auch eine lebenslange Freiheitsstrafe bedeuten.

Um sicherzustellen, dass sich der als weiter hochgefährlich eingestufte S. in Zukunft nicht wieder an Kindern vergreift, ist nach den Worten des Richters eine medikamentöse Behandlung zur Dämpfung des Sexualtriebs nötig. "Er ist so veranlagt, dafür kann er nichts", so Kirchinger: "Er ist gezeichnet."