Schrumpfender Gewinn Stadtsparkasse: Kommt der Strafzins für Privatkunden?

Keine Bank in München hat so viele Filialen wie die Stadtsparkasse, derzeit sind es noch 77 - hier eine in Moosach.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Stadtsparkasse München fällt es immer schwerer, Gewinn zu machen - auch, weil sie Strafzinsen an die Europäische Zentralbank zahlen muss.
  • Daher schließt sie nicht mehr aus, von Privatkunden Gebühren für ihre Guthaben zu verlangen.
  • Geschäftskunden, die mehr als 250 000 Euro auf dem Konto haben, müssen schon von April an zahlen.
Von Pia Ratzesberger

Es gab Zeiten, da sollen sich Banker noch gefreut haben, wenn Kunden viel Geld zu ihnen brachten, heute aber fürchten sie die hohen Summen eher. Die Stadtsparkasse München hat im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro Strafzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB) gezahlt, an manche ihrer Geschäftskunden wird sie diese Negativzinsen von April an weitergeben - und es ist nicht mehr auszuschließen, dass auch Privatkunden werden zahlen müssen, wenn sie ihr Geld der Stadtsparkasse überlassen.

"Sobald der erste große Marktteilnehmer Negativzinsen für Privatkunden erhebt, werden auch wir gezwungen sein, nachzuziehen", sagt Vorstandsvorsitzender Ralf Fleischer. Sonst würden womöglich Kunden von Banken, die Strafzinsen verlangen, ihr Geld zur Stadtsparkasse bringen, die für die Lagerung dieses Geldes wiederum bezahlen müsste.

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Wie solch ein "Verwahrentgelt" ausgestaltet wäre, könne man derzeit nicht sagen. Es sei aber stark anzunehmen, dass es genau wie für die Geschäftskunden auch für Privatkunden Freibeträge geben und damit nur "sehr vermögende Kunden betreffen würde", sagt ein Sprecher der Stadtsparkasse. Die Bank hält momentan 14,5 Milliarden Euro Einlagen, wenn das Zinsniveau weiterhin so niedrig bleibe, sei damit vom Jahr 2018 an nichts mehr zu verdienen.

Das Problem ist, dass die Europäische Zentralbank mittlerweile Strafzinsen verlangt, wenn Banken über Nacht überschüssiges Geld bei ihr deponieren. Der sogenannte Referenzzinssatz liegt bei 0,4 Prozent. So viel verlangt die Stadtsparkasse München von April an auch von den Geschäftskunden, die mehr als 250 000 Euro auf dem Konto haben. Von Privatkunden fordert bisher noch kaum eine deutsche Bank Strafzinsen, bis auf eine Raiffeisenbank am Tegernsee.

Der Präsident des Sparkassenverbandes, Georg Fahrenschon, hatte aber im vergangenen Jahr schon angekündigt, dass dies kommen könnte. Auch Sparkassen seien nun einmal Unternehmen, die sich nicht dauerhaft betriebswirtschaftlichen Zwängen entziehen könnten. Darauf verweist auch die Stadtsparkasse München, sie müsse profitabel bleiben. Schon 2015 ging der Gewinn der Bank wegen der niedrigen Zinsen zurück, gleiches ist für das Jahr 2016 zu erwarten.

Das klassische Modell funktioniert nicht mehr

Einen Großteil des Gewinns braucht die Bank, um Eigenkapital aufzubauen und die strenger gewordenen gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Waren im Jahr 2008 noch 800 Millionen Eigenkapital nötig, werden es 2019 bereits 1,7 Milliarden sein. Etwa zehn Prozent des Gewinns schüttet die Sparkasse an die Landeshauptstadt München aus, die dieses Geld nur für gemeinnützige Projekte verwenden darf, zum Beispiel für die öffentlichen Kindergärten.

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Eigentlich sind die Zinsen das klassische Geschäft einer Bank: Für geliehenes Geld zahlt sie einen Zins, für verliehenes Geld verlangt sie einen Zins, die Differenz ist ihr Gewinn. Doch dieses bewährte Modell funktioniert nicht mehr, im vergangenen Jahr hat die Stadtsparkasse weniger mit ihren Zinsen eingenommen als an Personal- und Sachkosten angefallen sind.

Es könnte auch weniger Filialen geben

Während andere Häuser wie zum Beispiel die Commerzbank Tausende Stellen streichen, plant die Stadtsparkasse keinen solchen Abbau, frei werdende Stellen würden allerdings erst einmal nicht mehr nachbesetzt. Zudem werde das Filialkonzept in einem halben Jahr bis Jahr noch einmal genauer geprüft. Keine Bank in München führt so viele Filialen wie die Stadtsparkasse, derzeit sind es 77. Bisher hat das Unternehmen immer an dieser hohen Zahl festgehalten, nun scheint aber auch das nicht mehr sicher.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich für Kunden manches verändert, im Juli hatte die Bank ein neues Gebührenmodell für ihre Girokonten eingeführt; besonders die günstigste Variante stieß auf Kritik, weil jede zusätzliche Buchung kostet. Sozialhilfeempfängern und Geringverdienern bot die Bank daraufhin ein Konto mit allen Leistungen für 4,95 Euro an. Der anfängliche Ärger um das neue Modell scheint neue Kunden allerdings ohnehin nicht abgeschreckt zu haben: Verzeichnete die Stadtsparkasse im Jahr 2015 etwa 12 000 neue Konten, waren es im vergangenen Jahr auch noch 10 700.

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