Scho schee Generation Goodie-Bag

Screenshot: SZ

Zu einem guten Mode-Blog gehört viel mehr als eine fortgeschrittene Kaufsucht

Von Valerie Präkelt

Ich bekenne mich schuldig: Ich lese und liebe Mode-Blogs. Täglich durchforste ich das Internet nach neuen Looks aus London, Berlin oder New York. Obwohl ich vor fünf Jahren von Hamburg nach München gezogen bin, konnte sich kaum ein Münchner Blogger langfristig in meiner Leseliste halten. Ich habe mich Mode-Bloggern oft verbunden gefühlt, denn auch ich habe ein Konsumproblem, das von der Masse her sicherlich einen Blog bespielen könnte. Zu einem guten Blog gehört aber viel mehr als eine fortgeschrittene Kaufsucht - das sehen viele Münchner Mode-Blogger wohl anders.

Ich treibe mich regelmäßig auf dem ein oder anderen Münchner Event rum und bekomme immer wieder das Gefühl, dass Modeblogger sich hier lediglich von Goodie-Bag zu Goodie-Bag hangeln. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wie das Blogazine "Amazed". Ansonsten übt sich die Münchner Bloggerszene vorwiegend im Akt kreativer Selbstdemontage. Eines der neuesten Beispiele dafür ist die Selfie-Soap "Mjunik". Dafür filmen sich fünf "Social Media Influencer" jeden Tag selbst. Auch ich begutachte nun also, was die Bloggerinnen Luísa Lión, Lina Kottutz, Roxana Strasser, Filiz Günther und eine Sophia, die ihren Nachnamen nicht verrät, so alles erleben. Die Höhepunkte einer Sendung fasst RTL II You so zusammen: "Filiz zeigt bei einem Fotoshooting, was sie kann, während Sophia beim Friseur einen neuen Look verpasst bekommt. In Australien geht Luisa samt Freund auf ein Hipster-Wohnzimmer-Konzert. Roxi legt einen Cheatday ein und gönnt sich eine Tafel Schokolade."

Spannender wird es nicht. Während "Mjunik" nun also Tag für Tag den Ausverkauf im digitalen Zeitalter vorantreibt, wünsche ich mir mehr anspruchsvolle Blogger in München. Traut euch! Sonst muss ich es selbst tun. Und das will wirklich keiner sehen.