Schluss für eine Münchner Institution Backstage sucht neue Heimat

Eine Münchner Institution für Musikjunkies muss schließen. Wo und wie es für das Backstage weitergehen soll, ist noch nicht sicher, aber Veranstalter Hans Georg Stocker hat schon einen Plan. Unterstützt wird er von einem ungewöhnlichen Bündnis.

Von Sonja Niesmann

Unerbittlich tickt die Uhr. Noch knapp sechs Monate, dann muss das "Backstage", das weit über Münchens Stadtgrenzen hinaus beliebte Veranstaltungszentrum an der Friedenheimer Brücke, sein "Werk" abreißen. In der kleineren Halle und im Club gehen Ende 2014 die Lichter aus. Mehr als die Hälfte des Geländes muss - so lauten die Verträge - zurückgegeben werden an die Grundstücksbesitzerin, die Aurelis Real Estate.

Auf den restlichen 2700 Quadratmetern Grund, die ihm gehören, könnte Betreiber Hans Georg Stocker ein neues Backstage bauen. Aber kann ein Kulturzentrum mit rund 600 Konzerten im Jahr und 200, 300 zusätzlichen Veranstaltungen, von politischen Diskussionen über Abiturbälle bis zum Seniorentag, tatsächlich einen scheibchenweisen Umzug bei laufendem Veranstaltungsbetrieb stemmen? Zumal das "Werk", die Haupteinnahmequelle, für zwei, drei Jahre ausfiele?

Die rettende Insel liegt nur ein paar Schritte entfernt: das sogenannte Deutschmanngelände, das stadteinwärts direkt angrenzt an Stockers Grund. Die Stadt hat dieses Grundstück als Standort für ein Citylogistikzentrum (CLZ) ausgesucht - neben Riem der zweite Standort am Rande der City, an dem mit großen Lastern gebrachte Güter gebündelt und mit möglichst schadstoffarmen Klein-Lkw weiter in die Innenstadt transportiert werden sollen.

Logistik oder Party?

Der Stadtratsbeschluss dazu ist mittlerweile schon einige Jahre alt, bisher hat sich jedoch kein Investor gefunden. Am heutigen Mittwoch steht eine neue Ausschreibung auf der Tagesordnung des Planungsausschusses.

In den vergangenen Monaten ist derweil - Not macht erfinderisch - ein Bündnis an der Friedenheimer Brücke geschmiedet worden. Auch die Post, Nachbarin des Backstage, muss nämlich ihr Paketzustellungszentrum bis spätestens 2015 für Wohnungsbau räumen. Könnte also nicht der Projektentwickler Aurelis, der schon mehrere DHL-Hallen in Deutschland gebaut hat und derzeit auch in Freiham ein altes Bahnausbesserungswerk für die Post umbaut, auf dem Deutschmanngelände ein neues DHL-Zentrum errichten - schließlich ist das auch Logistik?

Und daneben wäre noch Platz für ein neues, attraktiveres Backstage, angelegt auf nicht mehr Besucher als jetzt, aber deutlich leiser, weil die Konzertbühnen im Untergrund verschwinden würden. "Das wäre absolut super", sagt Stocker geradezu euphorisch. "Wir sind die richtigen Partner, das Backstage und wir und die Aurelis als Projektant", bekräftigt Jürgen Roth, Immobilienbeauftragter der Post in München.

Die Initiative "Backstage erhalten", gegründet von der Jungen Union und den Jusos in Neuhausen, hatte schon mit einem maßgeschneiderten Antrag in der Neuhauser Bürgerversammlung Ende 2012 versucht, die Weichen in diese Richtung zu stellen: Die Stadt solle ihre Ausschreibung für das Deutschmanngelände revidieren und dem Backstage einen kleinen Teil des Areals verkaufen, forderte Sprecher Leo Agerer.