Regattastrecke von 1972 Teures Olympia-Erbe

42 Jahre ist die Anlage alt - vorzeigbar ist sie in vielen Bereichen schon lange nicht mehr.

(Foto: Claus Schunk)

Die Sanierung der Ruder-Regattastrecke von Oberschleißheim wird wohl 40 Millionen Euro kosten. Das will die Stadt nicht alleine zahlen - und hofft auf finanzielle Hilfe von Bund und Freistaat.

Von Sebastian Winter

Bei der Sanierung der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim kommen auf die Stadt München enorme Kosten zu. "Wir rechnen mit einer Zahl in Höhe von rund 40 Millionen Euro", sagte Sportamtsleiter Thomas Urban der Süddeutschen Zeitung. "Das ist eine Circa-Zahl, ein Richtwert, ob es dann 42 oder 35 Millionen Euro werden, wird man sehen."

Urban hat mit Sportverbänden und -vereinen ein Sanierungskonzept erarbeitet, das die Stadt 2011 in Auftrag gegeben hatte. Im November soll es dem Stadtrat zu einem ersten Grundsatzbeschluss vorgelegt werden. Ursprünglich sollte dies bereits im Juli geschehen, dies verzögerte sich aber wegen der langwierigen Koalitionssuche im Rathaus und vor allem, weil die voraussichtlichen Kosten für die energetische Sanierung der Anlage erst seit diesem Mittwoch feststehen.

Zehn Bade-Tipps rund um München

mehr...

Zwar hat sich der Stadtrat alle Optionen offengehalten, zumindest Sportamt und Verbände sind sich aber grundsätzlich einig, dass die Anlage erhalten bleiben soll. Allerdings fordert die Stadt, das Areal besser zu nutzen. Und sie will die Sanierung nicht alleine bezahlen. Die Finanzierung des Großprojekts ist noch völlig offen. Urban wünscht sich eine Drittel-Finanzierung durch den Bund, den Freistaat und die Stadt, die alleinige Eigentümerin der mehr als 30 Hektar großen Anlage ist. Am Unterhalt der für die Sommerspiele 1972 gebauten Regattastrecke hatten sich das Land und der Bund jahrelang beteiligt, bis sie im Jahr 1993 respektive 2011 ausstiegen. Für den jährlichen Unterhalt, zwischen 400 000 und 450 000 Euro, kommt die Stadt seither alleine auf. Es gebe aber Signale von Freistaat und Bund, für einen Umbau mitzuzahlen, sagt Urban.

Die 42 Jahre alte Anlage ist marode, die Sanierung aufwendig. So soll die mächtige Tribüne, die knapp 11 000 Zuschauern Platz bietet, zur Hälfte abgerissen werden. Das Schullandheim nebenan müsste ebenfalls weichen, wie auch die Unterkunftsgebäude und die Zweifach-Turnhalle, die durch Neubauten ersetzt werden sollen. Der Zielturm soll renoviert werden. "Das wird eine komplett barrierefreie Anlage", verspricht Urban, der zu den Einzelkosten nur so viel sagt: "Der größte Posten ist die energetische Sanierung. Aber entweder sanieren wir die Anlage ganz oder gar nicht."

Die Spiele als Zeitmaschine

Der Zuschlag für die Olympischen Spiele 1972 lässt das Geld sprudeln, München katapultiert sich mit einem Masterplan in die Zukunft. Fußgängerzone, Trabantenstädte und Verkehrsnetz werden in Rekordzeit verwirklicht. Doch der Fortschritt hat auch seinen Preis - und der muss auch nach 40 Jahren noch bezahlt werden. Alfred Dürr mehr ...

Vorzeigbar ist die Olympia-Regattastrecke in vielen Bereichen schon lange nicht mehr. "Die Sanitäranlagen sind veraltet, teilweise regnet es in Funktionsräume hinein, die Küche ist auf dem Stand von 1972, und die Doppelzimmer haben zum Teil nicht einmal eine Nasszelle", sagt Thomas Stamm, der Präsident des Bayerischen Ruderverbandes. Zugleich ist die Anlage sehr gefragt, Urban spricht gar von der "nach wie vor am besten ausgelasteten Regattastrecke der Welt". Erst am vergangenen Wochenende nahmen dort mehr als 2000 Ruderer aus 33 Ländern an der Euro-Masters-Regatta teil, einer Breitensport-Veranstaltung, am Wochenende zuvor wurden die bayerischen Meister ermittelt.

Ideen für die künftige Nutzung gab es viele: ein Surfcenter, Wasserski, Campingplätze, Hotels. Doch alle wurden wieder verworfen. Nun soll die Anlage ein Sportzentrum bleiben. Sie hat jährlich immerhin 15 000 Übernachtungsgäste, darunter viele Kaderathleten. Das Problem ist, dass sie keine Zuschüsse im Rahmen der Sportförderung bekommt - denn sie ist kein offizieller Stützpunkt. Auch in diesem Punkt finden derzeit viele Gespräche statt.

Im Herbst wird sich der Sportausschuss das Gelände im Rahmen einer Infofahrt ansehen. Urban, der Ende August aus dem Amt scheidet, ist optimistisch, die Stadträte von dem Konzept überzeugen zu können. Er sieht es als alternativlos an. Und er hat auch schon konkrete Vorstellungen für den ersten Spatenstich: 2017/18 soll die Sanierung beginnen.