Prozess um versuchte Erpressung Der Erpresser gibt sich fürsorglich

Dann wird vor Gericht der Erpresserbrief vorgelesen. "Mister X" gibt zunächst Tipps für den Haftaufenthalt. "Sie werden sehr oft allein sein", schreibt er etwa. Der Erpresser erklärt Hoeneß, dass dieser sich eine Arbeit suchen solle, wie viel er verdienen werde und was er sich dafür im Gefängnis kaufen könne.

Er erklärt, wie Besuche genehmigt werden und man an einen Fernseher kommt. Er nennt sogar die richtigen Ansprechpartner. Und er erklärt, wie Hoeneß Geld in den Knast schmuggeln könnte ("ein wenig Schwarzgeld in den Hintern stecken"). Erst dann folgen die Drohung und die Forderung nach Geld. Er sei kriminell, aber fair. "Ich wünsche Ihnen und mir alles Gute" - heißt es am Ende.

Seit der versuchten Erpressung wird Hoeneß abgeschirmt

Hoeneß wird seit seinem Haftantritt am 2. Juni in Landsberg von anderen Gefangenen weitgehend abgeschirmt - nach der versuchten Erpressung soll er geschützt werden. Auch wenn ein Polizist vor Gericht erklärt: Es gebe keine Hinweise auf Mittäter oder darauf, dass Thomas S. wirklich Kontakt ins Gefängnis hat.

Der Richter will wissen, was das "wir" im Brief bedeutet. "Sonst hätte er mich noch weniger ernst genommen", sagt Thomas S. Und was meinte er mit "kein Zuckerschlecken"? Auch dass Hoeneß zusammengeschlagen werde. Der Angeklagte verneint. Eher dass er weniger Freigänge bekommen werde. Die Neugierde habe ihn schließlich zu dem Mülleimer getrieben, wo Hoeneß das Geld abliefern sollte: "Ich war konsterniert, dass da wirklich eine Tüte lag", sagt er. Der Angeklagte drückt sich sehr gewählt aus.

Hoeneß soll in den Landkreis Starnberg verlegt werden

Bei der Geldübergabe wurde der mutmaßliche Erpresser schließlich gefasst - die Polizei schnappte ihn auf dem Rad. Thomas S. wurde verletzt, er erzählt von Schürfwunden und von einer gebrochenen Schulter. Er habe noch in derselben Nacht ein Geständnis abgelegt und sich später bei der Familie von Hoeneß per Brief entschuldigt. Eine Antwort habe er nie bekommen. "Wir haben die Entschuldigung zur Kenntnis genommen", heißt es in einer Aussage des Ex-Bayernbosses, die später verlesen wird. "Aber das für mich ist das kein Kavaliersdelikt."

"Der Runde muss ins Eckige"

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Hoeneß sitzt derzeit noch in Landsberg ein. Im Januar soll er nach SZ-Informationen in die Freigängereinrichtung Rothenfeld im Landkreis Starnberg verlegt werden. Er kann dann tagsüber in der Jugendabteilung des FC Bayern arbeiten, was sein ausdrücklicher Wunsch ist.

Thomas S. drohen nun fünf Jahre Haft. Es wäre nicht der erste Gefängnisaufenthalt für ihn. Der 51-Jährige hat bereits elf Eintragungen im Bundeszentralregister - unter anderem wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, Unterschlagung, Raub, Betrug und immer wieder wegen Fahrens ohne Führerschein. Das Urteil im Fall der Hoeneß-Erpressung könnte bereits am Dienstag fallen.

Mehr zu dem Fall und zu Uli Hoeneß lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 15. Dezember oder in der digitalen Ausgabe auf dem Smartphone oder Tablet.