Polizei-Tweet "Die Zugspitze hat mittlerweile den Odeonsplatz erreicht"

Die Polizei ruft am Rand der Anti-Siko-Demonstration mit einem Tweet Belustigung im Internet hervor.

Von Martin Bernstein

"Oh Gott, was wird jetzt aus Garmisch?" fragte ein besorgter Twitter-Nutzer am Samstagnachmittag. "Moment", schlussfolgerte ein anderer, nicht minder beunruhigt: "Damit steht Österreich jetzt schon in München." Dann freilich trafen die ersten widersprechenden Meldungen auf dem Kurznachrichtendienst ein: Nein, in Garmisch sei alles wie gehabt, neben dem Hausberg sei auch die Zugspitze noch an Ort und Stelle. Was war passiert?

Nun, das Social-Media-Team der Münchner Polizei hatte es mit einem Tweet geschafft, buchstäblich Berge zu versetzen - und dafür unbeabsichtigt jede Menge "Gefällt mir"-Herzchen eingesammelt.

Damit hatten die multimedialen Beamten via Twitter sagen wollen, dass die Spitze des Demonstrationszugs gegen die Sicherheitskonferenz die Hälfte der geplante Wegstrecke geschafft hatte. Im Netz erzeugte das virales Schmunzeln.

Dabei war dem Team zunächst gar nicht nach Schmunzeln zumute gewesen. Der Demo-Tag auf Twitter begann für sie nämlich mit Stress. Eine Gruppe afghanischer Hazara, einer wegen ihres schiitischen Glaubens und ihrer mongolischen Herkunft unterdrückten Minderheit, hatte nämlich am Mittag den halb-offiziellen Hashtag zur Sicherheitskonferenz #MSC2017 "gegrillt" - das heißt, mit eigenen Botschaften überfrachtet. Vermutlich nicht, um ihn lahmzulegen: Die Aktivisten wollten auf die Situation ihres Volkes aufmerksam machen.

Die Polizei musste sich nun schnell überlegen, unter welchem Hashtag sie ihre eigenen Botschaften absetzen wollte. Mit #siko17 und #siko2017 wurden schnell zwei Alternativen geschaffen. Offenbar mit Erfolg: Am Sonntag konnte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins vermelden, dass sein Team allein am Freitag und Samstag rund 830.000 Interaktionen in den sozialen Netzwerken bekommen hatte. Und das, obwohl die Zugspitze immer noch an ihrem gewohnten Platz im Werdenfelser Land steht...

Es ist nicht das erste Mal, dass die Twitter-Aktivitäten der Münchner Polizei zur Belustigung unter Internetusern geführt haben: Vor einem Monat hatte sie den Tweet "Bitte bei der nächsten Polizeidienststelle melden" geschrieben. Wie sich herausstellte, hatten die Beamten bei einer Direktantwort, die an einen einzelnen Twitter-User gehen sollte, vergessen, das @-Zeichen zu verwenden - aus dem privaten Tweet wurde so ein weltweiter.

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