Polizei Brief mit weißem Pulver im Münchner Justizpalast aufgetaucht

Feuerwehrleute in speziellen Schutzanzügen am Justizgebäude in Coburg.

(Foto: Frank Wunderatsch)

Die Polizei ermittelt nun, wer hinter der ominösen Post steckt, die Gerichte in ganz Deutschland erhalten haben.

Von Martin Bernstein

Ein verdächtig aussehendes weißes Pulver, das landauf, landab in zahlreichen Justizbehörden aus Briefumschlägen rieselt, hält die Polizei auf Trab. Auch in München und Wolfratshausen ist die Substanz jetzt aufgetaucht. Aus Wolfratshausen kam bereits am Mittwochnachmittag Entwarnung: Dort war es Puderzucker. Noch ist unklar, ob das auch für das weiße Pulver zutrifft, das am Dienstagvormittag in einem Brief im Justizpalast in München gefunden wurde.

Fest steht, dass die Substanz weder giftig noch radioaktiv oder explosionsgefährlich war. Deshalb sei das Gebäude nicht geräumt worden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend. Außer der Polizei waren vorsichtshalber Feuerwehr und Sanitäter in die Prielmayerstraße beordert worden. Der Brief wurde sichergestellt, nachdem Experten und ein Sprengstoffhund der Polizei ihn untersucht hatten. Die Substanz wird derzeit im Landeskriminalamt in München analysiert.

Der in Wolfratshausen sichergestellte Brief trug den Poststempel "Therme Bayreuth". Auch in der Poststelle des Gerichts im nordbayerischen Coburg tauchte am Mittwoch ein verdächtiger Brief auf. Dort räumte die Polizei das Justizgebäude. Ähnliche Fälle gab es in Ostdeutschland. In Eisleben konnte die Substanz bereits als Puderzucker identifiziert werden. Beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe war ebenfalls ein derartiger Brief aufgetaucht. Und auch dort gab es am Mittwoch Entwarnung: Wie ein Sprecher des Innenministeriums von Baden-Württemberg sagte, ergab eine erste Untersuchung, dass es sich auch dort wohl um Puderzucker handelte.

Die Polizeibehörden der betroffenen Städte stehen in engem Kontakt, das Bundeskriminalamt äußerte sich am Mittwoch aber noch nicht zu einem möglichen Zusammenhang. Ermittlungen laufen aber bereits wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten.

Eine ähnliche Serie hatte es nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gegeben. Auch damals waren vielerorts vermeintliche Terror-Briefe aufgetaucht. Zwei Männer aus München und Frankfurt hatten aus Frust über ihre Arbeitslosigkeit mehr als 100 Briefe, die angeblich den Milzbrand-Erreger enthielten, an Polizisten und Politiker verschickt, auch an den damaligen Münchner Polizeipräsidenten. Einer der Trittbrettfahrer wurde später zu 21 Monaten Haft verurteilt