Die Pinakothek der Moderne muss geschlossen werden und das ausgerechnet zur Langen Nacht der Museen. Das Mauerwerk des 121 Millionen Euro-Baus steht offenbar unter enormer Spannung - und muss nun dringend untersucht werden.
Am Dienstag schon blieben die gläsernen Türen der Pinakothek der Moderne geschlossen. Und auch diesen Mittwoch kann man nicht die "Plant Drawings" von Ellworth Kelly zu sehen. Die Ausstellung ist erst vergangenen Donnerstag eröffnet worden. Sicher hätten die Zeichnungen und Lithografien des Amerikaners wieder massenhaft Besucher angezogen bei der Langen Nacht der Museen - 15.000 Menschen zählte man im vergangenen Jahr bei dem Event. Die Pinakothek aber wird auch Samstagabend nicht geöffnet werden. Der Grund sind Mauerrisse - der längste 17 Meter lang - in der Rotunde und die nun dringend untersucht werden müssen.
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Die Pinakothek der Moderne wurde erst 2002 eröffnet, der Bau hat 121 Millionen Euro gekostet. (© Rumpf)
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Dafür wird die 21 Meter hohe Rotunde, die vom Keller bis in den zweiten Stock reicht, komplett eingerüstet. Um das Gerüst aufzubauen, kann das Museum am Dienstag und Mittwoch nicht besucht werden. Und damit das Kunstvölkchen am Samstag nicht gefährdet ist, haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlung das Haus kurzer Hand aus dem Programm genommen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie es heißt. Risse in der Mauer der Rotunde wurden bereits 2007 gefunden. Da die Gutachter keinen Grund für den Schaden ausmachen konnten, hat man sie wie Falten in einem Foto weg retuschiert, also optisch repariert.
Seit einigen Monaten nun, ziehen sich wieder deutlich sichtbare Risse an der äußeren Mauer entlang. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass sich sogar die Verankerungen gelöst haben, die die innere Stahlwand mit der äußeren elf Zentimeter starken Ziegelmauer verbindet. Über die Ursachen rätseln mittlerweile vier Gutachter. Man beobachte seit Jahren, dass der Beton schwinde, sagt Kurt Bachmann, als Leiter des Bauamtes München I für den Museumsbau zuständig. Offensichtlich haben sich die beiden Mauern unterschiedlich bewegt, meint Bachmann. Die Standsicherheit aber sei nicht gefährdet. Die Risse seien eher ein optischer Mangel.
Dass nun ausgerechnet wenige Tage vor dem publikumswirksamen Großereignis das Gerüst in der Pinakothek installiert wird, geht auf eine neuere Untersuchung zurück. Um endoskopisch den Raum zwischen den Zwischenraum zu inspizieren, wurde am Freitag vor einer Woche die Außenschicht angebohrt. Dabei haben sich unerwartet Risse an anderer Stelle bewegt. Ein Zeichen, dass das Mauerwerk unter enormer Spannung steht. "Die Pinakothek der Moderne ist ein extrem gebautes Gebäude", sagt Bachmann.
Nach den Vorstellungen ihres Architekten Stephan Braunfels sieht die Rotunde aus, wie aus einem Stück gegossen. Die Mauern sollten möglichst bündig sein, obwohl die Rotunde teilweise auf den einzelnen Geschossen aufsitzt. Die sonst durchaus üblichen Dehnungsfugen wurden geschlossen. Wie lange die Sanierungsarbeiten dauern werden und wie hoch die Kosten sein könnten, ist völlig offen.
Denkbar wäre als schnelle, aber radikale Maßnahme, so Bachmann, die äußere Ziegelmauer abzubrechen und neu aufzubauen. Eine laute und vor allem staubige Angelegenheit. Die Kunst müsste dazu in Sicherheit gebracht und die Pinakothek eine Weile geschlossen werden. Wenn man bedenkt, dass allein an Wochentagen 1000 Besucher in das Haus kommen, wäre allein der Verlust des Eintrittsgeldes groß, abgesehen von dem Imageschaden.
Der 121 Millionen Euro teure Bau, wovon zehn Prozent private Spender finanzierten, ist wurde erst im April 2002 eröffnet. Für den zehnten Geburtstag im Frühjahr sind schon Feierlichkeiten geplant, die nächsten Ausstellungen ebenso. Im Bauamt stellt man sich nun die Frage, ob noch jemand haftbar gemacht werden kann. Mögliche Gewährleistungsansprüche dürften aber verjährt sein. Mankönne wohl zu niemanden sagen: Das hättet ihr damals wissen können, sagt Bachmann, wenn selbst die Gutachter über die Ursachen der Risse grübeln.
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(SZ vom 12.10.2011)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Die neueste Antwort
"Man könne wohl zu niemanden sagen: Das hättet ihr damals wissen können, sagt..." So der Vertreter der staalichen Baubehörden.
Nun: Wer bereit ist, ein Jahrzehnt zurückzudenken, erinnert sich an den schäbigen Krieg, den Ministerium und Baubehörd des Freistaats seinerzeit mit dem (politisch) ungeliebten Herrn Braunfels geführt haben.
War es nicht so, dass die Baubehörde in Anspruch nahm, alles besser und billiger zu können als der Architekt, und diesem deshalb wesentliche Kompetenzen entzog?
Den zitierten Satz interpretiere ich deshalb so, dass das staaliche Bauamt begründet fürchtet, mit Vorwürfen und mit seiner Verantwortung konfrontiert zu werden. Andernfalls wäre man wohl sehr angetan von der Aussicht, Herrn Braunfels am Zeug flicken zu können.
Schon um der Wissenschaft und der "anerkannten Regeln der Technik" willen müssen die Ursachen gefunden werden. Wozu eigentlich "Gutachter", wenn kein Prozess angestrebt wird? Wäre es nicht Amtspflicht der beamteten einschlägigen Lehrstuhlinhaber einer Premiumhochschule im Rahmen ihre Fachbereichs die Ursachen zu erforschen? Oder ist die professorale Elite da überfordert?
Nun muss ich aber der guten alten Tante SZ etwas am Zeug flicken. "Um das Gerüst aufzubauen, kann das Museum am Dienstag und Mittwoch nicht besucht werden." Dass dieser Satz ausgerechnet einem mit Kunst & Kultur befassten Redakteur aus der Tastatur fließt, ist schlechthin schrecklich.
Und wenn ein mit Bautechnik befassten Journalist schreibt: "... aus den Verankerungen gelöst haben, die die innere Stahlwand mit der äußeren elf Zentimeter starken Ziegelmauer verbindet ..." ist nicht weniger unerfreulich. Ich kritisiere nicht den falschen Singular (der ist eher eine lässliche Sünde, der Eile geschuldet), sondern, dass der Autor sich keine Vorstellung macht oder machen kann von dem, was er beschreibt. Es ist nämlich die Verblendung, die mit der Tragmauer verbunden ist, und nicht umgekehrt das Tragwerk mit der Verblenung. Das ist fundamental und muss sich auch in der Sprache spiegeln.
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