Pimpernel Küss die Hand!

Das Pimpernel hat bewegte Zeiten hinter sich: Freddy Mercury feierte hier zwischen Transvestiten, Strichern und Lederkerlen. Jetzt hat die Club-Szene den exzentrischen Laden entdeckt.

Von Julia Teichmann

Ein Club mit einem Namen, der schlimmer ist als "Pipifax" (gab es wirklich mal, auf der Leopoldstraße), scheint fast unmöglich. Und doch gibt es ihn: Das "Pimpernel" auf der Müllerstraße. "Ihr sollt doch vor meinem Namen keine Ruhe haben, bis dass ihr euch bessert oder zugrunde geht", heißt es drohend auf der Homepage.

Das raunende Motto wird den durchaus berüchtigten Phasen in der bewegten Geschichte des Clubs gerecht: Schon Anfang der dreißiger Jahre war der Ort ein Etablissement, später Prostituiertentreff, dann Schwulenbar, auch mal als überteuerter Strichertreff verschrien. Bis in die Morgenstunden geöffnet und zu düsteren Sperrstundenzeiten allein schon deshalb legendär.

Hohe Preise, exzentrische Gäste: Walter Sedlmayr traf seine Mörder im Pimpernel, Freddy Mercury stieg dort ab, Transvestiten, Stricher und Lederkerle feierten bis in den Sonnenaufgang. Und ab und zu, in der After-Hour, mischten sich auch Heteros unters Publikum. Menschen, die im Nachtleben arbeiten oder solche, die nie genug kriegen.

Nie genug kriegen geht immer noch gut im Pimpernel. Auch und besonders, seit Sven Künast, ehedem Mitbetreiber der "Roten Sonne", den Laden übernommen hat. Die dunkle Holzverkleidung, die bisher neugierige Blicke von außen abwehrte, hat Künast entfernt. Durch das große Schaufenster sieht man gleich, was einen erwartet: DJ-Pult und Tanzfläche, jetzt für alle sichtbar.

Klingeln muss man aber immer noch, auf dass sich die Pforte auftut - das verlängert den anrüchig-exklusiven Charme. Drinnen aber - Überraschung! - ist der Eintritt entweder frei oder mit wenigen Euro zu verschmerzen. Die Exklusivität hält sich inzwischen in Grenzen. Nur wer sehr betrunken ist, dürfte an der Tür Probleme haben. Das Publikum ist angenehm gemischt, nicht zu jung, nicht zu alt, mit einzelnen Ausreißern nach oben und unten.

Die Halbwelt ist noch präsent

An der Wand blinken noch die alten Spielautomaten und fügen sich perfekt in den Rahmen aus Holzvertäfelung, Wendeltreppe, psychedelisch-softpornografischen Leuchtbildern und Sitzecken ein - die Athmosphäre ist warm. Auch die Halbwelt ist noch präsent - und das ist gut so. Denn gerade im hippen Glockenbachviertel werden die alten Mischformen großstädtischen Zusammenfeierns von der Club-Szene mehr und mehr verdrängt.

Tief in der Nacht: An der Bar ein hübscher asiatischer Ladyboy, neben ihm ein kräftiger Herr mit Schnauzer, der nicht fotografiert werden möchte: "Lebe dein Leben" empfiehlt er - für Weisheiten ist es hier nie zu spät. Der Dritte im Bunde, mit schulterlangen Haaren und K&K-Akzent, küsst die Hand.

Ebenso höflich, zuvorkommend und nie arrogant ist das Barpersonal. Hier muss man sich nicht verzweifelt am Tresen festkrallen und den Barkeeper mit Blicken ansaugen, um bedient zu werden. Der Tresen: als riesiges U biegt er sich um eine Spiegelsäule dominant durch den ganzen Raum. Die Preise: 0,3 l Tegenseer Hell kosten 3 Euro, für München also moderat.

Ich bin BUBBLE BOBBLE//Ich bin eine Party//Ich lebe im Pimpernel//Ich bin scheissneu//Meine Eltern sind KOSHKA VALERIANKA, PERMANENT VACATION + DISCO INFERNO(LO-FI KARAJAN)//. So beschreibt sich auf Myspace der Tanzabend, der verschiedene DJ-Teams miteinander vereint: Zum Beispiel, unter Koshka Valerianka firmierend, Mitglieder der legendären Münchner Zombocombo. Die Musik: DISCOTECHHOUSEPOSTGHETTOELEKTRORAVE (Selbstbeschreibung Disco Inferno - und das ist nur ein Ausschnitt). Es ist vier Uhr morgens, alle tanzen, das unsklavische Konzept, einfach guten Sound zu machen, geht auf.

Im Pimpernel wohnen aber nicht nur Bubble Bobble, sondern auch andere freundliche Gesellen. Am ersten Wiesn-Sonntag zum Beispiel gab es von 6 bis 11 Uhr am Morgen ein legendäres Wies-Warm-Up. Wenn das nicht ein Zeichen für eine gesunde Form von Toleranz ist.