Pegida Ernst nehmen, auch wenn's schwer fällt

Auf dem Marienplatz in München treffen die Pegida-Anhänger auf 2500 Gegendemonstranten.

(Foto: Martin Bernstein)

Wie ein trauriger Clown durch die Manege stolperte "Pegida Dresden" durch München. Muss man die Handvoll rechter Demonstranten ernst nehmen? Ja, leider.

Kommentar von Martin Bernstein

Wenn es drauf ankommt, sind die Münchnerinnen und Münchner zur Stelle. Friedlich, fantasievoll und entschlossen. Egal, unter welchem Label die Feinde der Freiheit, der Vielfalt und des Miteinanders in dieser Stadt auftreten: Die eigenen Anhänger können sie nicht mobilisieren - die Münchner Zivilgesellschaft schon. Das ist gut so und wird auch in Zukunft bitter notwendig sein. Darüber sollte man sich nicht hinwegtäuschen lassen. Man muss sie ernst nehmen, die diversen Ableger aus dem Pegida-Franchise-Reich, auch wenn es schwer fällt.

Wie ein trauriger Clown durch die Manege, so stolperte "Pegida Dresden - das Original" am Samstag durchs Graggenauviertel. Lutz Bachmann und Michael Stürzenberger riefen, und 190 Mitstreiter aus München und dem Oberland, verstärkt durch ein paar mitreisende Dresdner, folgten dem Ruf - "Helden", wie Bachmann ihnen bescheinigte.

Feines Gespür der Münchner

Der Anführer selbst blieb die meiste Zeit heldenhaft im Volkswagen verborgen sitzen und behauptete anschließend, er wolle nicht vom Podium aus sprechen, sondern "auf der Straße" unter seinen Mitstreitern sein. Geht's noch ein bisschen bizarrer? Und kann man denn eine Handvoll rechter Demonstranten so richtig ernst nehmen, die "Wir sind das Volk!" skandierend durch München ziehen und das selbst tatsächlich glauben?

Ja, man muss sie ernst nehmen, leider. Ein Blick auf die Veröffentlichungen von Pegida und ähnlichen Gruppen genügt, auf die Kommentare ihrer Anhänger in den sozialen Netzwerken, auf die Abgründe von Hass, von Verachtung für die politische Kultur in diesem Land, die darin ungeschminkt sichtbar werden. Die Münchner haben zum wiederholten Mal ein feines Gespür dafür bewiesen. Und auch dafür, dass man eine Gefahr gleichzeitig ernst nehmen und den Gefährdern dennoch mit fröhlicher Leichtigkeit begegnen kann.

Singen gegen rechte Parolen, "Bella Ciao" und "Imagine" gegen Deutschtümelei, "Freude schöner Götterfunken" gegen die Angst, die Bachmann, Stürzenberger & Co. so gerne verbreiten würden. Es wird ihnen nicht gelingen. Das haben die Münchner ihnen am Samstag einmal mehr klargemacht - vielstimmig, aber im Chor.

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