Winterolympiade 2022 DOSB rät München von Bewerbung ab

Der Deutsche Olympische Sportbund empfiehlt München, von einer erneuten Olympiabewerbung abzusehen. Oberbürgermeister Ude will jetzt auch nicht mehr. Offenbar glaubt niemand mehr ernsthaft an weiß-blaue Winterspiele 2022.

Von Peter Fahrenholz, Christian Krügel und Dominik Hutter

München soll sich nach dem Willen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht um die Olympischen Winterspiele im Jahr 2022 bewerben. In einem Antrag für die DOSB-Mitgliederversammlung an diesem Samstag empfiehlt das Präsidium mit Präsident Thomas Bach an der Spitze "zum jetzigen Zeitpunkt" von einer Bewerbung um die Spiele "abzusehen".

Im Juli waren München und Garmisch-Partenkirchen mit ihre Kandidatur für die Spiele 2018 klar gegen die südkoreanische Stadt Pyeongchang gescheitert. Während die Münchner CSU und FDP unmittelbar nach der Niederlage eine zweite Bewerbung für 2022 gefordert hatten, waren Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und der DOSB seither zurückhaltender. Es gelte, Münchens Chancen genau zu analysieren, hieß es.

Das Ergebnis dieser Analyse: Eine zweite Bewerbung der Oberbayern jetzt zu beschließen, sei nicht sinnvoll. In dem entsprechenden Antrag werden vier Kernkriterien für eine erfolgversprechende Bewerbung aufgelistet. Dazu gehören die internationalen Chancen und die Frage, ob auch für 2022 eine "einhellige politische Unterstützung" für Olympia zu erwarten sei. Angesichts des dezidierten Neins der Grünen ist diese Unterstützung zumindest fraglich gestellt.

Außerdem sei entscheidend, ob auch die Bürger in den betroffenen Kommunen "mit klarer Mehrheit" für die Ausrichtung der Spiele seien. Und schließlich sei wichtig, ob es angesichts der Finanzkrisen möglich sein werde, "ein ausreichend ausgestattetes Bewerbungsbudget zu finanzieren". Ohne die Fragen konkret zu gewichten, heißt es, dass man aufgrund der "derzeitigen Einschätzung dieser Fragestellung" von einer erneuten Bewerbung abrate.

Michael Vesper, Generalsekretär des DOSB, will von einem endgültigen Nein zu München 2022 aber noch nichts wissen. "Der DOSB legt immerhin grundsätzlich ein klares Bekenntnis zu einer erneuten Bewerbung ab. Und auch für 2022 ist die Tür noch nicht zu", so Vesper zur SZ. Doch es gebe eben offene Fragen, die jetzt nicht zu beantworten seien. Da eine Kandidatur für 2022 aber erst in eineinhalb Jahren abgegeben werden müsse, sei auch noch Zeit für eine endgültige Entscheidung. Vesper dementierte, dass es im DOSB Überlegungen gebe, ohne Garmisch in eine zweite Bewerbung zu gehen. "Wir haben ein klares Konzept, mit dem wir auch schnell an den Start gehen könnten", so Vesper zur SZ. Der Beschluss des DOSB sei mit den "Partnern in Stadt und Staat abgestimmt".

Tatsächlich zeigte sich Münchens OB Ude keineswegs enttäuscht über die Pläne. Man habe stets dafür plädiert, für eine zweite Bewerbung "den günstigsten Zeitpunkt abzuwarten", und "erhebliche Zweifel" gehabt, dass 2022 dafür in Frage komme. Wegen der Wahlen, die bis zur Vergabe der Spiele in Stadt, Land und Bund anstehen, sei der zeitliche Ablauf für eine Bewerbung eben "nicht sehr glücklich". Ude zur SZ: "Ich bin erleichtert, weil ich die sofortige Fortsetzung der Kontroverse mühsam fände." Ministerpräsident Horst Seehofer wollte sich nicht äußern. "Wir kommentieren keine Beschlussvorlage des DOSB", hieß es aus der Staatskanzlei.