Olympia-Attentat Symbolischer Einschnitt

Präsentation der Entwürfe zum Erinnerungsort Olympia-Attentat 72. Foto:Catherina Hess

(Foto: Catherina Hess)

Der Wettbewerb für den Gedenkort zur Erinnerung an die Opfer des Olympia-Attentats ist entschieden. Der Siegerentwurf sieht einen frei zugänglichen Raum unter einer Hügelkuppe auf Stelzen vor. An einer Stelle sieht die Jury jedoch noch Nachbesserungsbedarf.

Von Kassian Stroh

An die Opfer des Attentats von 1972 soll künftig ein durchgeschnittener Hügel im Olympiapark erinnern. Mit dieser Idee hat sich das Tirschenreuther Büro Brückner & Brückner bei einem Architektenwettbewerb zum geplanten Gedenkort durchgesetzt. Dieser soll auf einer Anhöhe am Kolehmainenweg entstehen, südlich des Olympiadorfes und nördlich der Tennisanlage. Brückner & Brückner wollen aus diesem kleinen Hügel mehr als einen Meter horizontal herausschneiden; das so entstehende Dach soll von Säulen getragen werden.

Die Ausstellungsfläche darunter soll um knapp einen Meter tiefer gelegt werden, sodass ein gut zwei Meter hoher, nach allen Seiten offener Raum entsteht. "Ein Schnitt" nennen die Brüder Peter und Christian Brückner ihren Plan. Sie fügten der Landschaft des Olympiaparks "nichts hinzu, sie nehmen etwas weg, so wie das Attentat - nämlich das Leben der elf Sportler", mit diesen Worten würdigte die Wettbewerbssieger die Züricher Architektin Barbara Holzer, die der Jury vorsaß.

Das Ende der fröhlichen Spiele

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Damit ist das vor zwei Jahren von der Staatsregierung in Angriff genommene Projekt einen großen Schritt vorangekommen. Zumal Kultusminister Ludwig Spaenle am Montag einen weiteren Finanzier präsentierte: die in Los Angeles ansässige Stiftung Global Sports Development, die etwa 200 000 Euro beisteuern will. Genauso viel Geld kommt vom Internationalen Olympischen Komitee, der Bund will 350 000 Euro zahlen. Die Stadt München wird, sofern der Stadtrat zustimmt, 420 000 Euro übernehmen - diese Zahl verkündete Kulturreferent Bernhard Küppers am Montag. Die restlichen etwa 500 000 Euro wird der Freistaat tragen.

Wie die Ausstellung im Inneren des Hügels genau aussehen wird, soll nun noch detailliert erarbeitet werden. Die Architekten haben vorgeschlagen, das Dach von elf Säulen tragen zu lassen. Diese sollten je einem der elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft gewidmet werden, die bei dem Überfall des palästinensischen Terrorkommandos am 5. September 1972 ums Leben kamen.

Auf diesen Säulen sollte je ein Bild und eine kurze Inschrift zu finden sein, an ihrem oberen Ende ein Bildschirm mit weiteren biografischen Informationen. Hier sieht die Wettbewerbsjury aber noch Nachbesserungsbedarf, wie am Montag zu hören war. Auch weil offenbar noch ungeklärt ist, ob auch eigens an das einzige deutsche Opfer erinnert werden soll, den Münchner Polizisten Anton Fliegerbauer. Dieser war beim missglückten Befreiungsversuch auf dem Militärflughafen Fürstenfeldbruck ums Leben gekommen. In der Mitte des Raums soll ein leuchtender 24-Stunden-Kreis die Ereignisse jenes Tages darstellen, zwischen den Säulen soll es Informationen zu vier weiteren Themen geben: die politische Bedeutung der Spiele von 1972, die deutsch-israelischen Beziehungen, den transnationalen Terrorismus und die Nachwirkungen des Attentats. Viel soll offenbar mit Lichtprojektionen von der Decke auf den Boden gearbeitet werden. Diese haben auch den Vorteil, weniger für Vandalismus anfällig zu sein als Info-Tafeln oder Tische.

Erst versagt, dann vertuscht

Bisher unveröffentlichte Dokumente legen nahe: Das Münchner Attentat im September 1972 war keineswegs unvorhersehbar, wie das die deutschen Behörden glauben machen wollten. Offenbar agierten die Terroristen chaotisch - und hatten es mit Ermittlern zu tun, die erst konkrete Hinweise ignorierten und dann ihr Fehlverhalten vertuschten. Bastian Obermayer mehr ...

Der Gedenkort soll nämlich, so die Idee, rund um die Uhr frei zugänglich sein und kein Museum im herkömmlichen Sinn sein. Er soll auch zum Verweilen einladen (wozu an Regentagen das Dach viel beitragen dürfte) und groß genug für Besuchergruppen sein. Die überdachte Fläche soll nach dem Entwurf von Brückner & Brückner etwa 130 Quadratmeter umfassen. Da der Raum rundum offen ist, hat der Besucher sowohl die Olympiastätten im Blick wie auch die Appartements an der Connollystraße 31, den Ort der Geiselnahme.

Eröffnet werden soll der Gedenkort im Herbst 2016. Die Initiative dafür geht maßgeblich auf den früheren israelischen Generalkonsul in München, Tibor Shalev Schlosser, zurück, vor zwei Jahren machte sich Ministerpräsident Horst Seehofer die Idee zu eigen. Dem Architektenwettbewerb, an dem sich sechs Büros beteiligt hatten, lag ein Konzept zugrunde, das das Kabinett vor einem Jahr gebilligt hatte.

Die eingereichten Entwürfe sind noch bis 5. Oktober im Foyer des Jüdischen Museums am Jakobsplatz zu sehen: von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, aber nicht am 25. und 26. September sowie am 4. Oktober.