Neues Strafjustizzentrum Palast der Büßer

Der Eingangsbereich des geplanten Strafjustizzentrums

(Foto: Simulation: Frick, Krüger, Nusser, Plan2)

An der Dachauer Straße entsteht bis 2019 ein neues Strafjustizzentrum nach den Plänen des Münchner Architekturbüros "Frick Krüger Nusser Plan2". Ein größerer Verhandlungssaal ist dort bisher nicht vorgesehen.

Von Alfred Dürr

Es soll mehr sein als ein nüchterner Bürobau, aber auch kein protziger Verwaltungspalast. Das neue Münchner Strafjustizzentrum am Leonrodplatz, das voraussichtlich Ende 2019 seinen Betrieb aufnimmt, wird nach Ansicht von Bayerns Justizministerin Beate Merk einerseits die Justiz angemessen repräsentieren, andererseits ein städtebauliches und architektonisches Ausrufezeichen setzen. Gewonnen hat den Architektenwettbewerb, für den 27 Teams ihre Entwürfe eingereicht hatten, das Münchner Büro "Frick Krüger Nusser Plan2". Merk sprach bei der Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse von einer hervorragenden Lösung: "Ein kompaktes Konzept mit einer klaren Haltung im Innern wie im Äußern."

Das Sieger-Büro sieht auf dem Grundstück an der Dachauer Straße einen mächtigen Baukörper mit drei Innenhöfen vor. Das Hauptgebäude am Leonrodplatz wird mit sieben Geschossen deutlich höher sein als der übrige Komplex. Dieser Eingang sei hell und freundlich gestaltet, heißt es in der Begründung der Jury unter dem Vorsitz von Thomas Jocher. In den unteren, quasi öffentlichen Bereichen befinden sich auch die Gerichtssäle - mit Blickbeziehungen zu den grünen Innenhöfen. Eine mächtige "Stadtloggia", die sich über zwei Stockwerke über dem Eingang erstreckt, soll einen besonderen Akzent in der Fassade setzen.

In den rückwärtigen Trakten sind die nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Büros der verschiedenen Justizbehörden untergebracht. Die Architekten beschränken die Gebäudemasse auf nur einen Baukörper - was als spezielle Qualität des Entwurfs gewertet wurde. Deswegen bleibt ein großes Segment des Grundstücks frei, das der Freistaat Bayern für andere Zwecke nutzen kann. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht.

Sieben Justizbehörden, die noch über das Stadtgebiet verteilt sind, kommen künftig am Leonrodplatz unter ein gemeinsames Dach. 1300 Personen werden hier arbeiten. Die Kosten für das Projekt betragen 234 Millionen Euro. Der Neubau sei dringend notwendig, sagte die Justizministerin. Auf dem besonders gesicherten Gelände der Justizvollzugsanstalt Stadelheim entsteht zudem zur Zeit ein eigener Sitzsaal-Trakt für Verfahren mit höchster Sicherheitsstufe.

Für den Freistaat sei das Justizzentrum das größte Bauprojekt in nächster Zeit, erklärte der Chef des Staatlichen Bauamts München 1, Kurt Bachmann. Der neue Komplex soll das 1977 fertiggestellte und stark sanierungsbedürftige Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße beim Stiglmaierplatz ersetzen. Was dann mit diesem Areal geschieht, ist noch völlig unklar. Es ist davon auszugehen, dass der Bau abgerissen wird und der Freistaat das Grundstück an einen Investor veräußert. Eine grundlegende Sanierung hätte annähernd so viel Geld verschlungen wie ein Neubau, sagt Justizministerin Merk.

Nach den aktuellen Plänen sollen die neuen Gerichtssäle nicht größer werden als die in der Nymphenburger Straße. Angesichts der heftigen Debatten um die Platzvergabe für Journalisten beim bevorstehenden NSU-Prozess denkt man aber über größere Dimensionen im Neubau nach. Es dürfte kein Problem sein, so heißt es, bei Bedarf zum Beispiel zwei nebeneinander liegende Säle in einen großen Gerichtssaal umzufunktionieren.

Alle Wettbewerbsarbeiten sind noch bis zum 9. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr in der Reithalle, Heßstraße 132, ausgestellt. Am 10. Mai ist von 10 bis 14 Uhr geöffnet.