Nahverkehr Münchens Trambahnen kommen immer unpünktlicher

Jetzt aber schnell: Eine Tram der Linie 23 überquert aus der Parkstadt Schwabing kommend den Mittleren Ring.

(Foto: Robert Haas)
  • Der Münchner Nahverkehr ist im ersten Halbjahr 2016 unpünktlicher geworden. Betroffen sind vor allem die Straßenbahnen.
  • Die Verkehrsgesellschaft schiebt die Schuld auf die vielen Baustellen in der Stadt.
  • "Man muss dringend aufpassen, nicht noch weiter abzurutschen", warnt dagegen der Fahrgastverband Pro Bahn.
Von Marco Völklein

Wie pünktlich sind die U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG)? Im ersten Halbjahr 2016 sank vor allem der Wert bei den Trambahnen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichneten die Statistiker der MVG einen Rückgang um fast zwei Prozentpunkte.

Bei den Bussen betrug das Minus gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 nur 0,8 Punkte, bei den U-Bahnen nur 0,6 Punkte. "Die Pünktlichkeit befindet sich trotz leichter Rückgänge weiter auf einem hohen Niveau", bewertet die MVG die Zahlen. "Man muss dringend aufpassen, nicht noch weiter abzurutschen", warnt dagegen der Fahrgastverband Pro Bahn.

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Im Jahr 2013 hatte der Stadtrat den städtischen Verkehrsbetrieb dazu verpflichtet, seine Pünktlichkeitswerte zweimal im Jahr zu veröffentlichen. Als unpünktlich wird bei der MVG ein Zug oder ein Bus gewertet, wenn er mehr als 120 Sekunden Verspätung hat oder ganz ausgefallen ist. "Am letzten Haltepunkt zählt die Ankunftszeit", heißt es bei der MVG weiter.

Bei der S-Bahn gibt es andere Maßstäbe: Dort gilt ein Zug als unpünktlich, wenn er mehr als fünf Minuten Verspätung hat. "Für eine Großstadt ist der MVG-Ansatz der richtige Maßstab", sagt Andreas Barth von Pro Bahn. Auch dass der städtische Verkehrsbetrieb die Werte überhaupt veröffentlicht, findet er gut. Die Deutsche Bahn, die die Münchner S-Bahn betreibt, rückt ihre Zahlen immer nur auf Anfrage und schon gar nicht in regelmäßigen Abständen raus.

Vor allem die größeren Unpünktlichkeiten bei der Trambahn sehen Fahrgastvertreter als Warnsignal. So bremse das Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Straßenbahnen bei Baustellen "regelmäßig aus", kritisiert Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste. Um bei Großbaustellen den Autoverkehr nicht allzu sehr zu beeinträchtigen, schalten die KVR-Planer die Vorrangschaltung für die Trambahnen an großen Kreuzungen ab.

Trambahnen kommen auch wegen der vielen Baustellen zu spät

Zuletzt geschah das am Effnerplatz: Um den Kfz-Verkehr rund um die Isarring-Baustelle einigermaßen flüssig zu halten, müssen die Bahnen der Linien 16 und 18 bis Mitte Oktober auf ihre Vorrechte verzichten. "Die Abschaltung ist immer das erste, was kommt", kritisiert Nagel. Auch die MVG führt den Rückgang der Pünktlichkeit im Betriebszweig Trambahn auf die vielen Baustellen zurück: So habe etwa die Gleisbaustelle am Stachus mit zahlreichen Umleitungen "die ohnehin schon in der Leistungsfähigkeit strapazierte Infrastruktur durch zusätzliche Fahrten überstrapaziert", sagt ein MVG-Sprecher.

Grafik: SZ

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Hinzu kommt, dass MVG und Stadt bei zahlreichen Buslinien nach und nach diverse Maßnahmen zur Beschleunigung angehen, zum Beispiel Vorrangschaltungen an den Ampeln oder sogenannte "Kap"-Haltestellen, die es den Bussen ermöglichen, schneller von einer Haltestelle wieder wegzukommen. So seien im Bussegment "noch positive Effekte im Hinblick auf die Fahrplanstabilität" zu erzielen - entsprechend konstant halten sich die Pünktlichkeitswerte beim Bus.

Bei größeren Fahrzeugen läuft der Fahrgastwechsel schneller

Bei der Trambahn dagegen seien solche Effekte nahezu vollständig ausgereizt; dort wurden schon vor Jahren sämtliche Linien beschleunigt und mit Vorrangregeln an den Kreuzungen ausgestattet. Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr (AAN) sieht daher die Zeit gekommen für ein "Trambahnbeschleunigungsprogramm 2.0", wie er es nennt: Techniker der Stadt und der MVG sollten die Ampelanlagen "nachschärfen" und so unter anderem verhindern, dass die sich zurückstauenden Autos die querenden Tramgleise verstopfen.

Die MVG hat zudem längere Straßenbahnen bestellt, die von Mitte 2017 an "einen Entlastungseffekt bringen werden", wie der Sprecher sagt. Mit größeren Fahrzeugen läuft der Fahrgastwechsel schneller, die Tram kommt rascher von der Haltestelle weg. Auch ist auf dem Bahnhofsvorplatz ein drittes Gleis geplant, um die Engstelle zu beseitigen. "Und wir werden nicht müde, auf die Notwendigkeit der Tram-Tangentialen hinzuweisen", sagt der Sprecher. Das würde das "weitgehend sternförmig ausgerichtete Netz entlasten" - nicht nur bei der Tram-, auch bei der U-Bahn.

Auch Fahrgastvertreter Barth sieht "vor allem die Politik am Zug". Die leichten Rückgänge bei der U-Bahn-Pünktlichkeit erinnern ihn an Zeiten, in denen die S-Bahnen noch relativ stabil fuhren. Damals hätte man erste Schwächen bei der Pünktlichkeit "auch schon als Anzeichen für langfristige Probleme deuten können". Darauf reagiert habe aber kaum jemand. Barth warnt: "Bei Tram- und U-Bahn darf uns das nicht genauso gehen."

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