Musik im Bierzelt Das sind die zehn beliebtesten Wiesnhits

Die langjährige Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl dirigiert die Wiesn-Bierzeltkapellen beim Standkonzert vor der Bavaria.

(Foto: Frank Leonhardt / dpa)

Die Gema hat eine Rangliste der Wiesnhits erstellt. Nach Platz sieben beginnen die fremdsprachigen Lieder.

Von Stephan Handel

Die alljährliche Frage nach dem Wiesnhit ist wahrscheinlich eine Frage, die Musiker und Journalisten weit mehr umtreibt als den durchschnittlichen Oktoberfest-Besucher. Die Prophezeiungen beginnen normalerweise so Anfang September, die Datenlage ist schwach - meistens hat jemand irgendwas im Radio gehört oder auf einer Party, das hat ihm gefallen und dazu grölen lässt sich's auch, zack, das wird der Wiesnhit. Die wenigsten dieser Vorhersagen treten ein, und warum ein Song ins ewige Repertoire der Bierzelt-Kapellen aufgenommen wird, lässt sich post factum meistens erklären, aber so gut wie nie von vornherein sicher prognostizieren.

Zumindest gibt es jetzt erstmals eine Hitliste, die tatsächlich auf validen Daten basiert: Die Gema hat anhand der Meldungen aus dem Jahr 2016 eine Top Ten der Wiesnlieder erstellt. Das geht, weil die Kapellen täglich melden müssen, was sie denn so gespielt haben. Nach diesen Listen leitet die Gema Geld an die Komponisten weiter, die die jeweiligen Werke geschrieben haben.

Danach kommt zweimal Andreas Gabalier

Also wissen sie auch genau, welches Lied wie oft gespielt wurde - die absoluten Zahlen allerdings gibt's nicht, der Datenschutz steht dagegen. Keine große Überraschung stellt der Platz 1 dar: Angeblich haben es die Kapellen ja in ihren Verträgen stehen, wie oft in der Stunde sie das "Prosit" zu spielen haben, weil bei jeder Beschwörung der Gemütlichkeit gemütliche 800 Mass zu den Gästen gelangen. Auch der Platz 2 gehört weniger in die Kategorie "Lied", eher zur Untergruppe "Animation": Dass den Silberrang die Beteuerung einnimmt, es gehe noch eine Mass, weil eine Mass oiwei gehe, erstaunt weniger als die Tatsache, dass an beiden Werken, Prosit und "Oa Mass geht no", tatsächlich Leute die Rechte haben, in diesen Fällen der Musikverlag Grünbauer in Cham sowie der Straubinger Trompeter, Komponist und Arrangeur Franz Gerstbrein.

Auf den Plätzen folgt Erwartbares: Bronze gewann 2016 "Atemlos", das ein viel besseres Lied ist, wenn es nicht von Helene Fischer gesungen wird. Danach kommt zweimal Andreas Gabalier "I sing a Lied für di" und "Hulapalu".

Platz sieben ist "Schatzi, schenk mir ein Foto"

Auf Rang sechs folgt ein Lied, das keiner auf dem Zettel hatte, als es vor sechs, sieben Jahren die Bierzelte eroberte - wahrscheinlich wundert sich Hubert von Goisern bis heute, dass ein kapitalismuskritischer Song wie "Brenna tuats guat" an einem Ort beliebt ist, an dem ein Liter Bier bald elf Euro kostet.

Platz sieben ist "Schatzi, schenk mir ein Foto", danach beginnen die fremdsprachigen Lieder, deren erstes "Viva Colonia" ist, auf der Wiesn allerdings meistens in bairischer Kontrafaktur als "Viva Bavaria" gesungen. Auf Platz 9 steht "Sweet Caroline" von Neil Diamond, auf 10 schließlich "Angels" von einem gewissen Robert Peter Williams, den die ganze Welt unter seinem Spitznamen Robbie kennt.

Kein Fürstenfeld, kein Fliegerlied, vom alten Holzmichel oder gar der Schützenliesel ganz zu schweigen, angeblich ja der erste aller Wiesnhits. Welches Lied heuer zum Schlager wird? Keine Ahnung. Aber ans Prosit wird nichts herankommen, das steht fest.