Die Woche der Olympia-Entscheidung hat begonnen, OB Christan Ude ist in Durban gelandet und verbreitet Zuversicht. Das IOC will er mit einer besonderen Kompetenz der Münchner überzeugen: Ordentlich zu feiern.
Das kalifornisch bunte Treiben an Durbans Nordstrand war am Wochenende um eine Attraktion reicher: Münchens Bewerberteam ist da - und hat gleich einige einheimische Unterstützer mit Ski, Snowboards und Wintermütze in den Sessellift am Strand gepackt. Ein bayerischer Skilift ziert also bereits den Tagungsort des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wo am Mittwoch der Winterspiel-Ausrichter für 2018 gekürt wird. Mit München konkurrieren Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich).
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Vom Krankenbett ans Kap der guten Hoffnung: In Durban macht Oberbürgermeister Christian Ude noch einmal Werbung für die Münchner Olympia-Kandidatur. (© dpa)
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Beim ersten Pressetreff in einem gediegenen Strandhotel nahmen Bewerber-Geschäftsführer Bernhard Schwank und Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Münchens Oberbürgermeister Christian Ude in die Mitte. Der war aus dem Flugzeug zum ersten Pflichttermin geeilt, nachdem er die letzten Tage wegen einer Darmerkrankung im Krankenhaus zubringen musste. In Durban wehrte er Fragen nach der Verfassung souverän ab: "Ich hatte leicht olympisches Fieber, jetzt geht es mir gut."
Ansonsten offenbarte die Antrittsvorstellung der Münchner vor überwiegend asiatischen Pressevertretern, worum es in diesen letzten drei Tagen vor der Wahl geht: Bloß keine Fehler zu machen - und hinter den Kulissen diskret die letzten Weichen für ein positives Votum stellen. Dieser Teil der Arbeit aber, hart an den 110 IOC-Mitgliedern, entzieht sich den Blicken neugieriger Betrachter.
Das sportdiplomatische Pressegeplänkel indes beherrschen die Münchner Bewerber schon. "Wir bieten Spiele von Athleten für Athleten. Und die Frage ist: Wo gibt es 2018 die beste Lösung für die Athleten?", sagte Schwank. Routiniert rühmten Ude und Vesper auf Englisch Münchens Ruf als Sport- und Kulturmetropole sowie die Nachhaltigkeit der Offerte. Ude versprach volle Stadien und betonte mit Verweis auf das Oktoberfest, dass die Münchner zu feiern verstünden: "We know how to throw a party" (wir wissen, wie man eine Party schmeißt).
Auf der Wolke der Zuversicht
Hinter den Kulissen wird da schon härter gearbeitet. Seit Mittwoch ziehen sich die Probeläufe des noch unvollständigen Präsentationsteams in Durban. Begriffe wie "Trainingscamp" und "Oval Office" schwirren durch die Hotelflure. Der starke Auftritt bei der Präsentation im Mai beim IOC hat München auf eine Wolke der Zuversicht gehoben; bei den lange favorisierten Koreanern wächst die Skepsis. Doch eröffnet wird die olympische Stimmungs- und Meinungsbörse erst, wenn das IOC-Wahlvolk am Ort eintrifft. Fast die Hälfte des Gremiums hatte Samstag noch der Hochzeit des Mitgliedes Fürst Albert in Monaco beigewohnt.
Dort, an der französischen Riviera, versuchten auch Bundespräsident Christian Wulff und der Chef des DOSB, Thomas Bach, in Frack und Smoking bei den knapp 50 anwesenden IOC-Mitgliedern für München zu werben. Fürst Albert ist seit 1985 selbst Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee; seine Hochzeit wurde so zum letzten wichtigen Werbetermin vor Durban. Wulff wird auch bei der Entscheidung in Südafrika dabei sein - als Chef der Delegation aus Monaco di Baviera.
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(SZ vom 04.07.2011/leja)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Wiesn-Nachrichten
Und warum bitte muss der Wulff nach Durban jetten? Hat der hier nichts zu tun?
110 Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, die alle über jeden Verdacht der Bestechlichkeit erhaben sind, entscheiden, ob und wofür in Bayern in den nächsten Jahre Milliarden ausgegeben werden. Wenn man die Kosten pro Minute der Spiele errechnet, so sind das sicherlich erstaunliche Summen. Dafür ist aber - vielleicht - irgendein Skifahrer 3/100 Sekunden schneller und erreicht einen Weltrekord.
Es wäre schön, wenn es sich München und die Welt wirklich leisten könnten, für so etwas wie die Olympiade Geld auszugeben.