München: Neuer Anlauf für Olympia 2022? Wieder dabei sein ist alles

Olympia-Debatte in München: Wagt die Stadt nach der Niederlage von Durban einen neuen Versuch? Das Bewerbungs-Team hat sich offiziell Stillschweigen auferlegt. Doch dafür reden andere.

Von Dominik Hutter und Silke Lode

Im Münchner Olympia-Team haben sie offiziell Stillschweigen vereinbart. Aber das hilft natürlich nichts. Und so erwartete die gescheiterten Olympioniken schon bei der Rückkehr am Donnerstagabend die Debatte über eine erneute Bewerbung für Olympische Winterspiele in München im Jahr 2022: Die Rathaus-CSU, assistiert vom designierten Münchner Parteichef Ludwig Spaenle, hat sich bereits ganz offiziell per Stadtratsantrag für einen zweiten Anlauf ausgesprochen. "Wir sagen klipp und klar ja", erklärt Spaenle.

In der Durban-Delegation ist man da deutlich vorsichtiger. Thomas Bach, Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und IOC-Vizepräsident, ließ immerhin heraus, dass es schon in der kommenden Woche erste Gespräche über München 2022 geben soll. Eine Entscheidung dürfe man aber "nicht übers Knie brechen".

Bach muss, anders als die Münchner Protagonisten, bei der Klärung dieser Frage die Interessenslage bundesweit im Blick haben - Olympia-Ambitionen in Hamburg oder Berlin beispielsweise, dann allerdings für Sommerspiele. Allzu schlecht scheint München jedoch nicht dazustehen: IOC-Mitglieder, darunter die Chefin der Evaluierungskommission Gunilla Lindberg, empfehlen bereits einen zweiten Versuch.

Oberbürgermeister Christian Ude mahnte dagegen noch in Durban zur Zurückhaltung. Angesichts des wenig ermutigenden Abstimmungsergebnisses müsse erst einmal diskutiert werden, ob eine erneute Bewerbung überhaupt sinnvoll sei. Ein bisschen Zeit bleibt ohnehin noch: Die ersten Unterlagen müssten laut DOSB-Direktor Michael Vesper erst in zwei Jahren eingereicht werden.

Wie die CSU hat sich auch die Münchner FDP bereits entschieden: weitermachen, nur nicht aufgeben. Fraktionschef Michael Mattar liebäugelt allerdings mit einem Partnerwechsel: Vielleicht könnte Österreich beim nächsten Mal den Part der störrischen Garmischer übernehmen. Man könne ja nicht erneut dasselbe Konzept einreichen. "Es bringt nichts, nochmals mit Garmisch anzutreten", findet Mattar - eine Aussage, die der Bürgermeister der Marktgemeinde nicht so gerne hören wird: Thomas Schmid hat bereits zugesagt, auch bei einer Bewerbung für München 2022 wieder dabei zu sein.

Die Rathaus-Grünen dagegen haben nach den quälenden parteiinternen Debatten keine Lust mehr, sich nochmals auf das Abenteuer Olympia einzulassen. Zu teuer für ein möglicherweise aussichtsloses Unterfangen, urteilen die Fraktionschefs Siegfried Benker und Lydia Dietrich. Zudem laufe man Gefahr, noch einmal vier Jahre länger auf diverse Infrastrukturprojekte warten zu müssen.

Bei SPD-Fraktionschef Alexander Reissl kommen derlei Aussagen nicht gut an. "Völlig blödsinnig" seien solche Schnellschüsse. Reissl hält das Thema für wichtig genug, um in aller Ruhe darüber zu diskutieren. Für den SPD-Mann ist lediglich klar: Den Weg von Sotschi und Pyeongchang - viel Geld und viel Beton - dürfe München niemals einschlagen.

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