Selbst über Weihnachten haben einige hartgesottene Besetzer ausgeharrt - doch nun hat die Polizei das LMU-Audimax geräumt.
Die Herren kommen noch vor dem Morgengrauen. Es ist 6.30 Uhr, als Bernd Huber das Audimax betritt, er gibt eine kurze Erklärung ab, die Polizeibeamten warten noch draußen. Er werde nun von seinem Hausrecht Gebrauch machen, verkündet der Präsident der Universität München (LMU): Er fordert die Besetzer auf, unverzüglich aus dem Hörsaal abzuziehen, sonst drohten Anzeigen wegen Hausfriedensbruch oder Bußgelder.
Im Morgengrauen fuhr die Polizei vor - und räumte das besetzte Audimax der LMU. (© Foto: dpa)
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Eine Viertelstunde haben die gut 20 Personen, die über die Festtage ausgeharrt haben, noch Zeit, um ihre Sachen zu packen und die Schlafsäcke einzurollen. Dann begleiten die Polizisten sie aus dem Gebäude.
Unspektakuläres Ende einer siebenwöchigen Blockade
Die Besetzer gehen freiwillig, niemand leistet Widerstand. Gegen sieben Uhr hätten alle das Audimax verlassen, wird Huber später erklären. In den drei Tagen zuvor hat die Unileitung das Haus nach einer Ankündigung schon, wie berichtet, geschlossen. Es gab nur einen Ausgang, aber keinen Einlass mehr.
So endet an diesem Montagmorgen einigermaßen unspektakulär jene Besetzung des größten Hörsaals an Bayerns größter Universität, die die Hochschule fast sieben Wochen in Atem gehalten hat.
Am 11. November zogen die Studenten in das Audimax und richteten sich häuslich ein, mit Bannern und Transparenten und allerlei technischer Ausrüstung; ein Volksküche versorgte die Besetzer. Auch in vielen anderen Städten erklärten Studenten den Hörsaal zur Homebase, um gegen schlechte Studienbedingungen und die Gebühren zu protestieren.
Zurückbleiben 100.000 Euro Sachschaden
Mit der Räumung, die im strengen Sinne keine ist, weil alle freiwillig gingen, habe die LMU nun einen "unhaltbaren Zustand" beendet, sagt Huber. In den letzten Wochen sei der Lehr- und Vorlesungsbetrieb "massiv behindert" gewesen. Für die Mitarbeiter sei es zudem mittlerweile unzumutbar geworden, das Hauptgebäude der LMU am Geschwister-Scholl-Platz rund um die Uhr offen zu halten.
Und schließlich müsse die Hochschule erheblich Sachschäden im Zuge der Besetzung verzeichnen. Insgesamt geht die LMU von 100.000 Euro aus, eingerechnet seien da aber schon die Kosten für zusätzliches Wachpersonal.
Dass er nun keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe, als die Polizei ins Haus zu holen, "macht mich auch nicht glücklich", sagt Huber. Immer wieder habe die Hochschulleitung mit den Besetzern über einen freiwilligen Abzug verhandelt und den Studenten dafür ein "weitreichendes Angebot" bis zu einem Vorstoß für die sogenannte Verfasste Studentenschaft gemacht, die den Studenten ein politisches Mandat einräumt. Das hätten die Besetzer abgelehnt.
Zuletzt sei "keine Perspektive mehr erkennbar" gewesen, wie sich die Besetzung anders hätte beenden lassen, sagt Huber. Die Besetzer hätten sich immer weiter auf "sehr allgemeine politische Forderungen" zurückgezogen. Und unter den bis zuletzt Verbliebenen seien laut Polizei nur noch sieben LMU-Studenten gewesen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was die Studenten zur Zwangsräumung des LMU-Audimax sagen.
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Da muss man farbraum zustimmen!
@JoJoGerstner:
Wenn ich mir anschaue wie links und idealistisch Joschka Fischer einst war und ihn jetzt als Pipeline-Berater für RWE sehe, dann frage ich mich schon ob ein Sachbearbeiter, der seinen Job nicht als Mittelpunkt seines Lebens wahrnimmt, nicht das bessere Vorbild abgibt.
Überschrift: "...starrsinnige Studenten"
aber dann
"Die Besetzer gehen freiwillig, niemand leistet Widerstand."
Der Artikel ist wiedermal eine journalistische Glanzleistung in Sachen Tatsachenverdrehung.
Es ist das gute Recht und für die Persönlichkeitsentwicklung fast die Pflicht, dass Studenten links sind. Studenten ohne Revoluzzergeist werden auch in ihrem späteren Leben nichts bewirken, sondern höchstens als Sachbearbeiter enden. Es wäre mal spannend, die Lebensläufe von den heutigen Besetzern mit den Lebensläufen der Wirtschaftsstudis, die darüber gelächelt haben, zu vergleichen.
Die Wirtschaftsstudis mögen während der Streikzeit vielleicht BCG-Matrixen auswendig gelernt haben, die Streikenden hingegen haben Schlüsselkompetenzen fürs Leben erworben.
Genauso verlogen, wie der Kommentar von Silverblues ist diese ganze Aktion. Wenn man sich die Forderungen z.B. auf unsereunibrennt ansieht, dann geht es zum Großteil nicht um die konkreten Studienbedingungen oder die Probleme in Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess, sondern um ideologische Fragen.
Paging