Übertritt zur CSU Thalhammers Wechsel schockiert die FDP

Ehemaliger FDP-Politiker Tobias Thalhammer wird neues CSU-Mitglied.

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Der bereits nominierte Landtagskandidat informiert die Liberalen eine Stunde vor einer Pressekonferenz von seinem Entschluss. In seiner neuen Partei reagieren viele Politiker aus dem Landkreis äußerst reserviert.

Von Martin Mühlfenzl und Wolfgang Wittl, Neubiberg

Dass in der CSU alles etwas größer ist als in der FDP, wird Tobias Thalhammer am Donnerstag spätestens beim Fototermin bewusst. Gerade hat er seinen Wechsel von den Liberalen zu den Christsozialen verkündet, schon soll er im Innenhof der Parteizentrale werbewirksam posieren. Zu seiner Rechten sein neuer Generalsekretär Markus Blume, zu seiner Linken Oberbayerns CSU-Chefin Ilse Aigner, vor ihm fast mannshoch das "S" aus dem CSU-Logo. Weil Thalhammer dahinter aber kaum zu sehen ist, darf er sich hinter das "U" stellen. Jetzt ist der Blick frei.

Warum der Neubiberger Thalhammer den Wechsel von der FDP zur CSU wagt, ist vielen aber trotzdem noch nicht so richtig klar. "Ich kann das nicht verstehen", rätselt Jimmy Schulz, FDP-Bundestagsabgeordneter und Thalhammers langjähriger Weggefährte - und geht in den Angriffsmodus über: "Vor dem Hintergrund der aktuell von der CSU vorangetriebenen Umwandlung des Freistaates in einen Polizeistaat, ist es für mich völlig unverständlich, wie man als Liberaler die CSU unterstützen kann." Da Thalhammer nun aber kein Liberaler mehr sei, wäre es nur konsequent, wenn er "jetzt nicht nur seine Ämter, sondern auch seine Mandate niederlegt". Thalhammer soll also als Neubiberger Gemeinde- und als Kreisrat zurücktreten, fordert Schulz. Diesen Schritt schließt Thalhammer mit Verweis auf die für ihn guten persönlichen Ergebnisse bei der Kommunalwahl 2014 kategorisch aus.

Stefan Schelle vermutet zunächst einen Aprilscherz

Denjenigen, die mit Tobias Thalhammer künftig vermutlich zusammenarbeiten werden, ist die Überraschung am Donnerstag ebenfalls anzumerken. "Ich war der Meinung, der 1. April war schon", sagt Stefan Schelle, Fraktionschef der CSU im Kreistag. Schelle wird als Fraktionschef eine wesentliche Rolle spielen, wenn es um Thalhammers Zukunft in der CSU geht - wenn er eine hat. Oberhachings Bürgermeister sagt: "Die muss noch geklärt werden. Die Entscheidung darüber liegt beim Kreisverband, bei der Kreistagsfraktion und der CSU in Neubiberg. Aber wir werden natürlich mit ihm reden."

Das klärende Gespräch mit Thalhammer vermisst auch Ralph Peter Rauchfuss, Vorsitzender der FDP München-Land. "Mir fehlen die Worte", sagt Rauchfuss, um dann doch einige zu finden, die seiner Enttäuschung Ausdruck verleihen: "Inhaltlich hat Tobi doch nichts mit der CSU gemein." Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung, Tierschutz, Digitalisierung, Bildung und Schulbau - in diesen Punkten, für die sich Thalhammer stets eingesetzt habe, unterscheide er sich "fundamental" von der CSU. Rauchfuss vermutet, Thalhammer habe die Enttäuschung nicht verkraftet, als Direktkandidat des Stimmkreises München-Land Süd bei der Aufstellung der oberbayerischen Landesliste für die Landtagswahl auf Platz 16 durchgereicht worden zu sein. "Das hat an ihm gekratzt. Aber es wäre trotzdem alles möglich gewesen", findet Rauchfuss.

Auch er fordert Thalhammer zum Rücktritt von seinen Ämtern auf: "Der Anstand gebietet es." Für den FDP-Kreischef Rauchfuss beginnt nun eine stressige Phase, schließlich muss er einen Nachfolger für Thalhammer als Direktkandidat bei der Landtagswahl im Oktober finden. "Wir werden das jetzt in Ruhe beraten, dann die Delegiertenversammlung vorbereiten und auch über Bewerber sprechen", sagt er.

Neue Parteifreunde: Ehemaliger FDP-Politiker Tobias Thalhammer mit der Vorsitzenden der CSU Oberbayern und Bayerischen Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Ilse Aigner.

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Jubelstürme bleiben auch bei der CSU in Neubiberg aus

Weniger stressig als vielmehr spannend dürften die Gespräche für den CSU-Fraktionschef im Neubiberger Gemeinderat, Thomas Pardeller, mit Thalhammer werden. Bislang sind sich beide eher in herzlicher Abneigung verbunden. Daher bricht Pardeller angesichts des neuen Mitglieds auch nicht in Jubelstürme aus: "Bisher war die Zusammenarbeit im Gemeinderat ja nicht so intensiv. Eigentlich hat Herr Thalhammer eher gegen die CSU gearbeitet und gegen die CSU im Freistaat Stimmung gemacht." Aber wenn das Gesprächsangebot von Thalhammer komme, sagt Pardeller, werde seine Fraktion es auch annehmen. Sollte Thalhammer sein Mandat tatsächlich nicht niederlegen und stattdessen in die CSU-Fraktion wechseln, war es das dann mit der FDP im Gemeinderat - Thalhammer war bisher der einzige Liberale in dem Gremium.

Florian Hahn, Chef der Kreis-CSU und Bundestagsabgeordneter, geht davon aus, dass der Wechsel des vor allem in Polen erfolgreichen Schlagerbarden Thalhammer - Künstlername "Toby z Monachium" eher "unspektakulär" verlaufen wird. Der Eintritt von Thalhammer in die CSU sei aus seiner Sicht "der logische Schritt", sagt Hahn. Die "inhaltliche Schnittmengen" seien ja vorhanden.

Wer Thalhammer am Donnerstag in der CSU-Zentrale sprechen hört, fragt sich, weshalb er jemals der FDP beigetreten ist. Die CSU packe die Dinge an und rede nicht lange darüber. Sie arbeite am Einklang von Ökologie und Ökonomie, sei näher an der Lebenswirklichkeit. Den neuen Ministerpräsidenten Markus Söder mit seinem Programm finde er einfach gut. Die CSU und er, das passe - anders als mit der FDP: "Ich bin Praktiker und kein Theoretiker, ich bin bürgerlich-liberal und nicht wertebefreit-libertär." Schelle sagt über diesen Auftritt: "Das ist alles eine Riesenshow." Thalhammer sei "als Heilsbringer der CSU auch nur bedingt geeignet".